Wo Kuh und Kalb noch zusammen gehören: Der Breuner-Hof

Der biologisch-dynamisch betriebene Breuner-Hof von Petra und Hardy Burgmer liegt süd-östlich von Köln. Inmitten des Oberbergischen Landes grasen die 70 Milchkühe des Hofes. Eine Besonderheit sticht bei Familie Burgmer heraus: Die Kälber bleiben bei der Kühen.

Frau Burgmer, seit wann gibt es Ihren Hof?

Hardy bewirtschaftet den Hof bereits in der siebten Generation. Sein Vater hat den Betrieb konventionell bewirtschaftet und ihn dann an Hardy übergeben. Hardys Tochter hatte Neurodermitis und deshalb fing er an, sich mehr mit der biologischen Wirtschaftsweise zu beschäftigen. Vor 12 Jahren stellte er dann auf Bioland um.

Und dann kamen Sie dazu.

Ich bin vor rund sechs Jahren zu Hardy auf den Hof gekommen. Damit begann ein neuer Entscheidungsprozess. Für mich war klar: Wenn wir den Tieren ein wirklich artgerechtes Leben bieten wollen, dann müssen wir nach dem unserer Meinung höchsten Biosiegel wirtschaften. Und das ist Demeter. Demeter verlangt von seinen Mitgliedern beispielsweise, dass sie  den Kühen die Hörner dran lassen. Eine Kuh ist einfach vollkommen mit Hörnern.

Was mögen Sie persönlich so sehr an Kühen?

Jede Kuh ist einzigartig. Ich finde es klasse, durch die Herde zu laufen und jede Kuh zu kennen. Da ist die scheue Trudi, die sich nicht so wirklich herantraut. Dann die schmusige Rupa, die ihren Kopf auf meinen legt. Alle sind individuell und strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Jeder, der mit Kühen zu tun hat, sollte sich auch wirklich die Zeit nehmen, sich mit ihnen zu beschäftigen und ihnen Verständnis entgegen zu bringen.
Wir haben vor einiger Zeit zwei alte Kühe in den Ruhestand geschickt. Hardy meinte, dass eine davon immer so eine „Jammerkuh“ war. Sie wollte nie in den Klauenpflegestand, dabei hatte sie oft Probleme mit den Klauen. Stand sie einmal drin, dann hat sie die ganze Zeit gejammert. Hardy hat sich eines Tages zu den beiden Kühen auf die Weide gesetzt und sich einfach mal die Zeit genommen, sie zu beobachten und ihnen Respekt entgegen zu bringen. Seitdem geht die Jammerkuh freiwillig und ohne Mucks in den Pflegestand.

Ihr lasst die Kälber bei den Müttern, wie seid ihr zu dieser Entscheidung gekommen?

Ich habe selber vier Kinder. Bei dem Gedanken, dass mir jemand meine Kinder direkt nach der Geburt wegnehmen würde, ist mir ganz anders geworden. Da war klar: Wir müssen uns hier für die Tiere entscheiden. Wir sind noch in einer Art Testphase. Momentan lassen wir die Kälber in den ersten sechs bis acht Wochen bei den Müttern. Entweder laufen sie mit auf der Weide oder sie sind in einem abgetrennten Bereich. Zum Melken oder auch zu anderen Gelegenheiten kommen die Kühe aus dem Bereich heraus. Nach acht Wochen kommen alle Kälber zusammen auf ein eingezäuntes Stück Wiese mit einem großen Kälberiglu. Sie haben immer noch Sichtkontakt zu den Müttern. Sie werden dann nicht mehr gesäugt, bekommen aber Vollmilch.

Wie verkraften die Tiere die Trennung?

Bei einigen Kühen habe ich das Gefühl, dass denen das egal ist. Sie suchen ihre Kälber nach der Trennung nicht. Andere Kühe sind zum Beispiel während der ganzen Wochen auch Amme für andere Kälber gewesen, denen merke ich diesen Verlust richtig an.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Für unseren Hof wünsche ich mir einen geeigneten Hofnachfolger, der in unserem Sinne die Bewirtschaftung und Tierhaltung übernimmt.
Für die Landwirtschaft allgemein wünsche ich mir, dass Landwirte mehr in die Eigenverantwortung gehen. Ich meine damit, dass sie zum Beispiel ihre erwirtschafteten Lebensmittel selber weiter veredeln. Es bräuchte vermehrt kleine Molkereien, die sich zusammen mit Landwirten trauen, ein neues Produktionsfeld zu eröffnen und zum Beispiel die „gewaltfreie“ Milch auf den Markt bringen. Das wäre toll und würde viele zahlungsbereite Menschen erreichen. Die gibt es bereits. Jetzt wäre die Zeit dafür.

Frau Burgmer, vielen Dank für Ihre Zeit und das nette Gespräch.

Das Interview führte Stefanie Pöpken