Weltagrarbericht und CSA-Landwirtschaft – Entwicklung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft

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08.01.2013: Immer mehr Hunger in der Welt – so kann es nicht weitergehen. Deshalb initiierten die UN und die Weltbank im Jahr 2003 einen internationalen Prozess mit dem Ziel „Wege aus dem Hunger“ zu suchen. Zu diesem Zweck wurde der Weltagrarrat geschaffen, dem 30 Regierungsvertreter, 30 Nicht-Regierungsvertreter und 500 Wissenschaftler aus 86 Ländern und zahlreichen Fachrichtungen angehören. Nach Jahren intensiver Arbeit veröffentlichte dieses Gremium seinen Weltagrarbericht 2008 und räumt gründlich mit dem Mythos der politisch geförderten industriellen Landwirtschaft auf.

Sie sei trotz Überproduktion nicht in der Lage, das Grundbedürfnis von Milliarden Menschen nach ausreichender und ausgewogener Nahrung zu befriedigen. Und sie sei ineffizient, weil sie große Mengen an Pestiziden, Kunstdüngern, fossiler Energie und 70 Prozent des weltweit entnommenen Süßwassers verbraucht sowie landwirtschaftliche Böden in großem Maßstab zerstört. Aus diesen Gründen löst ein Weiter-wie-bisher die agrarindustriell erzeugten Probleme nicht, sondern verschärft sie nur. Der Mythos von der Überlegenheit der industriellen Landwirtschaft wird mit vielen Argumenten gründlich entzaubert, er ist verbraucht, er hat sich als schädlich erwiesen. Die Hoffnungen auf technische Patentlösungen für die Hungerprobleme sind zerstört.

Junges_Engagement_fuer_eine_solidarische_Landwirtschaft-Volker_KwadeWas uns in Zukunft allein weiterhelfen kann, ist eine weltweit soziale, regionale, nachhaltige und ökologisch orientierte bäuerliche Landwirtschaft. Nur sie kann uns weitgehend unabhängig machen von externen Inputs. Nur sie kann erzeugen, was wir brauchen: eine „Effizienz-Revolution“, die sich auf die Frage konzentriert: Wie erzielen wir mit den regional ver­fügbaren Mitteln den optimalen Ernährungs-Ertrag pro Fläche bei minimalem Ressourcenverbrauch? Das schafft nur eine Landwirtschaft, die im Einklang mit den regionalen Gegebenheiten steht, also mit den regional verfügbaren Ressourcen (Böden, Wasser etc.) und mit regional angepassten Rassen von Nutzpflanzen und Nutztieren arbeitet. Das erforderliche Wissen ist regional verfügbar und muss in kluger Weise weiterentwickelt werden. Eine solche Landwirtschaft schafft einen deutlich höheren Nährwert pro Hektar als die industrielle Landwirtschaft und verursacht dennoch kaum Umweltschäden, lässt die Umwelt sogar gesunden. Also ist es unumgänglich, die bäuerliche und die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern und zu sichern. Das alles lehrt uns der Weltagrarbericht 2008. Wer dessen Aussagen nicht beherzigt, dem drohe „die Strafe des Unterganges“.

Zu den Ländern, die vor den harten und überlebenswichtigen Erkenntnissen noch immer die Augen verschließen, gehört auch Deutschland. Hierzulande meint man anscheinend noch,  ein Weiter-wie-bisher schaffe auch in Zukunft keine ernsthaften Probleme. Ein verantwortungsloser Irrtum, für den wir noch büßen werden. Daran lässt der Weltagrarbericht 2008 keinen Zweifel.

Solidarische Landwirtschaft – ein Konzept für die Zukunft

Eine Form der zukunftsweisenden regionalen Landwirtschaft stellt das Modell der CSA (Community Supported Agriculture – gemeinschaftsgestützte Landwirtschaft) dar. Bei ihr handelt es sich um eine solidarische Land- und Wirtschaftsgemeinschaft. Unabhängig voneinander entstand das Modell Mitte der 1970er Jahre in Japan unter dem Namen „Teikei“/Partnerschaftshöfe und zehn Jahre später in den USA. Ursprung des Modells war die Notwendigkeit, dem wachsenden Preisdruck und der wachsenden Abhängigkeit von Konzernen zu entkommen. In den 1990er Jahren breitete sich CSA nach Kanada und Großbritannien aus. Die Anzahl der Solidarhöfe und deren Vernetzung sind stetig gestiegen (in USA auf ca. 2500 CSAs).

Boden_schonende_Feldarbeit_Volker-KwadeAuch in  Deutschland gibt es CSAs. Sie haben 2011 das Netzwerk solidarischer Landwirtschaft in Deutschland gegründet, zu dem derzeit 29 Wirtschaftsgemeinschaften gehören. Als Keimzelle gilt der Buschberghof in Fuhlenhagen. Das Konzept lautet: Interessierte Menschen, liebevoll als passive Landwirte bezeichnet, binden sich für ein Jahr oder länger an einen Hof und finanzieren dessen Kosten monatlich vor. Was der Betrieb leisten kann, richtet sich nach seiner Größe, der Bodenbeschaffenheit seines Landes, der Anzahl der Nutztiere und den Möglichkeiten, was und wie viel er zu bestimmten Jahreszeiten ökologisch erzeugen kann. Zur Steigerung der Effizienz muss der Betriebsleiter das schon verfügbare exzellente Wissen über die natürlichen Zusammenhänge in einer regional ausgerichteten Kreislauf-Landwirtschaft an seinen Betrieb anpassen und optimieren. Mit dieser Arbeit erhält und pflegt er ganz nebenbei auch den Boden, die Atmosphäre und das Miteinander von Mensch, Tier und Umwelt.

Auf jährlichen Mitgliederversammlungen werden alle Kosten und Belange des Betriebs offengelegt und besprochen. Jedes Mitglied kann durch sein Mitspracherecht die Betriebsentwicklung beeinflussen durch Entscheidungen über Anbaumenge, Saatgutwahl, Schwerpunktbildung, Weiterentwicklung des Betriebs etc. Je nach den örtlichen Gegebenheiten und den individuellen Bedürfnissen können zum Beispiel auch Patenschaften für Nutztiere übernommen und ein Lieferservice für Lebensmittel vereinbart werden.

Viele Agrarfachleute schieben diese Form der Landwirtschaft schnell in die Schublade der romantischen „Träumerei“. Sie spüle nicht das schnelle Geld in die Kasse, und die Agroindustrie und Pharmaindustrie könnten nicht von ihr profitieren. Aber wer sind eigentlich die Träumer? Das sind doch die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, die noch immer ihre Augen vor den unerbittlichen Erkenntnissen des Weltagrarberichts 2008 verschließen und nicht begreifen wollen oder können, dass sich die Endlichkeit dieser Welt auch mit allem Geld dieser Welt nicht überwinden lässt.

Ich für meinen Teil werde mit meinem kleinen Hof den Weg der solidarischen Landwirtschaft weitergehen, da sie für mich die ökologisch nachhaltigste und effizienteste Form einer Kreislauf-Landwirtschaft darstellt!

 

Volker Kwade