Tiermehl als Futter für Nutztiere?

22.01.2013: In der EU wird ernsthaft über die Wiederzulassung von Tiermehl als Futter für Nutztiere nachgedacht. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht überfällig. Richtig ist, dass Rinder, Schafe und Ziegen Vegetarier bleiben müssen. Nur die sehr jungen Kälber, Schafe und Ziegen sind noch keine Vegetarier, denn sie brauchen tierisches Eiweiß und Fett, zum Beispiel Milch. Schweine, Hühner und Puten sind keine Vegetarier, sondern Allesfresser. Dennoch wurden auch sie im Zuge der BSE-Hysterie zu Vegetariern gemacht. Sie dürfen nicht einmal mit Produkten gefüttert werden, die aus der Schlachtung gesunder Tiere stammen. Nur an Haustiere wie Hunde und Katzen dürfen derartige Produkte verfüttert werden. Auch als Düngemittel sind diese Produkte zugelassen – ideale Brutstätten für Botulismus-Erreger.

Schweine und Geflügel haben Probleme mit rein vegetarischer Kost: Oft genug verletzen sich Schweine gegenseitig an Ohren und Schwanz, und Hühner und Puten können zu Kannibalen werden. Mit tierischer Kost können solche Probleme weitgehend vermieden werden.

Der eigentliche Grund, dass Tiermehl nicht an Nutztiere verfüttern werden darf, war die Angst, dass es unabsichtlich oder absichtlich auch an Rinder verfüttert werden könnte, die dann an BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) erkranken und uns an vCJK (neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) erkranken lassen könnten. Wenn Bauernvertreter fordern, dass Tiermehl wieder an die Allesfresser unter den Nutztieren verfüttert werden dürfe, dann kann diese Forderung aus wissenschaftlicher Sicht nur unterstützt werden.

Vergessen wir schließlich einen weiteren Schaden nicht, Allesfresser zu Vegetariern gemacht zu haben: Der Amazonas-Urwald wird massiv gerodet, um massenhaft Soja für die Allesfresser unserer massiven Nutztierhaltung anzubauen. Unsere Angst vor BSE ist also umwelt- und klimaschädlich.

Sievert Lorenzen