And the winner is ...

... bestimmt nicht das Tier an sich, und schon gar nicht die Nutztiere im Besonderen. Das ist die Quintessenz des Bildbandes Dierbaar (übersetzt aus dem Niederländischen: lieb, teuer) von Jan van Ijken. Er folgte dem Aufruf der Zeitung NRC Handelsblad und des Rijksmuseums und dokumentierte BT_Dierbaar-Jan_van_Ijken-Pudelvon 2002 bis 2005 als Teil des Projekts "Document Nederland" das Schicksal einiger Haus- und Nutztierarten in den Niederlanden. Zwar sind die Projekte nicht mit üppigen Budgets ausgestattet, dafür haben die Fotojournalisten aber die große Chance, dass ihre Bilder durch ihre Veröffentlichung im bekanntesten Museum der Niederlande Aufmerksamkeit erregen. Die Fotoprojekte behandeln gesellschaftskritische Themen wie zum Beispiel die Zerstörung der Natur bei der Umsetzung des staatlichen Wohnungsbauprogramms, die mangelnde Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten und – wie im vorgestellten Buch – das oft vernachlässigte Schicksal von Haus- und Nutztieren bei ihrer Haltung und Vermarktung.

Auf 16 Millionen Einwohner kommen in den Niederlanden 20 Millionen Haustiere und 105 Millionen Nutztiere. Schon die Begrifflichkeiten lassen eine zweifelhafte Wertevorstellung in Hinblick auf Umgang und Haltung der Tiere erahnen. Bestätigt wird dies eindrucksvoll durch die Bilder, die uns Jan van Ijken in einfachem Schwarz-weiß ungeschönt und mit brillanter Schärfe präsentiert. Er lässt uns hinter die Kulissen schauen und überlässt es uns, unsere Vorstellungen vom tiergerechten Leben zu hinterfragen. So wird beispielsweise ein geschorener Rassepudel in seiner "Schönheit" präsentiert, während auf einem anderen Bild das Kupieren des Schwanzes eines unbetäubten Ferkels zu sehen ist; ein mit Schleifenbändern verzierter Pferderücken gesellt sich zu einem zum Tode verurteilten Eintagsküken in der Geflügelzucht. Jan van Ijken hält uns in seinem Fotoband Dierbaar einen Spiegel unseres Werteempfindens gegenüber Tieren vor Augen und leistet damit eine wertvolle Aufklärungsarbeit, welcher sich auch PROVIEH verschrieben hat. Da Bilder bekanntlich mehr zum Ausdruck bringen können als Worte, rückt in den Hintergrund, dass die Bildunterschriften in Niederländisch abgedruckt sind. 

Auch in Deutschland gibt es immer noch eine große Diskrepanz zwischen dem von bestimmten Interessenverbänden und der Industrie kommunizierten Tierwohl und der Wahrnehmung durch Tierschützer. Dankenswerterweise hat uns Jan van Ijken 300 seiner Bildbände überlassen. Die angesprochenen Themen sind ihm und uns so wichtig, dass eine Verbreitung dieser Gedanken wichtiger scheint als der kommerzielle Gewinn. Deshalb möchte PROVIEH Ihnen die Gelegenheit geben, den Bildband für zehn Euro Kostenbeitrag (zzgl. Versand)  zu bestellen, um sich oder vielleicht auch anderen Menschen einen Anstoß zu verantwortungsvollem Handeln zu geben.

Felix Handy

Verlag: Voetnoot, 2005

Preis: 10,00 Euro, 92 Seiten

Dem Buch liegt eine deutsche Übersetzung bei.