Politik am Gängelband von Gentechnik-Konzernen

08.08.2013: Wenn die Zeichen nicht trügen, darf Mais der achtfach gentechnisch veränderten Maissorte Smartstax bald von der EU als Lebens- und Futtermittel importiert werden, obwohl diese Maissorte die Gesundheit von Mensch und Tier schädigen kann.

Foto: © H.D. Volz / PIXELIO

Im politischen Umgang mit gentechnisch veränderten (GV) Ackerpflanzen wird ganz anders verfahren als früher mit BSE bei Rindern: Bei BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) wurde der noch immer unbestätigte Verdacht geäußert, dass das BSE-erregende Agens beim Menschen eine Form der unheilbaren Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJD) auslösen könne. Die Folge waren milliardenschwere politische Programme gegen BSE. Für GV- Ackerpflanzen dagegen wurde schon vielfach nachgewiesen (und nicht nur vermutet!), dass ihre unvermeidliche Giftlast zu beunruhigenden gesundheitlichen Schäden bei Mensch und Tier führen kann, aber der politische Umgang mit diesen Erkenntnissen ist schlaff und kraftlos. Die politischen Entscheider beten den Gentechnik-Konzernen einfach nur nach, wenn sie sagen, die Produkte der gentechnisch veränderten Ackerpflanzen seien gesundheitlich unbedenklich. Wie bei BSE bestimmen auch bei GV-Ackerpflanzen die Wirtschaftsinteressen das Entscheidungsverhalten der Politiker.

Neuerdings hatten EU-Politiker es mit dem GV-Mais Smartstax zu tun. Diese Sorte produziert sechs Gifte (Bt-Proteine, ähnlich mit denen des Bakteriums Bacillus thuringiensis) gegen Schadinsekten, und zusätzlich ist sie resistent gemacht worden gegen zwei Totalherbizide (Glyphosat und Glufosinat), mit denen die Pflanzen während der Vegetationsphase gespritzt werden. Das bedeutet: Mais der Sorte Smartstax trägt eine bedeutende Giftlast aus gleich zwei Giftquellen, die eine im Mais gelegen, die andere von außen aufgebracht. Und so ein giftlastiger Mais soll gesundheitlich unbedenklich sein? Kaum zu glauben, dass die Lobbyisten der Gentechnik-Konzerne das glauben, wenn sie mit flotten Sprüchen und unglaubwürdigen Argumenten die konzerneigenen Aussagen den politischen Entscheidern eintrichtern. „Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing.“ So begründeten schon Landsknechte ihre Loyalität gegenüber ihren Dienstherren.

Das Trommelfeuer der Lobbyisten hat nun dazu geführt, dass Smartstax-Mais sehr wahrscheinlich bald auch von der EU als Lebensmittel für die Menschen und als Futtermittel für die Nutztiere importiert werden darf. Denn nachdem die Agrarminister der EU-Länder keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen den Import von Smartstax zustande gebracht haben, kann nun die Kommission allein entscheiden und hat schon angekündigt, sich für den Import zu entscheiden. Nur angebaut darf Smartstax-Mais in der EU noch nicht.

Sollte die Kommission sich wirklich für die Importfreigabe für Smartstax entscheiden, wäre dies verwerflich. Denn jüngst haben acht Wissenschaftler aus den USA und Australien in einer gemeinsamen, wissenschaftlich vorbildlichen Studie nachgewiesen, dass Mastschweine, die mit einer in den USA üblichen Diät von glyphosatresistenter Soja und dreifach gentechnisch verändertem Mais (2 Bt-Proteine, 1 Protein für Glyphosatresistenz) gefüttert wurden, im Alter von 22,7 Wochen (Zeitpunkt der Schlachtung) deutlich häufiger Magengeschwüre hatten als Mastschweine gleicher Herkunft, die in der Kontrollgruppe gentechnikfrei gefüttert wurden. Bei den weiblichen Mastschweinen war der Uterus um ein Viertel schwerer als bei gentechnikfreier Fütterung und gelegentlich mit Flüssigkeit gefüllt, was in der Kontrollgruppe nicht vorkam. (Quelle: J.A. Carman et al. 2013, A long-term toxicology study on pig fed a combined genetically modified (GM) soy and GM maize diet. Journal of Organic Systems, Vol, 8, No. 1, p. 38-54.)

Da Menschen und Schweine ähnliche Stoffwechseleigenschaften haben, ist damit zu rechnen, dass die bei Schweinen verursachten Schäden auch beim Menschen erzeugt werden können. Vorsicht vor Smartstax ist also geboten. Verwerflich handelt, wer dieses Gebot missachtet.

Sievert Lorenzen


Weiterführende Informationen:

Videobeitrag: "Umstrittener Genmais kommt noch Europa" (30. Juli 2013, Report München - Blog)