Wem nützt die Schweinefabrik auf dem Allstedter Flugplatz?

11.11.2004

ˇ der Natur?
„Ammoniakemissionen führen in Deutschland zur Versauerung und Nährstoffüberversorgung von nicht landwirtschaftlich genutztem Boden, insbesondere in Wäldern, Biotopen und Gewässern. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes stammten im Jahr 2000 etwa 95 % der Gesamtammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft, insbesondere aus der Tierhaltung (etwa 78 %)“ (Programm der Bundesregierung 2003).
Auch in Sachsen-Anhalt sind die Wälder überdüngt. Natürliche Gleichgewichte geraten aus den Fugen, sie tragen zum Waldsterben bei (UFZ-Untersuchungen zu „Critical loads“).
Trotz Filteranlagen werden 83 t Ammoniak/Jahr aus der Anlage emittieren. Bereits bei 22 t/Jahr ist ein Mindestabstand zu FFH-Gebieten von 950 m einzuhalten. Zusätzliche Stickstoffgaben aus der geplanten Anlage werden folglich dem Ziegelrodaer Forst, den angrenzenden Biotopen, den wertvollen, zum Teil einmaligen Pflanzen und Tieren Schaden zufügen. Mehrere Quadratkilometer werden dieser Gefahr ausgesetzt sein (TA Luft, Anhang 1).

ˇ der Luft?
Ammoniak gelangt in die Atmosphäre und kommt überwiegend in Form von Ammonium, auch in Form des ätzenden Ammoniumhydroxids und anderen Stickstoffverbindungen auf die Erdoberfläche zurück. Durch mikrobielle Umsetzungsprozesse in landwirtschaftlichen Böden und im gelagerten Wirtschaftsdünger enstehen 66 % der gesamten Lachgasemissionen in Deutschland. Lachgas (N2O) ist ein Klimagas und schädigt die Ozonschicht. Die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft betragen 7 % der Gesamttreibhausgase in Deutschland (Rat der Sachverständigen für Umweltfragen 2004).

ˇ dem Grundwasser?
„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss“ (EU-Wasserrahmenrichtlinie).
Bereits heute ist das Grundwasser in großen Bereichen unserer näheren Heimat stark verunreinigt. Allein in der Goldenen Aue ist der Risikowert für Nitrate an ca. 35 % der Messstellen überschritten. Hinzu kommen Belastungen durch Keime, Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle und andere Schadstoffe. Das Sickerwasser, unterhalb der Wurzelzone, ist sehr hoch mit Nitraten belastet (Grundwasserkataster 2002 und LAU-Gutachten 2004). Da die hydrogeologischen und hydrometeorologischen Bedingungen äußerst ungünstig sind, wird jede Düngergabe, die die Ausgangssituation nicht berücksichtigt, zur einer Vergrößerung des Grundwasserschadens führen.

ˇ dem Oberflächenwasser?
Unsere Gewässer, Rohne, Helme, Unstrut, Querne, Seen und Teiche sind bereits heute stark überdüngt. Messungen in der Unstrut belegen die hohen Nitratbelastungen. Der Zusammenhang zwischen Grund- und Oberflächenwasserverunreinigungen ist offensichtlich. Bereits jetzt tragen unsere heimatlichen Gewässer dazu bei, dass der Küstenstreifen in der Nordsee überdüngt und damit erheblichen Belastungen ausgesetzt ist (MZ, 24.07.04).

ˇ dem Tierschutz?
Laut §2 des Tierschutzgesetzes ist ein Tier angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen, so dass ihm weder Schmerzen noch vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Bei derartig großen Stallanlagen, wie in Allstedt geplant, ist davon auszugehen, dass eine artgerechte Tierhaltung mit ausreichender Einzeltierbetreuung nicht mehr zu gewährleisten ist. Auch aus ethischen Gründen muss man sich fragen, sind wir berechtigt, so mit hochentwickelten Lebewesen umzugehen? Auch aus diesem Grund ist die Anlage nicht genehmigungsfähig.

