Gentechnisch verändertes Futter – ein Krankheitsrisiko für Schweine

25.06.2013: Eine jüngst publizierte Studie australischer und US-amerikanischer Wissenschaftler bringt es an den Tag: Für Schweine stellt die Fütterung mit gentechnisch verändertem (GV) Futter ein erhebliches Krankheitsrisiko dar.

Für ihre Studie verwendeten die Wissenschaftler 168 Schweine. Die Hälfte von ihnen wurde mit GV Futter gemästet, die andere Hälfte mit gentechnikfreiem (non-GV) Futter. Alle übrigen Haltungsbedingungen waren für beide Gruppen identisch und entsprachen der üblichen kommerziellen Praxis in den USA.

Das GV Futter der Versuchsgruppe (84 Schweine) bestand aus einer in den USA verbreiteten Mischung aus Roundup Ready (RR) Soja und einer dreifach gentechnisch veränderten Maissorte, bei der zwei seiner eingesetzten Gene je ein Bt-Gift produzieren, die denen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis ähneln und gegen bestimmte Insekten wirken. Das dritte eingesetzte Gen produziert ein Protein, das den Mais immun gegen Roundup macht. Das GV-freie Futter der Kontrollgruppe (ebenfalls 84 Schweine) bestand aus GV-freier Soja und GV-freiem Mais. GV-frei bedeutet in den USA: GV-freie Soja darf zu 1,6 Prozent mit GV Soja verunreinigt sein, GV-freier Mais mit 0,4 Prozent GV Mais. Wegen ihrer Resistenz gegen Roundup waren die eingesetzten GV Pflanzen auch in der Vegetationszeit mit Roundup gespritzt worden und sind deswegen mit diesem Gift belastet. Als zusätzliche Giftlast trägt der eingesetzte Mais zwei Bt-Gifte.

Die Schweine der Versuchs- und Kontrollgruppe entstammen einer Kreuzung von Sauen der Yorkshire Landrasse mit Ebern der Hampshire Duroc Rasse. Alle Mütter der 168 Schweine waren in der kommerziellen Farm in gleicher Weise mit Anteilen von GV Pflanzen gefüttert worden. Die männlichen Ferkel wurden am dritten Lebenstag kastriert. Erst nach ihrer Entwöhnung wurden die Ferkel in die Versuchs- und Kontrollgruppe eingeteilt und 22,7 Wochen lang nach US-amerikanischem Standard gemästet und dann geschlachtet. Die Schweine wurden während der ganzen Versuchsdauer regelmäßig beobachtet. Nach dem Schlachten wurden diverse innere Organe von erfahrenen Veterinären untersucht, die nicht wussten, aus welcher der beiden Gruppen die Schweine stammten.

Der ganze Versuchsaufbau entsprach in vorbildlicher Weise strengen wissenschaftlichen Kriterien. Und was kam an Ergebnissen heraus? In der Versuchs- und Kontrollgruppe gab es keine signifikanten Unterschiede bei der Nahrungsaufnahme, den Wachstumsraten, den Blutwerten, der Zahl und der Art von Erkrankungen, den Veterinärkosten und der Sterblichkeit, die bei 14 Prozent bei der Versuchsgruppe und 13 Prozent bei der Kontrollgruppe lag (diese Sterblichkeitsraten gelten nach Aussage der Autoren als normal für kommerzielle Schweinemastanlagen in den USA).

Man könnte aus diesen Ergebnissen auf die Harmlosigkeit von GV Pflanzen schließen. Doch das wäre ein Trugschluss. Die Untersuchung der inneren Organe zeigte: Nach der GV-Diät war die innere Magenwand 2,6-mal häufiger von schweren Entzündungen betroffen als nach non-GV-Diät, und bei den Jungsauen mit GV-Diät war der Uterus um 25 Prozent schwerer als bei denen mit non-GV-Diät. Diese Unterschiede erwiesen sich als signifikant. Bei zwei Jungsauen mit GV-Diät war der Uterus außerdem voll mit Flüssigkeit, während so etwas bei Jungsauen mit non-GV-Diät nicht vorkam.

Die Autoren vermuten, dass die schweren Magenentzündungen wegen der Bt-Gifte so häufig waren, denn bei Insekten verursachen diese Gifte erst die Bildung von Poren in der Darmwand und dann deren Verfall. Aus Befunden anderer Autoren ergebe sich: 1) Bt-Gifte können an der Dünndarmwand von Mäusen ähnliche Effekt wie bei Insekten verursachen. 2) Schweine können die Bt-Gifte nicht verdauen, so dass sie wirksam bleiben und möglicherweise zu Magenentzündungen führen. Schließlich sei zu bedenken, dass schon die Mütter der 168 Schweine GV-Futter erhielten und dass das non-GV-Futter mit kleinen Anteilen von non-GV-Futter verschmutzt war. Aus beiden Gründen könnten sich schwere Magenentzündungen auch in der Kontrollgruppe entwickelt haben.

Was gehen uns Menschen die Versuchsergebnisse an? Sehr viel, denn wegen mächtiger Bestrebungen gelangen Produkte von GV Pflanzen zunehmend auch in unsere Nahrung. Also ist zu befürchten, dass die gesundheitlichen Schäden, die die Versuchsschweine in ihrem kurzen Leben erlitten, auch bei uns mit unserem viel längeren Leben auftreten können. Hierzu passen Befunde, die den dringenden Verdacht nähren, dass Glyphosat beim Menschen auch andere Schäden anrichten kann, zum Beispiel Brustkrebs und Unfruchtbarkeit.

PROVIEH wiederholt seine Forderung, dass die Nahrung für den Menschen und das Futter für das Vieh frei von GV-Komponenten sein muss und dass der Massenverbrauch von Roundup und anderen glyphosathaltigen Herbiziden drastisch einzuschränken ist.

Die angeführte Studie lautet: Carman, J.A.: A long-term toxicological study on pigs fed a combined genetically modified (GM) soy and GM maize diet. Journal of Organic Systems, Vol. 8, No. 1, 2013. Die Studie ist frei verfügbar im Internet.

Sievert Lorenzen