Pferdegesundheit – sechs Fragen an Tina von der Brüggen

 

Tina von der Brüggen ist Human- und Tierheilpraktikerin. Neben der klassischen Naturheilkunde widmet sie sich auch der traditionell chinesischen Medizin. Sie leitet Seminare für Hunde- und Pferdehalter. Zudem ist sie als Autorin, Dozentin für Heilpraktikerschulen und die Volkshochschule sowie als Beisitzende im Komitee für die Durchführung der Überprüfung zum Heilpraktiker des Landratsamtes München tätig.

 

1. Was macht Ihren Umgang mit Pferden und Ihre Therapie mit Pferd und Mensch so besonders?

Meine Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass ich einen ganzheitlichen Ansatz verfolge und den Tierhalter möglichst immer mit in die Therapie einbeziehe. Ich schaue mir die Tier-Mensch-Beziehung an, also das Verhalten, das der Mensch seinem Tier gegenüber an den Tag legt und wie sich dieses Verhalten, wie sich die menschlichen Emotionen auf das zu behandelnde Pferd auswirken. Ich versuche zu verstehen, mit welchen persönlichen Problemen der Tierhalter zum jeweiligen Zeitpunkt beschäftigt ist, wo er im Leben steht und was er für eine Führungspersönlichkeit für sein Tier darstellt. Und natürlich berücksichtige ich auch, wie der Tierhalter auf sein Pferd reagiert. Ob er sich ihm unterlegen fühlt, womöglich sogar Angst vor ihm hat, ob sein Pferd ihn nervös, oder ungehalten oder vielleicht sogar hilflos macht. Aus all dem leitet sich meine Therapie ab. Neben der eigentlichen Behandlung, die ich meist mit einem homöopathischen Mittel durchführe, spreche ich immer auch Empfehlungen aus, was der Besitzer für sich und für sein Tier tun kann, um die Heilung zu unterstützen.

 

2. Sie arbeiten als Tierheilpraktikerin und lehren Pferdehaltern zudem Heilmethoden an ihren Tieren selbst anzuwenden. Welche häufigsten Problemfelder begegnen Ihnen immer wieder?

Da ist zum einen das Verfallen in Extreme. Damit meine ich, dass viele Tierhalter meinen, entweder alles naturheilkundlich behandeln zu müssen, oder grundsätzlich nur den Tierarzt konsultieren und die Naturheilkunde, wenn überhaupt, erst dann hinzuziehen, wenn das Tier austherapiert ist.
Als nächstes fällt mir hier in meiner ländlichen Region auf, dass viele Bauern Pferde oft immer noch so halten wie es früher üblich war: Die Pferde – gar nicht mal so selten ist es sogar nur ein einzelnes Pferd – kommen den ganzen Sommer über auf die Weide oder auf die Alm, wo sie leben wie im Paradies. Dafür aber stehen sie im Winter fast ausschließlich im Stall, der manchmal sogar nichts anderes als ein umgebauter Kuhstall und damit entsprechend flach ist. Dadurch leiden die Pferde nicht nur unter Einsamkeit, Beschäftigungs- und Bewegungsmangel, sondern beispielsweise auch vermehrt unter Infektionen der Atemwege und Strahlfäule.

 

3. Wie beurteilen Sie die (gesundheitliche) Situation der Freizeitpferde in Deutschland?

Auch hier kann ich nur für Bayern, und da auch nur für den sehr ländlichen, äußersten Südosten sprechen, in dem ich es vielfach mit der Landbevölkerung zu tun habe. Leider haben noch immer viel zu viele Pferde nur selten, manchmal auch gar keinen Koppelgang. Manche stehen sogar noch in Anbindehaltung, was ich persönlich erschreckend finde. Ein Pferd in Freiheit ist fast ständig in Bewegung. Langsam grasend bewegt es sich viele Kilometer am Tag. Ein Pferd, das zur Bewegungslosigkeit gezwungen wird, leidet unter Stress, der sich vor allem in Erkrankungen des Verdauungsapparates aber auch in Verhaltensauffälligkeiten zeigen kann. Aber machen Sie das mal einem Bauern klar. Viele von ihnen halten sich noch immer gerne mindestens ein Pferd, nicht weil sie sie brauchen, sondern eher „ weil das immer so war“. Hier zeigt sich ganz deutlich die bayerische „Mia san mia“-Mentalität, die mir, als weibliche Tierheilpraktikerin und dazu auch noch als Preußin, meine Arbeit nicht immer ganz leicht macht. Mia san mia heißt übersetzt so viel wie: Wir sind wir. Und dieser Satz beschreibt wie kein anderer die urbayerische Selbstverständlichkeit und Sturheit, besonders der männlichen Landbevölkerung. Man ist stolz darauf Bayer zu sein und sieht keinerlei Veranlassung sich irgendwelchen fremden Regeln oder Bräuchen unterzuordnen – auch dann nicht, wenn es um das Wohl der Pferde geht.

