Nutztierschutz nicht „für die Katz“

21.11.2013: Die Stiftung Warentest hat 46 Organisationen aus dem Bereich Tier-, Natur-, Arten- und Umwelt­schutz untersucht. Nur sechs von ihnen – unter ihnen PROVIEH – arbeiten nach­voll­zieh­bar wirt­schaftlich, seien trans­parent und solide organisiert. Uns freut unser gutes Abschneiden. Doch im eher schlechten Abschneiden anderer Vereine der Tierschutzbewegung sehen wir auch eine Gefahr, die die Stiftung Warentest mit dem Titel „Alles für die Katz?“ ihres Berichts andeutete.

Die Gefahr besteht darin, dass die Lobbyisten der industriellen Intensivtierhaltung nicht müde werden könnten, die Arbeit aller Tierschutzverbände pauschal als Spendendosengeklapper zu diffamieren und den Testbericht wie ein Wasserfall auf ihre Mühlen darstellen. Wenn ich als Geschäftsführer auf einem Bauerntag als Erstes zynisch gefragt werde, wo ich denn meine Spendendose hätte, dauert es einfach länger, das nötige Vertrauen für gemeinsame konstruktive Überlegungen aufzubauen. Diese Überlegungen sind letztlich auch für die Bauern wichtig, denn viele von ihnen erkennen an, dass sie ein massives Tierschutzproblem haben, das sie gerne lösen würden, wenn sich diese Mühe auch wirtschaftlich lohnen würde.

Doch die Verbände der Bauernschaft, der Fleischerzeuger und des Lebensmitteleinzelhandels sprechen oft eine andere Sprache als die Bauern und sagen: „Wir behandeln unsere Tiere gut. Wir haben gar kein Tierschutzproblem, sondern ein Kommunikationsproblem.“ Wer so redet, kann sich geradezu absurd irren: Auf dem „5. Veredelungstag“ des Deutschen Bauernverbands (DBV) wetterte die Kommunikationsexpertin Kerstin Molthan erst gegen die Kampagnenarbeit von PROVIEH, zog im nächsten Atemzug den Verein PETA in den Dreck und lobte schließlich ausgiebig die neue „Initiative Tierwohl“ – das fondsgestützte Bonitierungssystem für mehr Tierschutz in der Schweinehaltung. Was die Agenturchefin anscheinend nicht wusste, ist, dass die gepriesene Initiative auf dem Acker des gescholtenen Vereins PROVIEH auskeimte und wuchs, vielleicht gedüngt von den „üblen Machenschaften“ der PETA, aber vielfache Anerkennung erntete von der Bauernschaft, der Schlachtindustrie und vom Lebensmitteleinzelhandel. Erst dieser Anerkennung wegen übernahm auch die Gesellschaft „Qualität und Sicherheit (QS)“ unser Konzept.

Doch leider muss gesagt werden, dass es auch Tierschutzorganisationen gibt, die sich gerne in der pauschalen und plakativen Diffamierung der Gegenseite ergehen und der eigenen Arbeit zu wenig selbstkritisch gegenüberstehen. Viele Landwirte sind es aber gründlich satt, dauernd als bösartige Tierquäler durchs Dorf getrieben zu werden, wie ich auf zahlreichen Betriebsbesuchen erfuhr. Sie sagen: „Die wahren Gründe für Schmerzen, Schäden und Leiden unserer Tiere liegen meist nicht im Stall, sondern am Geld: Mehr Tierschutz ist niemals umsonst. Er macht Mühe und muss bezahlt werden, sonst fällt er dem Diktat der Ökonomie zum Opfer.“  Das sieht PROVIEH nicht anders und handelt entsprechend: Wer mehr Nutztierschutz will, muss auch mehr für Produkte zahlen, die von den besser behandelten Nutztieren stammen, und von dieser Mehreinnahme muss vor allem der Bauer profitieren.

Sieht man sich die sechs Spendenorganisationen an, die von der Stiftung Warentest empfohlen werden, dann wirkt PROVIEH unter ihnen wie eine Jolle unter den Flaggschiffen: Schlank und wendig, mit wenig Geld und doch erfolgreich in der Bewegung. Das zeigt schon ein Vergleich der jährlichen Einnahmen der sechs Testsieger: Greenpeace 54,8 Mio., WWF 52,1 Mio., BUND 16,3 Mio., Deutscher Tierschutzbund 8,7 Mio., Atmosfair 3,3 Mio., PROVIEH 0,3 Mio. Euro. Tatsächlich würde sich unser Verein freuen, so bekannt wie der WWF oder so gut mit Geld ausgestattet zu sein wie Atmosfair. Aber PROVIEH gibt kaum Geld für das Spendensammeln und die Werbung aus. Die Unterstützung durch neue Mitglieder wächst zwar stetig, aber die Aufgaben und fachlichen Anforderungen an den Verein wachsen noch schneller. Selbstkritisch müssen wir erkennen, dass auf einem unbestellten Spendenfeld kaum eine Ernte einzuholen ist – selbst in der Ökolandwirtschaft wird gepflügt und gedüngt.

Die Lehren aus dem Testbericht: Unsere Tierschutzbewegung als Ganzes muss vertrauenswürdiger arbeiten, und PROVIEH darf gerne etwas hörbarer beim Ackern grunzen. Denn bei uns sind Spenden nicht „für die Katz“, sondern für die Sau – durch und durch „pro Vieh“.

Stiftung Warentest 12/2013 (Spenden: Diesen Organisationen dürfen wir trauen)