Der Schwarzwälder Fuchs – ein lebendiges Kulturgut

In den Höhen des Schwarzwaldes gibt es eine besondere Kaltblutrasse, die durch ihre Kraft und Schönheit besticht: Es sind Füchse und Dunkelfüchse mit wallender Mähne und hellem Behang – daher auch der Name  Schwarzwälder Fuchs. Je nach Zuchtgebiet oder Einsatz heißen sie auch St. Märgen-Pferd oder Wälderpferd. Für die Menschen im Schwarzwald ist es einfach nur „der Fuchs“.

Bereits im Mittelalter hatte der Hochschwarzwald einen guten Ruf, was die Zucht sehr brauchbarer Arbeitspferde betraf. Insbesondere in den Gebieten um die Klöster St. Märgen, St. Blasien und St. Peter. Erste  sichere Belege für eine beachtliche Pferdezucht sind sogenannte „Dingrodel“ (Zehntabgaben) aus der Zeit um 1450. Diese legten fest, dass für jedes Fohlen eine Abgabe von vier Pfennigen an das Kloster gezahlt werden musste. Wohlhabende Bauern nutzten damals die stämmigen, aber gleichzeitig sehr wendigen Pferde oft als Reittiere. Die schwere Feldarbeit leisteten überwiegend Ochsengespanne.

Hengstleistungsprüfung am Steilweg

Als Handel und Gewerbe im Verlauf des 19. Jahrhunderts stark zunahmen, wurden immer mehr Zugtiere benötigt. Diese Entwicklung befeuerte die Zucht der Schwarzwälder Füchse und gab ihr einen geordneten Rahmen. Über die Einfuhr von österreichischen Noriker-Kaltbluthengsten wurde regelmäßig für eine Blutauffrischung gesorgt. Hinzu kamen Wanderreiter, die von Hof zu Hof zogen und ihre Hengste zum Decken anboten.  

Bei der Zuchtauswahl stellten die Bauern hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit ihrer Pferde. Die jungen Hengste mussten zum Beispiel ihre Zugkraft vor schwerem Gespann an besonders steilen Wegstrecken beweisen. Auch mussten sie großes Geschick zeigen beim Ziehen der Baumstämme in unwegsamem Gelände. Diesen Anforderungen wurden Typ und Farbe oft untergeordnet, obwohl die Fuchsfarbe beim Schwarzwälder Pferd auch damals schon einen hohen Stellenwert hatte.

Info-Box

Der Schwarzwälder Fuchs gehört zu Baden-Württemberg wie der Mercedes oder der Bollenhut. Zu seinen Ehren findet traditionell alle drei Jahre das Rossfest in St. Märgen statt. Neben den Pferdeprämierungen gibt es Umzüge mit historischem Ambiente sowie prachtvollen Pferdewagen und Geschirren. Der nächste Termin ist vom 6.-8. September 2019.

1880 trat ein Körgesetz in Kraft, das die Nutzung der heimischen Schwarzwälder Hengste bei Geldstrafe verbot. Nach dem Willen der Obrigkeit sollte der Schwarzwälder Fuchs schwerer und größer werden. Dazu stallte man belgische Kaltbluthengste im Landgestüt Karlsruhe auf, die diese Eigenschaften vererben sollten. Die meisten Bauern widersetzten sich. Zunächst ließen viele ihre Stuten gar nicht decken. Andere Bauern entschlossen sich zum „Schwarzen Sprung“: Sie ließen ihr Pferd erst von einem Schwarzwälder Hengst decken, warteten die Rosse ab und brachten die Stute erst dann zum vorgeschrieben Belgischen Beschäler. In Nachhinein ist zu erkennen, dass kein allzu großer Schaden für den „echten“ Schwarzwälder Typ durch diesen und später auch durch andere Einkreuzungsversuche mit schweren Kaltbluthengsten entstanden ist.  

Talfahrt und neue Chancen

Die Weltkriege verschonten auch die Schwarzwälder-Zucht nicht. Zwar stieg die Anzahl der eingetragenen Stuten in den 1950er Jahren noch einmal rapide an, weil man kurzfristig viele Arbeitspferde benötigte. Mit  zunehmendem Einzug der Technik in die Landwirtschat ging der Bestand des Schwarzwälders schon bald massiv zurück, ganz wie bei allen anderen Kaltblutrassen auch. 1973 war der absolute Tiefstand der Wälderpferdzucht erreicht: nur noch 187 Stuten und vier Deckhengste. 

Zum Überleben des Schwarzwälder Fuchses haben unter anderem Zuchthaltungsprämien für Stuten und Fohlenaufzuchtprämien beigetragen, die das Land Baden-Württemberg seit 1972 vergibt. Auch das Landgestüt Marbach hat in den letzten Jahren großartige Zuchtarbeit geleistet.

Heute hat sich der Bestand mit etwa 700 Tieren im ganzen Schwarzwald stabilisiert. Zuchtinseln haben sich in den letzten 15 Jahren auch am Bodensee, auf der schwäbischen Alb, in Hessen, Rheinland Pfalz und Niedersachsen etabliert. Die Zukunftsaussichten sehen nicht schlecht aus, denn die Dunkelfüchse finden nicht nur bei Freizeitreitern oder im Tourismus neue Beschäftigung. Auch die bodenschonende Arbeit mit Pferden erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance, in der Öko-Landwirtschaft. Vereinzelt setzen Bauern des Schwarzwalds die Pferde wieder in der Feldwirtschaft ein. In der Waldwirtschaft werden Schwarzwälder Kaltblütern wieder zu Hunderten zum Holzrücken eingesetzt, entweder in Kombination mit modernen Maschinen oder an Stellen, an denen schweres Gerät zu viele Schäden anrichten würde. 

Steckbrief

Der Schwarzwälder Fuchs ist unkompliziert, gutmütig und verfügt aufgrund seines für ein Kaltblut vergleichsweise feinen Körperbaus über schwungvolle Bewegungen. Das durchschnittliche Gewicht liegt bei 500 Kilogramm, das Stockmaß bei 145 bis 153 Zentimetern. Auch heute überwiegen Dunkelfüchse mit blondem Langhaar deutlich. Es kommen bisweilen aber auch Braune vor, und laut Baden-Württembergischem Pferdezuchtverband existiert sogar eine Schimmelfamilie dieser Pferderasse. Ein ideales Pferd für Freizeit und Land- bzw. Forstwirtschaft.

Susanne Kopte

Foto oben: © Ulla Nebel; Foto mitte: © Andrea Albrecht (Schellenberghof); Foto unten: © Martina Ketzler