Vogelgrippe-Ausbruch in Bayern

11.12.2015: Für einen Biobetrieb mit Mastenten, Puten, Gänsen und Legehennen bedeutete der 06.12.2015 eine schwere Katastrophe. Bei einer routinemäßigen Untersuchung hatte sich der Verdacht ergeben, dass der Bestand von einem hochpathogenen (stark krankmachenden) H5-Vogelgrippevirus infiziert worden sein könnte. Daraufhin ordnete der zuständige Landrat die unverzügliche Keulung und Entsorgung aller 12.900 Vögel des Bestandes an, durchzuführen von einer Spezialfirma. Nicht mitgeteilt wurde, ob wenigstens eins der Tiere einen erkrankten Eindruck machte, denn untersucht wurden nur Tupferproben von lebenden Tieren. Nachträglich ergab sich, dass das H5-Vogelgrippevirus zum Stamm H5N2 gehört und somit niedrigpathogen (schwach krankmachend) ist, also harmlos für Mensch und Vogel. Trotzdem hätte das Geflügel wegen H5 auch nach der Diagnose unverzüglich getötet werden müssen, entweder durch Schlachtung und freigegeben für den menschlichen Verzehr, oder durch Keulung mit der Pflicht zur Entsorgung der Kadaver. Einen Ermessensspielraum räumt die angewendete Geflügelpest-Verordnung nicht ein.

PROVIEH ist empört über das Vogelmassaker und darüber, dass die industriellen Geflügelhaltungen in geschlossenen Ställen nicht in die Pflicht genommen werden ihr Geflügel routinemäßig auf Vogelgrippeviren untersuchen zu lassen. Der Grund für die Empörung ist, dass nach eingehenden Untersuchungen immer deutlicher geworden ist, dass die Geflügelindustrie die praktisch einzige Brutstätte hochpathogener Vogelgrippeviren ist und dass sie die praktisch einzige Verbreiterin dieser Viren über nah und fern ist bis hinein in die Geflügelhaltungen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ignoriert diese Erkenntnisse seit Jahren hartnäckig und klammert sich nur an die vage Vermutung, Wildvögel wären zumindest die wichtigsten Verbreiter hochpathogener Vorgelgrippeviren. Deswegen bleiben wissenschaftlich belegbaren Ursachen für die Vogelgrippe-Epidemien praktisch unberücksichtigt. Zu den Leidtragenden dieses Verstoßes gegen wissenschaftliche Grundsätze gehört alles Geflügel, gleich ob im Freiland oder im geschlossenen Stall gehalten, denn mittlerweile werden außer einer Minderzahl an erkrankten auch massenhaft viele gesunde Vögel bei Verdacht auf Vogelgrippe vernichtet. So wurden während der letzten Vogelgrippeepidemie in den USA fast 50 Millionen Vögel vernichtet. So ein Schwachsinn ist nicht länger hinnehmbar.

PROVIEH fordert deswegen: Schluss mit Vermutungen, die zu Dogmen emporstilisiert werden. Hin zu seriöser epidemiologischer Forschung, die ihren Blick nicht allein auf Wildvögel richtet, sondern auf alle Möglichkeiten der Entstehung und Ausbreitung hochpathogener Vogelgrippeviren.

 

Stefanie Pöpken