Bitte unterstützen Sie die Begrenzung von Schlachttiertransporten auf 8 Stunden!

31.07.2012: Verbraucherschutzkommissar Dalli rudert zurück bei der Zusage zur Überarbeitung der Transportverordnung und Begrenzung der Transportzeiten.Am 07. Juni 2012 übergaben die Gründerin der auf Tiertransporte spezialisierten Tierschutzorganisation Animals Angels, Christa Blanke, der Kampagnenleiter von “8 Stunden”[1] Adolfo Sansolini und der dänische Europaabgeordnete Dan Jorgensen dem amtierenden EU-Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar John Dalli in Brüssel das Ergebnis einer jahrelangen, intensiven Kampagnenarbeit, an der sich auch PROVIEH beteiligte: Eine Petition mit über 1,1 Millionen Unterschriften, mit der Dalli dazu aufgefordert wird, die Transportzeit für Schlachttiere aus der EU auf maximal acht Stunden zu begrenzen.

Warum es Handlungsbedarf gibt

Die Überarbeitung der EU-Transportverordnung 1/2005 wird schon seit ihrem Inkrafttreten von Tierschützern und Wissenschaftlern im Jahr 2007 verlangt. Die EU-Lebensmittelaufsichtsbehörde (EFSA) stellte in ihrer Stellungnahme im Jahr 2011 ebenfalls fest, dass die Regelungen nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen und monierte Missstände bei Tiertransporten in der EU.

Auch laut eigenem Bericht der EU-Kommission vom November 2011 gibt es teilweise „gravierende Mängel“ bei Tiertransporten. Allein im Jahr 2009 wurden innerhalb der EU sowie aus und in Drittländer ca. 37 Millionen lebende Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde sowie über 1 Milliarde Stück Geflügel transportiert – ein Drittel davon über Langstrecken. Inlandstransporte innerhalb der einzelnen Länder werden dabei gar nicht in die Statistik eingerechnet. Vollständige Statistiken über alle Tiertransporte gibt es bisher weder in Deutschland noch in der EU. Die Zahlen dürften also wesentlich höher liegen.

Besonders schlimm sind die Umstände unter denen Geflügel, vor allem Masthähnchen und Legehennen, transportiert wird. Die Organisation Eyes on Animals begutachtete die unterschiedlichen Transportsysteme in Deutschland, Belgien und den Niederlanden und machte dabei grausame Beobachtungen. Da die meisten Transportboxen nur von oben zu bedienen sind, gibt es keine Möglichkeit mehr, einzelne Boxen zu öffnen, sobald diese aufeinander gestapelt werden. In der üblichen Eile des Einfangens und Verladens der Tiere bleibt dann keine Zeit, um etwa eingeklemmte Flügel, Beine oder auch Köpfe zu befreien. Unzählige Tiere müssen so während der gesamten Transportzeit eingeklemmt leiden, viele überleben sie nicht.

Hinzu kommt die Tatsache, dass immer wieder kaputte Transportkäfige verwendet werden, die laut Verordnung eigentlich ersetzt oder angemessen repariert werden müssten. Eingesperrte Tiere versuchen dann durch schmale Öffnungen zu fliehen, bleiben dabei stecken oder werden eingeklemmt und sterben auf diese Weise qualvoll. Die Mortalitätsrate bei Geflügel liegt unter solchen Umständen bei 1 bis 2 Prozent – ein Wert, der sowohl von der Industrie, als auch den kontrollierenden Veterinären akzeptiert wird.

Doch auch bei Transporten anderer Tierarten wird regelmäßig und massiv gegen die Transportrichtlinie verstoßen wie die fast täglich neu hinzugefügten Beispiele auf den Internetseiten von Animals Angels zeigen.

Acht Stunden als derzeit möglicher Kompromiss

EU-Kommissar Dalli führt die teilweise katastrophalen Zustände bei Langstreckentransporten (s.u.) auf Überwachungsmängel in den Mitgliedsstaaten zurück, statt das Leid der Tiere auf den Langstreckentransporten anzuerkennen.

Es herrscht zwar keine völlige Einigkeit unter Experten, welches tatsächlich (je nach Tiergattung) die optimalen bzw. maximalen Transportzeiten sind. Aber eine allgemeine Begrenzung auf acht Stunden wäre im Vergleich zur geltenden Regelung ein riesiger Fortschritt und scheint ein vernünftiger Kompromiss. Das gilt auch in Anbetracht der Belastung für die Fahrer, die meist bei Be- und Entladevorgängen mithelfen.

Kommissar Dalli beim Wort nehmen

Bei der Pressekonferenz am 07. Juni 2012 anlässlich der Übergabe der Petition hatte Dalli noch die Überarbeitung der Verordnung zugesagt. Wenige Tage darauf folgte aber ein Dementi. Laut Dalli sollen sich die Anstrengungen der EU in den kommenden Jahren auf eine einheitliche Umsetzung der bestehenden Tierschutzregelungen konzentrieren, auch im Transportbereich. Allerdings stellte er eine gesonderte Prüfung der Situation von Tieren wie Schlachtpferden, die über besonders weite Strecken transportiert werden, in Aussicht.

Der Umwelt- und der Transportausschuss des Europäischen Parlaments (EP) haben sich in den vergangenen Monaten jeweils noch einmal gesondert für die Achtstundenregelung ausgesprochen, nachdem das EP bereits am 15. März 2012 eine entsprechende Entschließung mit großer Mehrheit im Plenum verabschiedet hatte.

PROVIEH unterstützt die neue Online-Kampagne von „8hours“. Mit einem Brief per E-Mail (auch auf Deutsch) können Sie EU-Kommissar Dalli an sein Versprechen erinnern und dazu auffordern, mindestens die überfällige Verkürzung der Schlachttiertransportzeiten auf maximal acht Stunden einzuführen (siehe http://www.8hours.eu/letter_to_dalli/)

Ulrike Behre und Sabine Ohm

 

Quellen und weiterführende informationen:

EFSA Stellungnahme: www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/1966.pdf

Kommissionsbericht:www.ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/docs/10112011_report_de.pdf

Beispiele für Verstöße: http://www.fao.org/fileadmin/user_upload/animalwelfare/cracks_in_the_crate_eona_220520121.pdf, http://www.animals-angels.de/

[1] Vgl. http://www.8hours.eu/