PROKUH

03.02.2016: Nach einer Schätzung der Bundestierärztekammer werden rund 180.000 Kühe im Jahr in Deutschland tragend geschlachtet. Die ungeborenen Kälber ersticken beim Schlachtvorgang im Mutterleib oder werden währenddessen aktiv getötet. Aus Hygieneschutzgründen darf kein lebendes Tier einen Schlachthof wieder verlassen.

PROVIEH findet diesen Zustand untragbar.

Schutz von ungeborenem Leben

Kühe dürfen bisher in jedem Trächtigkeitszustand zur Schlachtung gegeben werden. Nur die Tierschutztransportverordnung gibt Anweisung, hochtragende Rinder bis zehn Tage vor der errechneten Kalbung nicht mehr zu transportieren. PROVIEH fordert deshalb eine gesetzliche Regelung und setzt sich dafür ein, die Schlachtung tragender Kühe ab dem letzten Trächtigkeitsdrittel generell zu verbieten. Dazu müsste der Grundsatz im §1 des Tierschutzgesetzes in der Art erweitertet werden, dass Föten, die aufgrund ihres Entwicklungsstandes bereits in der Lange sind Empfindungen wie Schmerz wahrzunehmen, miteinbezogen werden. So würde das Töten von hochtragenden Tieren einen Gesetzesbruch bedeuten, der juristisch geahndet werden kann und muss. PROVIEH drängt außerdem auf eine bundes- sowie europaweite Regelung, da die Tiere sonst zur Schlachtung in andere Bundesländer oder Länder transportiert werden könnten (Schlachttourismus).

Solch eine gesetzliche Regelung ist auch das Endziel, des „Landeskodex Schleswig-Holstein“. Der Landeskodex ist eine freiwillige Vereinbarung, deren Unterzeichner sich verpflichten, tragende Rinder ab dem letzten Trächtigkeitsdrittel nicht mehr zu schlachten. Momentan gibt es diesen Kodex nur in Schleswig-Holstein. PROVIEH ist als Vertreter für den Tierschutz und als Mitglied der „AG Rinderhaltung beim Runden Tisch Tierschutz in der Nutztierhaltung in Schleswig-Holstein“ an der Ausgestaltung des Landeskodex beteiligt gewesen. Ziel von PROVIEH ist es auch in anderen Bundesländern in solchen Gremien für derartige Veränderungen tätig zu werden. Zusätzliche freiwillige Vereinbarungen zur Vermeidung der Schlachtung tragender Rinder gibt es mittlerweile auch in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bayern. 

Weitere Probleme in der Milchviehhaltung

Die Kampagne „PROKUH“ macht außerdem auf weitere Probleme in der Milchviehhaltung aufmerksam und gibt Denkanstöße:

  • Wie kann es überhaupt dazu kommen, dass es sich für den Landwirt nicht lohnt, die ungeborenen Kälber austragen zu lassen, bevor das Muttertier in die Schlachtung kommt?
  • Was passiert mit den unerwünschten Bullenkälbern in der Milcherzeugung? Setzt hier die gleiche traurige Realität ein, wie bei den männlichen Legehühnern – werden die männlichen Tiere der hochgezüchteten Milchviehrassen zur Ausschussware, weil sie nur wenig Muskelfleisch ansetzen?
  • Wieso sieht man immer weniger Kühe auf den Weiden?

PROVIEH setzt sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Kühen ein. Das Schicksal der hochtragenden Kühe und ihrer ungeborenen Kälber ist besonders tragisch. Doch alle Probleme in der Milchviehhaltung sind miteinander verbunden. Jeder, der gerne Milch oder Milchprodukte konsumiert und wertschätzt, sollte sich seiner Verantwortung gegenüber den Tieren bewusst sein. Lassen Sie uns gemeinsam einen ganzheitlichen Blick auf die Probleme der derzeitigen Milchwirtschaft werfen und Lösungen finden.

Für eine artgemäße und tiergerechte Milchviehhaltung: PROKUH.