Afrikanische Schweinepest – deutsche Schweine-Industrie vor Katastrophe?

08.08.2012: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) naht. Ursprünglich in Afrika südlich der Sahara heimisch, wurde sie 2007 mit Speiseabfällen in die Hafenstadt Poti in Georgien verschleppt, gelangte von dort über die Kaukasusregion hinweg nach Süd- und Westrussland und wurde Anfang August 2012 aus der Ukraine gemeldet. Ist ihr Weg nach Westen noch zu stoppen? Wenn nein, dann droht eine Katastrophe.

Der Erreger der Afrikanischen Schweinepest ist ein Virus, das direkt von Tier zu Tier, über Zeckenstich oder durch verunreinigtes, unzureichend erhitztes Futter übertragen werden kann. In Afrika werden vor allem Busch- und Warzenschweine infiziert, für die die Infektion aber harmlos ist. Für Hausschweine ist die Infektion dagegen gefährlich, sie kann zu Fieber, Fressunlust, Blutungen und Tod führen. Wie üblich bei Virus-Erkrankungen hilft keine medikamentöse Therapie. Deswegen werden infizierte Bestände gekeult (unblutig getötet) und dann durch Erhitzung unschädlich gemacht. Für die Wirtschaft noch schlimmer ist, dass schon nach der ersten Infektion der Export von Schweinen und Schweineprodukten gestoppt werden kann. Da der deutsche Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch bei rund 110 Prozent liegt (bei 55 Millionen Schweineschlachtungen pro Jahr), müssten dann gewaltige Schweinemengen durch Vernichtung vom Markt genommen werden. Das ist die düstere Kehrseite der Medaille, für den Export mästen zu wollen: Unversehens kann dieser Wirtschaftszweig in die Katastrophe stürzen. Wegen dieser Möglichkeit und wegen der Gefahr für Gesundheit und Umwelt fordert PROVIEH schon seit Langem, dass die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft den Wildwuchs in der Mastbranche endlich effektiv zügeln.

Sievert Lorenzen