Naturland

Seit der Kontrollperiode 2005 gelten bei Naturland Sozialrichtlinien.
Damit werden zukünftig auch die sozialen Bedingungen, unter denen ökologische Lebensmittel erzeugt und verarbeitet werden, im Rahmen der Öko-Zertifizierung abgeprüft. Die Delegiertenversammlung des zweitgrößten deutschen Anbauverbands hat dafür einen zweiseitigen Punktekatalog verabschiedet, der die Arbeitsbedingungen und den sozialen Umgang der Menschen regelt, die auf den Naturland Betrieben im In- und Ausland leben und arbeiten:


Der Verband:

Naturland e.V. wurde 1982 gegründet und ist ein weltweit agierender Verband. Die Mitgliederzahl in Deutschland liegt bei 1.800 und die bewirtschaftete Fläche bei 136.000 Hektar. Naturland bezeichnet sich selbst als ein ökologischer Verband, der sich nicht an irgendeine Ideologie oder an Dogmen anlehnt.

Als erster deutscher ökologischer Anbauverband hat Naturland Richtlinien für eine ökologische Teichwirtschaft eingeführt. Vorgeschrieben sind hierbei naturnahe Haltungsbedingungen, d.h. die Fische werden in Naturteichen gehalten, Betonbecken und Fließkanäle sind untersagt. Der Besatz liegt bei 10 kg/mł. Verboten sind unter anderem der Einsatz von chemisch-synthetischen Futterzusätzen, Gentechnologie und der vorbeugende Einsatz von Antibiotika. Eine vergleichbare EG-Ökoverordnung für Aquakultur gibt es bislang noch nicht.

Bei den traditionellen landwirtschaftlichen Nutztieren gelten weitgehend die Richtlinien der EG-Verordnung Ökologischer Landbau Nr. 2092/91. Ein paar Beispiele zu Regelungen der Eingriffe am Tier:

  • Systematisch dürfen Zähnekneifen oder -schleifen sowie Schwänze- und Ohrkupieren bei Ferkeln nicht durchgeführt werden.
  • Ebenso wenig ist beim Geflügel das Kupieren von Schnäbel oder Flügeln zulässig.
  • Von einer Enthornung ist abzusehen, wenn die Haltungsbedingungen es zulassen. Aus Gründen des Unfallschutzes ist sie vertretbar. Ätzstifte für die Enthornung sind verboten.
  • Betäubungslose Kastration von Ferkeln und Mastochsen ist zugelassen.

Eine dauernde Anbindehaltung von Rindern ist nicht zugelassen. Weidegang oder ganzjähriger Auslauf ist zu gewährleisten. Auch Zuchtsauen ist Auslauf zu gewährleisten, wo immer dies die örtlichen Gegebenheiten zulassen. Legehennenhaltung ohne Auslauf ins Freie ist nicht möglich (vgl. Artikel „Eierkennzeichnung“. Ein teilüberdachter Auslauf für Legehennen muss ganzjährig zugänglich sein (das heißt auch bei schlechtem Wetter) und Enten muss eine Wasserfläche zur Verfügung stehen. Im tierhygienischen Bereich sind routinemäßige und prophylaktische Behandlungen mit chemisch-synthetischen Mitteln sowie Hormonen nicht zugelassen. Die Ernährung der Kälber/Lämmer/Zicklein hat auf der Grundlage natürlicher Milch zu erfolgen. Schweinen muss auch Rau- oder Saftfutter gefüttert werden.

Abweichungen von der EG-Verordnung Ökologischer Landbau sind in folgenden Bereichen zu nennen:

Bereich Naturland EG-Öko-Verordnung
Begrenzung der Tierzahl 240 Masthühner, 140 Legehennen, 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr 580 Masthühner, 230 Legehennen, 14 Mastschweine pro Jahr und Hektar
Anteil an konventionellem Futter Schweine und Geflügel dürfen maximal 15% konventionelles Futter erhalten Schweine und Geflügel dürfen maximal 20% konventionelles Futter erhalten
Anteil hofeigenes Futter 50% muss vom eigenen Betrieb stammen Keine eindeutigen Vorschriften

Die Übergangsfristen für Ställe, die vor 1999 gebaut wurden laufen bis 2010. Naturland ist seit 1997 Mitglied im internationalen Dachverband IFOAM. Weitere Informationen unter www.naturland.de und Naturlandrichtlinien 01/2004.


Stammen Naturland-Produkte aus artgemäßer Haltung?

Milch/-produkte: Enthornung per Wegbrennen nicht unüblich. Etwa die Hälfte der Kühe haben keine Hörner. Trennung von Kalb und Kuh wenige Tage nach der Geburt erlaubt, ebenso Anbindehaltung der Kühe unter gewissen Bedingungen. Bei Anbindung kein „Kuhtrainer“ erlaubt (gibt elektrische Schläge ab, wenn die Kuh an den „falschen Ort“ kotet)

Eier: wie andere „Bios“: mutterlose Aufzucht, Tötung der männlichen Küken. Es muss Auslauf angeboten werden, für schlechtes Wetter wenigstens überdachter Auslauf.

Schweinefleisch: keine wesentlichen Abweichungen vom Mindest-Biostandard. Sauen dürfen 2 Wochen am Stück „fixiert“ werden.

Fische: Alle Jungfische selbst gezüchtet, keine Wildfänge. Betäubung vor der Verarbeitung (im Gegensatz zu herkömmlichem Fischfang auf See) vorgeschrieben. Lachs stammt aus Netzkäfighaltung im Meer.

 

Fazit:
Naturland hebt sich in seinen Richtlinien zur Tierhaltung nicht weit von den EU-Mindestanforderungen ab. Die Preise für die Produkte sind entsprechend moderat. Dass der Verband den Augenmerk auf aktuelle Entwicklungen hat, zeigt sich daran, dass er Vorreiterposition zu Fischen bezogen hat, wenngleich es hier auch noch Verbesserungsmöglichkeiten gäbe.

19.01.2006


 

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