Österreich liefert Studie zur tierschutzkonformen Putenhaltung und fordert EU-Mindeststandards



In fast allen EU-Ländern, auch in Deutschland, werden Puten unter höchst tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten. EU-weit gibt es in diesem Bereich nicht einmal Mindestanforderungen. Österreich hat relativ hohe Standards für die Haltung von Puten und ist in diesem Bereich Vorreiter in der Europäischen Union. Der in Österreich für Tierschutz zuständige Minister Rudi Anschober fordert nun EU-Mindeststandards und hat mit der Beauftragung der Studie „Anforderungen an eine zeitgemäße tierschutzkonforme Haltung von Mastputen“ die Grundlage dafür geschaffen. 
Auch PROVIEH kritisiert seit Langem die fehlendende Haltungsverordnung für Puten und unterstützt die Forderung des Ministers ausdrücklich. Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) muss nun ebenfalls die Erkenntnisse aus der Studie zur Grundlage machen und die darin geäußerten Forderungen schnell und ambitioniert umsetzen! 
 
In Deutschland werden zwar jedes Jahr circa 34 Millionen Puten geschlachtet, doch für die Putenhaltung gibt es lediglich sogenannte „Bundeseinheitliche Eckwerte“, die die Branche sich selbst auferlegt hat. Mehrere tausende Hochleistungstiere dürfen in einem Stall gemeinsam gehalten werden. Damit die Tiere sich in der Enge nicht gegenseitig verletzen, werden ihnen die Schnabelspitzen entfernt. Dies führt zu chronischen Schmerzen und lebenslangen Beeinträchtigungen. Große Probleme bereiten den Puten zum Beispiel auch schmerzhafte Fußballenentzündungen. Anstatt die Tiere an ihre miserablen Haltungsbedingungen anzupassen, sollten die Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden. Deshalb fordert PROVIEH seit geraumer Zeit wissenschaftlich fundierte, verpflichtende Haltungsvorschriften. Die vorgestellte Studie der Universität Wien und Universität Leipzig zur tierschutzkonformen Haltung von Mastputen kann hierfür ein vielversprechender Anfang sein.   
 
Der Studie zufolge sollte unter Berücksichtigung des Tierwohls und der Wirtschaftlichkeit eine geringere maximale Besatzdichte von 40 Kilogramm pro Quadratmeter zulassen werden (zum Vergleich: In Deutschland sind Besatzdichten von bis zu 58 Kilogramm pro Quadratmeter erlaubt). Zudem benötigen Puten Außenklimabereich, Aufbaummöglichkeiten,  Strukturierungen im Stall sowie und ausreichend Beschäftigungsmaterial. Hinzu kommen eine trockene Einstreu, erhöhte Lichtanforderungen, ein geeignetes Stallklima sowie eine intensive Pflege und Tierkontrollen. 
 



Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Studie finden Sie hier.

Die Meldung des österreichischen Ministeriums finden Sie hier.