Genforschung mit Maulkorb

„Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes“. Unter diesem Titel kam der neue Film von Bertram Verhaag im März 2011 ins Kino. Es geht um Geld oder genauer gesagt darum, wie groß der Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft ist. Verhaag dreht seit über dreißig Jahren engagierte Dokumentarfilme zu politischen, sozialen und vor allem zu umweltpolitischen Themen.  Das Thema Gentechnik lässt ihn nicht los.

FT1_gekaufte_wahrheit_FilmplakatDer Film „Gekaufte Wahrheit“ bestätigt eindrücklich, wie richtig die verbreitete Skepsis gegen Gentechnik ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Wissenschaftler, die öffentlich vor den Gefahren genmanipulierter Pflanzen warnten und daraufhin von Großkonzernen wie Monsanto in Wissenschaftskreisen mundtot gemacht wurden. Ihre Karrieren wurden ruiniert.

Der ungarisch-britische Biochemiker Arpad Pusztai hatte mit Kartoffeln gearbeitet, denen ein Schneeglöckchen-Gen eingebaut worden war, das einen Gerinnungsstoff  namens Agglutinin  produziert. Die Kartoffeln sollten resistent gegen Fressfeinde werden. Er verfüttert diese Kartoffeln an Laborratten und fand heraus, dass sie deren Immunsystem schädigen und die Struktur des Darmtrakts verändern (nachzulesen in der renommierten Medizinzeitschrift The Lancet (Band 354, Seiten 1353-1354, 1999). Schon vor dem Erscheinen der Zeitschrift hatte Pusztai seine Ergebnisse der Öffentlichkeit mitgeteilt und gefordert, dass erst Langzeit-Sicherheitsstudien an gentechnisch veränderten Pflanzen durchgeführt werden, bevor diese für die menschliche und tierische Ernährung freigegeben werden. Wegen dieses öffentlichen Auftritts verlor er seinen Arbeitsplatz. 

Der amerikanische Mikrobiologe Ignacio Chapela hatte 2001 über Kontaminationen lokaler, mexikanischer Maisanbaugebiete mit gentechnisch verändertem Mais in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology berichtet. Die veröffentlichten Ergebnisse wurden zwar mehrfach bestätigt, aber Chapela verlor dennoch seinen Job an der University of California.

Am Beispiel von Monsanto macht der Film unmissverständlich deutlich, dass im Bereich der Gentechnik die Wirtschaft bestimmt, was und wie geforscht wird. Mittlerweile wurde der Filmemacher selbst zu einem Dorn im Auge der Gentechnik-Industrie. Monsanto hat schon zweimal versucht, seine Filme per einstweilige Verfügung aus dem Verkehr zu ziehen, ohne Erfolg. Der Film heimste schon wenige Monate nach seiner Uraufführung sieben internationale Preise auf Dokumentarfestivals ein.

Verena Stampe