Offener Brief an die Veterinärämter - Betreff: Lebendtierexporte

Wiederholt wird über eklatante Tierschutzverstöße auf Transporten von lebenden Schlacht- und Zuchttieren in Drittländer außerhalb Europas sowie Schlachtpraktiken in den Zielländern berichtet. Nun formiert sich Widerstand: Einige Veterinärämter in Bayern stellen sich offen gegen Langstreckentransporte von Lebendtieren in Nicht-EU-Länder. Den Anfang machte letzte Woche das Veterinäramt Landshut, das diese Praktiken und Tierschutzverstöße nicht mehr mittragen möchte. Auslöser war der geplante Transport einer trächtigen Kuh, die rund 5.000 Kilometer weit nach Usbekistan transportiert werden sollte. Diesen Viehtransport stoppte das Veterinäramt Landshut. Das Veterinäramt will in Zukunft keinem dieser Transporte mehr zustimmen, es verweigert sein "Vorzeugnis". 

Kurz danach folgten zwei weitere bayerische Landkreise: Nach Landshut verweigern nun auch die Landräte von Passau und Freyung-Grafenau ihre Zustimmung. Chapeau!

PROVIEH setzt sich seit langem für ein Verbot von Lebendtiertransporten in Drittländer und eine Überarbeitung der EU-Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport ein. Wir unterstützen die mutige Entscheidung der Veterinärämter und hoffen, dass noch viele weitere folgen. 


Offener Brief an die Veterinärämter:

Sehr geehrte Leiter(innen), sehr geehrte Amtstierärzte(innen) der Veterinärämter,
 

wir von PROVIEH e.V. begrüßen Ihre mutige Haltung bei der Weigerung zur Abfertigung von Langstreckentiertransporte aus Deutschland in Nicht-EU-Länder und wünschen uns bundesweite Nachahmung und Unterstützung Ihrer Position durch andere betroffene Veterinärämter.
 

PROVIEH e.V. hat sich bereits im März 2018 gemeinsam mit acht anderen Tierschutz- und Fachverbänden, darunter drei tierärztliche Vereinigungen, für ein Ende der bilateralen Abkommen und ein Verbot von Lebendtierexporten in Drittländer ausgesprochen. In einem offenen Brief appellierten wir an die Mitglieder des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag, die Langstreckentransporte von Lebendtieren außerhalb Europas umgehend zu beenden.

Wir sind der Meinung, dass Langstreckentiertransporte generell nicht mit dem Deutschen Tierschutzgesetz vereinbar sind. Transportdauer, Platzmangel, Witterungseinflüsse und mangelhafte Versorgung der Tiere sind aus Tierschutzsicht inakzeptabel und lassen sich nachweislich nicht durch Verordnungen lösen. Einen besonders tierschutzwidrigen Aspekt stellt hierbei der häufig grausame Schlachtprozess in einigen Nicht-EU-Ländern dar.
 

Trotz unserer engagierten Intervention bleibt ein bundespolitisches Signal aus. Wir freuen uns daher umso mehr über Ihre Positionierung. Wir möchten Sie wissen lassen, dass wir Ihnen bei Ihrer Entscheidung zur Weigerung der Abfertigung von Langstreckentiertransporten zur Seite stehen und Ihr Anliegen tatkräftig unterstützen.
 

Freundliche Grüße
 

Angela Dinter
PROVIEH e.V.   

04.02.2019

 

Aus der Presse: 
Veterinäramt Landshut verweigert Tiertransporte in ferne Länder (30.01.2019)
Bayerische Landkreise stoppen Zuchtviehexport (01.02.2019)