Alte "Nutz"tierrasse: Rotbuntes Husumer Schwein

Das hübsche Rotbunte Husumer Schwein wäre fast ausgestorben. Es wird auch Dänisches Protestschwein genannt und ist heute immer noch sehr selten. Wir finden es deshalb auf der roten Liste der gefährdeten Arten.

Dänisches Protestschwein

Das Muster dieser schönen Schweine ähnelt dem der schwarz-weißen Angler Sattelschweine. Ihr Körper ist aber rot (statt schwarz) mit einem weißen Sattel. Ihre Färbung erinnert an die dänische Nationalflagge, weshalb die Tiere Anfang des 20. Jahrhunderts von der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein als Zeichen des Protests gehalten wurden. Diese durfte nämlich zu dieser Zeit ihre Flagge nicht hissen und fand so für sich so ein Schlupfloch: Sie ließ einfach die Tiere als "lebende Flagge" im Vorgarten laufen. Deshalb tragen diese zauberhaften Schweine auch den Namen Dänisches Protestschwein.

Zuchtgeschichte

1954 als Rasse (offizieller Name: Deutsches Sattelschwein - Abteilung Rotbuntes Husumer Schwein) anerkannt, ist bereits im Jahr 1968 die letzte Geburt eines Rotbunten Husumer Schweines registriert. Danach galt die Rasse als ausgestorben. Welch ein Glück, dass 1984 doch noch einige Rotbunte auf der Grünen Woche entdeckt wurden. Einige Interessierte, unter anderem der Zoo Berlin, fanden sich zusammen und sorgten für den Erhalt dieser robusten und ansprechenden Schweinerasse.

Haltung und Anspruch

Das Rotbunte Husumer Schwein eignet sich durch seine Anspruchslosigkeit und Widerstandsfähigkeit hervorragend für die extensive Weidehaltung. Es ist durch eine dicke Fettschicht relativ unempfindlich gegenüber Kälte. Die Tiere sind ruhig und unkompliziert und die Sauen zeigen bei artgemäßer Haltung hervorragende Muttereigenschaften.

Im Winter reicht den Schweinen ein unbeheizter Stall mit Stroh, in dem sie sich mit den anderen Tieren in der Rotte zusammenkuscheln können. Die Rotbunten Husumer Schweine brauchen kein Kraftfutter, das über weite Wege transportiert wird, sondern können bestens mit Futter vom eigenen Hof versorgt werden. Das ist auch deutlich besser für unsere Umwelt.
 

Wegen einem deutlich schnelleren Wachstum und einer geringeren Fettschicht werden heute leider in Deutschland fast nur noch Leistungsrassen aufgezogen. Die stattlichen Dänischen Protestschweine wachsen nur ungefähr halb so schnell wie die Hybridrassen aus dem Stall. Sie erreichen ihr Schlachtgewicht nach frühestens acht Monaten. 

Der damit verbundene Mehraufwand muss also über den Fleischpreis wieder reingeholt werden. Besonders für Ökohöfe und Höfe mit regionaler Vermarktung ist die Haltung dieser Rasse interessant. Bei regionaler Vermarktung werden die Tiere auch nur über kurze Wege transportiert, was für sie weniger Stress bedeutet. Das Fleisch wird als fest und sehr schmackhaft beschrieben.


Steckbrief

Der typische rote Körper der Tiere dunkelt im Alter meist nach, so dass er dann eher bräunlich aussieht. Die Eber werden satte 300 bis 350 Kilogramm schwer und können fast einen Meter Schulterhöhe erreichen. Die Sauen werden 80-85 Zentimeter hoch und 250-300 Kilogramm schwer.

 


Sandra Lemmerz

Foto: oben © PROVIEH, unten © Hofkäserei Backensholz