Das FLI-Problem mit Vogelgrippe

19.11.2014: Dümmer geht’s nimmer. Schon wieder geht in Europa ein hochpathogenes Vogelgrippe-Virus um, dieses Mal heißt es H5N8. Seit sich weltweit die industrielle Massenhaltung von Geflügel ausgebreitet hat, breitet sich weltweit zeitgleich immer nur eine einzige hochpathogene Virus-Variante aus. Dieses Mal begann die Evolution und Ausbreitung in Südkorea, und jetzt tauchte H5N8 kurz nacheinander in Deutschland, den Niederlanden und England auf, und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riem (nahe Rügen) nutzt erneut die Gelegenheit, sich von seiner dummen Seite zu zeigen:

Zwar könnte das Virus auf Transporten von Geflügel und Geflügelprodukten verbreitet werden, aber auch durch ziehende Wildvögel, und schon ist Prof. Dr. Mettenleiter vom FLI wieder bei seiner Lieblingshypothese: Auf ihrem Zug in ihre Winterquartiere hätten die Zugvögel das Virus von Südkoreas quer durch Asien und Russland nach Deutschland und dann in die Niederlande verschleppt, natürlich nach Art eines Staffellaufes, und über Island hätten die Zugvögel das Virus nach England gebracht. Eine mögliche Erklärung nur, natürlich, aber die Geflügelindustrie ist fein heraus: Ihre Gegner seien wie gewünscht die Wildvögel und das freilaufende Geflügel.

Ein Rückblick: Bei H5N1 vor einigen Jahren schafften es die Forscher vom FLI oder anderen maßgeblichen Instituten nicht, die Evolution und nah- und fernräumige Ausbreitung des Virus zu erklären. Das schafften nur die Nichtregierungsorganisationen wie GRAIN und das Wissenschaftsforum Aviäre Influenza (WAI). Sie führten harte und vielfältige Argumente an, dass allein die Geflügelindustrie für die Zucht und die nah- und fernräumige Ausbreitung von H5N1 verantwortlich war und dass die Wildvögel allenfalls Leidtragende des Geschehens waren, keineswegs die Gehilfen, siehe hierzu S. Lorenzen, 2008: „Evolution und Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus H5N1 Asia sowie Aspekte der Biosicherheit“, provieh.de (PDF; 122 kB). Das FLI widerlegte 2009 nicht ein einziges der angeführten Argumente, es überging sie alle. Über diesen Sieg der Dummheit freute sich die Geflügelindustrie, sie war fein heraus. Jetzt sieht es so aus, dass das FLI mit H5N8 schon wieder mit seiner Dummheit punkten will, siehe hierzu den Offenen Brief des WAI: "Geflügelpest: Kein reflexhaftes Keulen" (pdf zum download).

Sievert Lorenzen

Foto: © PROVIEH