Der erste Ausflug

Es war ein strahlend schöner Tag im Mai. Die Luft hatte sich zwischen Kälte und Wärme noch nicht Stefan_Vater_20P1020425ganz entschieden. Ein feiner Blütenduft zog durch Gärten und Felder. Es wurde täglich sonniger und wärmer und alle Tiere auf dem Hof genossen das schöne Wetter. Viele stolze Mütter führten ihren Nachwuchs in die wieder erwachte Natur. Auf der Schweineweide suhlten sich süße, rosige Ferkel bis sie sich, nun eher graubraun, neben ihre Mütter legten. Schneeweiße Lämmer sprangen übermütig auf der bunten Kleewiese, Stefan_Vater_P1020428während die Mutterschafe genussvoll das junge Grün abweideten. Enten und Gänsemütter schwammen mit ihren kleinen Entenküken und Gösseln auf dem Teich und passten aufmerksam auf, dass keines verloren ging. Auch die Hennen, die 21 Tage auf den Eiern gebrütet hatten, waren glücklich, ihre Küken nach draußen führen zu können. Eine junge schwarze Henne hatte zum ersten Mal gebrütet. Von den sechs Eiern, auf denen sie gesessen hatte, waren nur aus zwei Eiern Küken geschlüpft. Das eine war schwarz, wie die Mutter, das andere gelb. Für die Henne waren es die schönsten Küken auf der Welt. Eifrig rannten sie hinter ihrer Mutter her, die sie mit Lockrufen zu kleinen Leckereien führte. Die Henne bewachte aufmerksam ihre Kinder. Nur ein einziges Mal ließ sie sich von einem fetten Regenwurm ablenken, der schnell versuchte in die Erde zu entkommen. Hastig rannte sie zu dem Wurm, um ihn doch noch zu erwischen. Mit ihren zwar kräftigen, aber noch sehr kleinen Beinchen konnten die Küken ihr nicht folgen. Da war es passiert. Ihre beiden Küken waren wie vom Erdboden verschluckt. Die schwarze Henne erstarrte vor Schreck. Mit aufgeregten Rufen versuchte sie ihre Kinder zurück zu locken. Ihr Gefieder sträubte sich bizarr auf und sie rannte in Panik über den Hof.

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Was konnte nicht alles passiert sein. Die Angst um ihre Kleinen stand in ihren runden Augen. Die Welt war voller Gefahren für so winzige Küken. Die Greifvögel, die vielen Krähen und Elstern in den hohen Pappeln, die rund um den Hof standen. Die Katzen und auch der Dackel des Bauern. In ihrer Verzweiflung wurden ihre Rufe immer lauter und schriller. Jetzt wurden auch die anderen Hühner und Hähne aufmerksam. Sie alle wollten bei der Suche helfen. Die Henne war schon am Ende ihrer Kraft, als der erlösende Ruf „ich habe sie gefunden“ erklang. Ein zimtfarbenes Huhn rannte auf die junge Henne zu, „sie sind bei den neugeborenen Lämmern im Schafstall.“ Man konnte den Stein fallen hören, der der Henne vom Herzen fiel. „Komm mit, ich bringe dich hin“ sagte das zimtfarbene Huhn. Als die beiden Hennen den Schafstall erreichten, sahen sie dicht an das Mutterschaf gekuschelt zwei neugeborene Lämmchen, das eine weiß und das andere schwarz.

Ebenso dicht an die Lämmchen hatten sich die beiden Ausreißer gekuschelt. Leise lockte die Henne ihre Kinder zu sich. Sie konnte ihnen nicht böse sein. Sie war überglücklich und erleichtert, dass sie die beiden wieder hatte.

Janet Strahl