Milchkühe im Wiesenglück

07.06.2012: Leise muht und stampft es aus dem Stall. Die rotbunten (braun-weißen) Milchkühe von Bauer Jörn Sierck warten bereits ungeduldig, als er die hintere Stalltür öffnet. Nach der langen Winterpause dürfen die Tiere endlich wieder auf die Weide. Um den alljährlichen Weideauftrieb zu feiern, hat Milchbauer Sierck ein kleines Fest veranstaltet, das mittlerweile Tradition hat. Die Gäste können sich auf ein leckeres Frühstück freuen, auf Trecker-Rundfahrten und einiges mehr. In diesem Jahr kam auch der Biobauer und Schriftsteller Mathias Stührwoldt und begeisterte das Publikum mit seinen Geschichten.

Kuhauftrieb-Hof-Sierck_IMG_1375_Christina-Petersen_provieh

In erster Linie waren die zahlreichen Besucher jedoch auf den Hof in Kropp (Schleswig-Holstein) gekommen, um die Kühe auf ihrem Weg aus dem Stall hin zur Weide zu beobachten. „Der Weideauftrieb im Frühjahr ist jedes Jahr ein ganz besonderer Tag, auf den wir uns alle sehr freuen“, sagt Bauer Sierck. „Da kann man das Glück der Kühe mal wirklich erleben – sie springen und laufen und benehmen sich fast wie kleine Kinder. Es ist immer wieder toll, das jedes Jahr aufs Neue wieder zu sehen“.

Schnell und zielsicher strömen die Kühe tatsächlich hinaus auf den abgesperrten Weg zur Weide, einige hüpfen und springen vor Übermut. Auch die Mitarbeiter von PROVIEH sind erstaunt, wie sehr beweglich die sonst eher schwerfälligen Tiere plötzlich sind. Auf der Wiese konnten wir ihnen noch lange bei ihren ausgelassenen Bocksprüngen, kurzen Sprints und spielerischen Rangkämpfen zuschauen. „Wenn das Wetter mitspielt und die Sonne scheint, dann leuchten die Tiere richtig – nicht nur in den Augen sondern auch vom Fell. Das macht irre Spaß.“ Da stimmen wir Jörn Sierck gerne zu.

Bei ihm sind die Milchkühe die ganze Sommerperiode über draußen, nur zum Melken kommen sie in den Stall. Das ist leider längst nicht mehr selbstverständlich: Mehr als die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Milchkühe stehen ihr Leben lang im Stall. Die Milch der hofeigenen Meierei Geestfrisch hätte also den Aufdruck „Weidemilch“ durchaus verdient. Doch als Werbung setzt sie diesen Titel nicht ein – den Weidegang setzen sie als selbstverständlich voraus.

 

Christina Petersen