Die Putenhaltung muss sich ändern

junge_Pute_Tierpark_Goerlitz04.01.2012: Puten haben es nicht leicht. In Körperbau und Lebensbedingungen wurden sie so weit von ihrem natürlichen Ursprung entfernt, dass Leiden und Verhaltensstörungen in der üblichen industriellen Intensivtierhaltung geradezu vorprogrammiert sind. Diese Tatsache erschwert es Tierschützern und Putenhaltern, gemeinsam an einen Tisch zu kommen, ohne sich heillos zu zerstreiten. Doch seit die Medien immer offensiver über das Elend der Nutztiere berichten und der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend um das Vertrauen seiner Kunden ringen muss, finden auch die Gespräche zwischen den Tierschutzverbänden und der Putenwirtschaft unter besseren Voraussetzungen als bisher statt. Denn endlich ist allen Beteiligten klar geworden, dass die Tierhaltung sich ändern muss. Zur Debatte steht nur noch, was und wie schnell.

Croellwitzer_Puten-Judith_HandyÜber ein Jahr lang dauerten die Verhandlungen um die Neuordnung der Eckwerte für die künftige Putenhaltung in Deutschland. Eine Einigung ist nun absehbar und wird auch von allen beteiligten Tierschützern als Schritt in die richtige Richtung angesehen. PROVIEH brachte sich intensiv in die Beratungen ein und hatte zuvor schon im Auftrag des Landes Nordrhein Westfalen ein wissenschaftliches Versuchsdesign zum Verzicht auf das Schnabelkürzen bei Puten erarbeitet. Die Versuche finden jetzt unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen statt. Viel Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn weder die Tiere noch ihre Halter haben gut davon, wenn das Leid der Schnabelverstümmelung gegen das Leid des Blutigpickens ausgetauscht wird.

Einzelheiten über die neuen Eckwerte wird PROVIEH berichten, sobald alle Beteiligten der Verhandlungsrunden das gemeinsame Ergebnis tatsächlich unterzeichnet haben. Für unseren Fachverband ist es schon jetzt als Erfolg zu werten, dass in Deutschland die Tierschutzkriterien für eine Nutztierart erstmalig am Tier erfasst und bewertet statt mit dem Zollstock gemessen werden sollen. So lässt sich die Putenhaltung Schritt für Schritt verändern. Zum Guten für die Puten, hofft PROVIEH.

 

Stefan Johnigk

Fotos: PROVIEH