Zu Besuch beim Öko Melkbur Achim Bock


Artgerechte Weidehaltung für Kuh und Kalb

05.11.2016: Lange schon habe ich mich auf den Betriebsbesuch bei Achim Bock zwischen Bad Bramstedt und Quickborn gefreut. Der Milchbauer ist einer der drei „Öko Melkburen“ (siehe Infobox), die sich mit der „4 Jahreszeitenmilch“ in Schleswig-Holstein einen Namen gemacht haben. Das besondere an Herrn Bocks Kuhherde: Die Kälber bleiben für drei Monate bei ihren Müttern. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Bullenkälber, die verkauft werden sollen, bleiben nur für drei Wochen bei ihren Müttern, bevor sie abgesetzt werden. Die männlichen Tiere, die später als Ochsen mit auf der Weide stehen, dürfen ebenfalls für drei Monate bei den Müttern mitlaufen. Zum Vergleich: Normalerweise werden Kälber (ob männlich oder weiblich) direkt oder kurz nach der Geburt von den Müttern getrennt und vom Bauern aufgezogen.

 

Muttergebundene Kälberaufzucht

„Seit anderthalb Jahren betreibe ich die Form der muttergebundenen Kälberaufzucht“, berichtet Herr Bock. Und er schwört auf die positive Wirkung, die diese Haltungsform auf Kuh und Kalb hat: „Die Tierverluste bei den Kälbern sind sehr gering und der unbeschränkte Zugang zur Muttermilch lässt die Kälber richtig gut gedeihen.“

Studien belegen, dass Kälber, die in einem Herdenverband aufwachsen, später viel besser zum Beispiel mit Stress umgehen können. Auch das Untereinander der Tiere ist entspannter, denn die Tiere haben früh gelernt, wann ein Kampf um die Rangfolge aussichtsreich ist und wann nicht.
 Circa 14 Tage nach der Geburt beginnen die Kälber damit, kleine Kälbergruppen zu bilden – wie in einem Kindergarten. Betreut und beaufsichtigt werden die herumtollenden Kälber dabei von erwachsenen Tieren.
 

Mittendrin statt nur dabei

Gemeinsam gehen Herr Bock und ich auf eine der großen Weiden, die zum 130 Hektar großen Betrieb gehören. Hier stehen die 47 Milchkühe, deren Namen ich mir nicht alle merken konnte, mit ihren Kälbern. In aller Ruhe gehen wir mit den Tieren zurück zum Stall – es ist Melkzeit. Ich darf heute beim Melken helfen. Alles läuft ruhig und entspannt ab, die Zeit scheint ein bisschen stehengeblieben. Zum Glück verzeihen mir die Kühe meine fehlende Routine. Die drei Kälber, die momentan noch mitlaufen, wissen schon, dass sie im Melkstand keinen Platz haben und machen es sich so lange im Stroh gemütlich, bis sie von den Müttern abgeholt werden. Nach dem Melken können die Kühe noch vom hofeigenen Heu fressen oder sich auf den Weg zur Nachtweide machen.

Weide, wann immer es geht

Seine Tiere lässt Herr Bock fast das gesamte Jahr auf die Weide. „Außer das Wetter ist so fürchterlich, dass die Tiere im Schlamm versinken oder die Grasnarbe zerstören würden“, so Achim Bock. Das passiert jedoch relativ selten und beschert den Tieren mindestens 300 Weidetage im Jahr. Seine Tiere genießen soviel Auslauf und Weidegras wie möglich. Müssen sie einmal drinnen bleiben, halten sie sich im Laufstall auf. Seit 1990 betreibt Herr Bock die Milchviehhaltung, seit 2000 wirtschaftet er nach den Richtlinien von Bioland.

Warum das alles?

„Die muttergebundene Kälberaufzucht habe ich zum ersten Mal auf einem Hof in der Nähe von Neumünster gesehen. Der Demeterbetrieb dort lässt die Kälber für drei Wochen zusammen mit den Müttern laufen. So habe ich auch begonnen, dann aber die Zeit deutlich ausgeweitet.“ 
Natürlich stellen die Kälber eine Konkurrenz dar, wenn es um die Gewinnung der Milch geht. Kühe, die ein Kalb haben, geben deutlich weniger Milch als solche, deren Kalb schon abgesetzt wurde. Zwischen 10 und 15 Liter kann so ein Kalb pro Tag gut und gerne trinken. Da bleibt nicht so viel übrig. „Sicherlich gibt es Landwirte die über meine Milchviehhaltung den Kopf schütteln, aber ich bin meinen Tieren und meinen Kunden verpflichtet. Das spornt mich an, die Arbeit an jedem Tag gut zu machen. Dafür bekomme ich ja auch die Wertschätzung von unseren Kunden, von denen ich mittlerweile viele persönlich kenne.“ 
Mit frisch gemolkener Milch und dem Gefühl ein schönes, faires und artgerechtes Miteinander von Mensch und Tier erlebt zu haben, fahre ich an diesem Abend nach Hause. Das Müsli am nächsten Morgen hat diesmal besonders gut geschmeckt.


De Öko Melkburen sind drei Landwirte, deren Bioland-Höfe sich vor den Toren Hamburgs befinden. Alle Landwirte ziehen ihre Kälber bei den Muttertieren auf. Kurze Transportwege, artgerechte Weidehaltung sowie umwelt- und ressourcenschonendes Wirtschaften zeichnen die Milchprodukte aus. Bislang gibt es die 4 Jahreszeitenmilch und Naturjoghurt. Unter folgendem Link können Sie herausfinden, ob es die Milch auch in ihrer Nähe zu kaufen gibt: 
http://deoekomelkburen.de/hier-gibts-die-milch/


Stefanie Pöpken