Baden Hühner eigentlich auch?

Die Sonne scheint und es ist schön warm draußen. Tom und Elena haben den ganzen Nachmittag draußen gespielt und getobt. Sie sind auf Bäume geklettert und haben Burgen im Sandkasten gebaut. Nun sind sie überall ganz staubig und durch die Hitze haben sie viel geschwitzt. Deshalb beschließen die Geschwister baden zu gehen.

Das Wasser ist herrlich erfrischend und Tom und Elena werden beim ausgelassenen Planschen auch wieder richtig sauber. Als Tom einen kleinen Vogel am Ufer entdeckt muss er plötzlich an die Hühner bei Onkel Franz denken. „Baden Hühner eigentlich auch?“ fragt er seine Schwester. Elena weiß die Antwort nicht, aber sie schlägt vor Onkel Franz und die Hühner zu besuchen. 

Huhn_beim_Sandbaden_Johnigk

Onkel Franz hält vier Hennen und einen Hahn und kennt sich sehr gut mit diesen Tieren aus. „Was machen Hühner, wenn sie schmutzig sind und ihnen zu warm ist?“ fragt Elena. „Gehen sie dann auch schwimmen?“ Onkel Franz nimmt die Kinder mit in den Garten, wo die Hühner frei laufen können und sagt: „Beobachten wir sie doch ein wenig.“

Tom sieht zwei Hühner, die zwar zum Trinken an den kleinen Teich herangehen, sich aber nicht ins Wasser begeben. Die Hühner nehmen Wasser mit ihrem Schnabel auf und heben dann den Kopf. „Der Schnabel funktioniert wie eine Schöpfkelle“, erklärt ihr Onkel. „Wenn sie den Kopf heben, rinnt das Wasser in ihren Magen.“ Elena beobachtet eine Henne, die flach in der Sonne sitzt und ihre Flügel weit auf spreizt und eine andere, die sich eine besonders trockene Mulde im Boden ausgesucht hat und sich nun im Staub hin und her bewegt. Der Hahn stolziert zwischen seinen Hennen hindurch und passt auf. „Es sieht aus, als würde die Henne im Sand baden“, sagt Elena staunend. „Das stimmt“, antwortet Onkel Franz. „Hühner baden nicht im Wasser, um sich sauber zu machen, sondern im Staub. Der feine Sand rieselt durch ihr Gefieder, lockert verklebte oder schmutzige Federn wieder auf und entfernt dabei Schmutz und Ungeziefer wie zum Beispiel Milben. Das Sandbad ist sehr wichtig für Hühner.“ Tom sieht, wie sich die beiden Hennen, die zuvor etwas getrunken haben, nun einen schönen schattigen Platz aussuchen und sich dort gemütlich hinlegen. „Und wenn es den Hühnern zu warm wird gehen sie einfach in den Schatten?“ fragt er seinen Onkel. „Ja genau“, antwortet Franz. „Hühner können nicht schwitzen so wie wir, denn sonst würde ihr Federkleid verkleben und unbrauchbar werden. Wenn sich ein Huhn abkühlen möchte, sucht es sich einen kühlen Ort und stellt die Federn auf, damit Luft an die Haut kommt.“ Elena beobachtet währenddessen weiter das Huhn in der Sonne, das seine Flügel ganz weit gespreizt hat und die Füße von sich streckt. „Und was macht die Henne da?“ fragt sie. „Das nennt man Sonnenbaden“, sagt Onkel Franz. „Diese Henne möchte möglichst viel Wärme haben und lässt sich die Sonne deshalb auf möglichst viele ihrer Federn gleichzeitig scheinen. Die Federn speichern die Wärme.“ Das versteht Elena. Auch sie streckt gerne alle Viere von sich, wenn sie in der Sonne liegt, um sich zu wärmen.

Huehner_geniessen_die_Sonne_johnigk

Abends sitzen die Kinder mit ihren Eltern am Tisch, essen Abendbrot und erzählen von Onkel Franz und seinen Hühnern. „Nächstes Mal kann ich ja auch im Staub baden“, sagt Tom und lacht. „Nein“, widerspricht sein Vater. „Dann bist du ja noch dreckiger als vorher. Du wäscht dich schön mit Wasser und Seife.“

 

Christina Petersen