ˇ der menschlichen Gesundheit?
Nitrate, Keime, Antibiotika, Schwermetalle, Pestizide und andere Schadstoffe, die über die Gülle auf die Felder verbracht und ins Grundwasser absickern, erhöhen das Risiko über die Nahrungskette den menschlichen und tierischen Organismus zu erreichen sowie die Gewässerqualität beeinträchtigen (LAU-Gutachten 2004; SRU 2004). Gesundheitliche Gefahren können nicht ausgeschlossen werden, insbesondere für Kleinkinder und ältere Personen. Zunehmender Verkehr auf unseren Straßen mit Dieselrußausstoß und erhöhtem Lärm führen zum Ansteigen von Herz-Kreislauferkrankungen und Lungenkrebs (UPI 1999).
Epidemilogische Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen auf die Anwohnerschaft einer Mastanlage gleicher Dimension liegen bis heute nicht vor, da der Bau von Anlagen diesen Ausmaßes in der Vergangenheit nicht durchgeführt wurde. Vom gesundheitlichen Standpunkt kann nur davor gewarnt werden, eine solche Anlage zu erbauen. Mit der größten Schweinefabrik Deutschlands vor unserer Tür werden wir wegen fehlender wissenschaftlicher Untersuchungen zu „Versuchskaninchen“ degradiert.

ˇ dem Arbeitsmarkt?
Angeblich will der Investor 60 Arbeitsplätze schaffen (Antragsunterlagen). Abgesehen davon, dass vom Investor zu hören ist, dass mindestens 3-4 Jahre vergehen werden, bevor Arbeitskräfte eingestellt werden, werden immer wieder auch andere Arbeitskräftezahlen in die Welt gesetzt. Uns erscheint dies ziemlich unseriös. Was wird zum Beispiel aus den Anlagen in Heygendorf, Saubach, Holdenstedt? Wir meinen, große Fabriken wie die geplante Anlage ruinieren zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen aus der Landwirtschaft, fördern nicht die Ansiedlung weiterer, vor allem innovativer Unternehmen, sind für den Tourismus und die Naherholung kontraproduktiv.

ˇ den Finanzen der Kommunen?
Unsere Städte und Gemeinden leiden unter akutem Geldmangel. Die Hoffnung durch Gewerbesteuern die Finanznot zu lindern, wird nicht aufgehen. Zahlreiche legale Steuertricks werden dies verhindern. Wer hat den Nutzen?
Abfälle werden die Natur, die Umwelt, den Wald, die Biotope, die Luft, den Boden und das Wasser einer ganzen Region verunreinigen, für unsere Gesundheit werden zusätzliche Risiken entstehen. Die Auswirkungen derartiger Massentierhaltungen sind trotz modernster Technik weltweit bekannt. Für gegenteilige Aussagen gibt es weltweit keine Referenzprojekte. Eine Entwicklung, die Standortvorteile neutralisiert, die uns, unseren Kindern und Enkelkindern Perspektiven nimmt, ist politisch nicht zu vertreten. Die Gewinne und Profite einer Schweinefabrik dieser Dimension kommen nur dem Investor und seinem Berater zugute. Sie werden die Nutznießer dieses Geschäfts sein.

Gibt es Alternativen?
Die gab es, die gibt es und die wird es auch künftig geben. In den 90er Jahren waren ein Freizeitpark, Eurospeedway, Gewerbepark, Pilzzucht vorgesehen. Damals „sabotierten die Landesbehörden, die sich gegenseitig auf den Beinen standen“ (MZ, P. Lindner, 05.11.02).
Heute gibt es wiederum mit dem Projekt Heidepark alternative Entwicklungen. Heute stemmt sich das Finanzministerium in Magdeburg dagegen.
Alternativen wird es auch künftig geben. Mit den Autobahnen A 38 und A 71, dem Flugplatz, einem noch intaktem Waldgebiet, einer kulturhistorischen Umgebung haben wir beste Chancen, haben wir Standortvorteile, die für innovative und naturverträgliche Entwicklungen sprechen. Ein Riesenschweinestall, der die gesamte Rollbahn einnimmt, kann dies allerdings zunichte machen, zumindest wird er nicht förderlich sein.

 

Bürgerbewegung Allstedt/Lodersleben/Winkel

 

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