 

4. Läuft etwas falsch? Wenn ja, woran erkennen Sie das?

Ganz klar falsch läuft für mich, dass eine ganze Reihe von Gesundheitsproblemen, wie Atemwegsinfektionen, Strahlfäule, Verdauungsbeschwerden oder Gastritis zwar durch Haltungs- und damit verbundene Fütterungsfehler hervorgerufen werden, die Besitzer aber einfach nicht schlau werden. Zwar werden bei Krankheit der Tierarzt respektive der Tierheilpraktiker gerufen und während der Therapie wird auch alles getan, damit der vierbeinige Patient möglichst schnell wieder auf die Beine kommt. Aber danach reißt fast immer der alte Schlendrian wieder ein. Soll heißen, wieder bekommt das Pferd nur morgens und abends, wenn es Glück hat dreimal am Tag, sein Heu. Wieder steht es bei anhaltendem Regen, der hier bei uns in den Bergen gar nicht mal so selten ist, tagelang regungslos im Stall, oder kommt nur „zum Lüften“ kurz vor die Boxentür, damit bloß die abschüssigen Koppeln geschont werden. Da hilft auch kein gutes Zureden, der Bauer hat Recht. Schließlich wurde es seit Generationen immer so gemacht. Und warum sonst sind all seine Haflinger immer weit über 30 Jahre alt geworden. Ist das nicht der beste Beweis dafür, dass seine Art der Pferdehaltung die einzige richtige ist?! Ende der Diskussion.

 

 

5. Welche Haltungsform halten Sie für Pferde am ehesten tiergerecht?

Diese Frage lässt sich nicht in einem Satz beantworten und trotzdem möchte ich versuchen, es auf den Punkt zu bringen. Als am wenigsten tiergerecht erachte ich die Boxenhaltung. Pferde sind Herden- und Steppentiere. Wie diese Bezeichnungen schon beschreiben, ist es für ein Pferd nicht normal einzeln gehalten zu werden, oder gezwungen zu sein viele Stunden am Tag auf einigen wenigen Quadratmetern zu verbringen. Was ich persönlich sehr gut finde, sind Offenställe, Laufställe und besonders die noch recht neuen Aktiv- oder Bewegungsställe. Alle drei Haltungsformen berücksichtigen recht gut die Grundbedürfnisse unserer Vierbeiner, eignen sich aber nicht für jedes Pferd. Ich greife mal wahllos ein paar Beispiele raus: Rangniedrige und ängstliche Pferde haben oft ein Problem ans Futter zu kommen, beziehungsweise in Ruhe fressen zu können. Nennt man einen Ekzemer sein eigen, muss darauf geachtet werden, dass genügend schattige Unterstände zu Verfügung stehen und der Stall möglichst weit von fließenden Gewässern entfernt ist. Ich kenne Ekzemer, die es von sich aus vorziehen heiße Sommertage in einer dunklen, kühlen, kriebelmückenfreien Box zu verbringen. Und auch für Maukepferde sind Offenstall und Co., ganz in Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit, nicht uneingeschränkt zu empfehlen. 

 

6. Gibt es etwas, dass Sie sich von Freizeitreitern und Sportreitern im Umgang mit ihren Tieren wünschen?

An meinem größten Wunsch arbeite ich schon seit vielen Jahren. Nach der Devise: Vorbeugen ist besser als heilen, rege ich bei jeder sich passenden Gelegenheit die Pferdebesitzer an, die Gesundheit ihrer Tiere nicht mehr ausschließlich dem Tierarzt/Tierheilpraktiker zu überlassen, sondern aktiv selbst in die Hand zu nehmen. Dazu eignet sich das von mir angewendete Heilströmen, das auch als „Akupunktur ohne Nadeln“ bezeichnet wird, ganz wunderbar. Durch bloßes Auflegen der Hände lösen wir auf einfachste Weise Energieblockaden im Meridianverlauf, aktivieren dadurch die Selbstheilungskräfte und wirken langfristig positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Vierbeiner ein.

 

Tina von der Brüggen

Hadermarkt 9

83324 Ruhpolding

Telefon: 08662/1389987

E-Mail: info@tinavonderbrueggen.de

 

© Fotos: Tina von der Brüggen