Zukunft säen

 

 

Am 30. September 2012 versammelten sich um die 50 Personen auf einem Acker im schleswig-holsteinischen Bosau im Kreis Plön um gemeinsam Saatgut einzusäen und auf diese Weise ein Symbol für eine gentechnikfreie und selbstbestimmte Landwirtschaft zu setzen.

 

Das_Saatgut_soll_auf_den_Acker-_c_Christina_PetersenDemeter-Bauer Volker Kwade folgte mit dieser Aktion dem Aufruf der Saatgutkampagne „Zukunft säen“ und kombinierte die Aktion mit einem Hoffest auf seinem Arche-Hof Hörsten. Als gelernter Landwirt und Tierhomöopath hält er vor allem vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen: Thüringer Waldziegen, Limpurger Rinder, Rotbunte Husumer Schweine, Bayerische Landgänse, Goldbrakel Hühner und Schwarzwälder Kaltblutpferde. Außerdem tummeln sich Sachsenenten und Zwerghühner auf seinem Land. An diesem schönen Herbstsonntag führte Volker Kwade die Besucher über seinen landwirtschaftlichen Betrieb und erklärte viel Wissenswertes über seine Tiere und sein Bewirtschaftungssystem.

Ausgestattet mit einer kleinen Tüte Saatgut reihten wir uns dann nebeneinander am Rand eines nahegelegenen Acker auf, brachen auf ein Signal hin auf, gingen langsamen Schrittes voran und säten dabei die Saatkörner aus, ganz wie Bauer Kwade es vorab erklärt hatte. Nach getaner Arbeit wurde das Arbeitspferd Larson – ein Schwärzwälder Fuchs – vor die Egge gespannt, um die Samen in die Ackeroberfläche einzuarbeiten. Den Kindern wurde ein besonderes Highlight geboten: Larson ging so ruhig und bedächtig am langen Zügel, dass einige Kinder abwechselnd auf ihm reiten durften. Nach der gemeinsamen Aktion konnten alle in gemütlicher Runde bei Kaffee und Kuchen in der Scheune sitzen und einen Vortrag über die Gefahren der Gentechnik und ihrer aggressiven Vermarktung anhören, den Stefan Johnigk hielt, Geschäftsführer von PROVIEH.

Volker Kwade wollte mit diesem Fest auch zeigen, dass Höfe anders wirtschaften können als von der „modernen“ Agrarindustrie behauptet. Ihm geht es um eine selbstbestimmte Landwirtschaft und einen vertrauten und respektvollen Umgang mit den Tieren. Auf seinem Bauernhof herrscht ein ganzheitlicher und geschlossener Kreislauf. Das Futter für seine Tiere baut er selbst an. Gentechnisch verändertes Getreide oder Soja kommen für ihn nicht in Frage: „Mit dieser Aktion soll den Menschen wieder ins Bewusstsein gerufen werden, wie wertvoll es ist, so ein Saatkorn zu säen, und was für Gefahren drohen, wenn es gentechnisch verändert ist.“

Joshi_saet_Zukunft_c_Christina-PetersenDie Saatgutkampagne „Zukunft säen“ wurde 2006 ins Leben gerufen und findet mittlerweile in zehn Ländern statt. Ihr Ziel ist, dass Bauer und Verbraucher mit dem Aussäen von Saatgut wieder gemeinsam Verantwortung für unser Essen übernehmen. Zu dieser Verantwortung gehören die Rückeroberung von Nahrungssouveränität und die Erhaltung einer großen Vielfalt an regional angepassten Saatgut-Sorten, denn die global agierenden Saatgutkonzerne im Gegensatz beschränken ihr Sortiment auf nur noch wenige einheitliche Sorten. Man bedenke nur: Mittlerweile beherrschen zehn führende Saatgut- und Agrochemiekonzerne rund 70 Prozent des weltweiten Marktes – zu ihnen gehören Monsanto, Bayer, Syngenta und BASF, die ursprünglich Chemiekonzerne waren, und Limagrain.

Gentechnisch verändertes Saatgut ist patentiert und auf den Feldern eindeutig nachzuweisen. Ein Vertrag bindet die Bauern an den Saatgutkonzern. Zuwiderhandlungen wie die Erzeugung von eigenem Saatgut können vom Konzern kontrolliert und beklagt werden. Auch ist es kein Zufall, dass diese Unternehmen noch immer Chemiekonzerne sind oder eng mit ihnen zusammen arbeiten. So kommt es, dass Bauern, die sich auf diese Abhängigkeit eingelassen haben, oft schon ein Vielfaches mehr für Kunstdünger und Spritzmittel ausgeben als für Saatgut. In Deutschland werden gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) bisher kaum angebaut, und über 70 Prozent der Bevölkerung wünschen sich, dass das so bleibt. Trotzdem lassen die großen Saatgutkonzerne nicht locker und versuchen immer wieder, gentechnisch verändertes Saatgut in Deutschland zu etablieren.

Die Landwirtschaft darf nicht abhängig von wenigen Saatgutkonzernen werden. Dafür müssen wir alle kämpfen.

Christina Petersen