Gänse

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Gans – schön arm dran

Unsere Hausgänse stammen von der Graugans (Anser Anser L.) und von der Schwanengans (Anser cygnoides L.) ab. Die Domestikation der Graugans begann schon vor 5000 Jahren in Ägypten, die Schwanengans wurde zur gleichen Zeit in China domestiziert und ist die Stammart der Höckergänse. In den heutigen Intensivhaltungen dominieren Hybriden, die keiner bestimmten Rasse zugeordnet werden können. Vorwiegend wird die Deutsche Legegans, eine schwere und fleischreiche Rasse, als Vaterlinie eingesetzt.

Die Gans ist ein Weidetier, das heißt die erwachsenen Tiere können sich ausschließlich von Gras und Kräutern ernähren. Dieser Ernährungsweise wurde früher mit regelmäßigem Weidegang entsprochen. Mit dem Rückgang kleinbäuerlicher Strukturen hat sich auch die Haltungsform der Gänse verändert. Heute wird der überwiegende Teil dieser intelligenten Vögel zu Tausenden in lichtlosen Hallen eingesperrt und mit energiereichem Futter in einer schnellen Mast (12 bis 16 Wochen, in der Kurzmast schon nach neun Wochen) zur Schlachtreife gebracht. Diese Fütterung macht den Körper schwerer als ihn die Beine tragen können; eine Folge davon sind Deformationen der Knochen. Die intensive Besatzdichte führt zu schlechter Luft, in der sich die Augen entzünden. Das Gefieder verklebt in der Fäkalien getränkten Einstreu. Die jungen Gänse, die nicht im Familienverband aufwachsen dürfen, sind sehr schreckhaft. Oft klettern sie in Panik übereinander und erdrücken sich gegenseitig.

Produkt dieser industriellen Intensivhaltung ist die Schlachtgans, die als Festbraten bei den Deutschen am Martinstag (11. November) oder an Weihnachten auf den Tisch kommt. In den Tiefkühlfächern deutscher Supermärkte findet sich hauptsächlich Importware aus Ungarn und Polen; nur knapp 15 Prozent stammen aus heimischer Erzeugung. Neben der Intensivhaltung werden in Deutschland auch Weidegänse gemästet. Diesen Tieren steht der überwiegende Teil ihres kurzen Lebens Weidegang zur Verfügung. Die Mastphase beträgt 22 Wochen.

Eine extreme Form der Gänsehaltung ist die Zwangsmast, auch Stopfen genannt, welches in Frankreich und Ungarn weiterhin erlaubt ist, obwohl EU-weit die Empfehlung ausgesprochen wurde, diese tierquälerische Produktion einzustellen.
Von den Gänsen wird außerdem das weiche Brustgefieder - die Daunen - für Oberbetten und Daunenjacken genutzt. Während in Deutschland und in der EU das Raufen (Abrupfen) kurz vor dem Beginn der natürlichen Mauser (die Federkiele sind dann nicht mehr durchblutet) erfolgt, kommt es in Ländern außerhalb der EU zum äußerst schmerzhaften Ausreißen der Federn bei der nicht mausernden Gans (hier sind die Federkiele noch durchblutet).

 

Dafür setzt sich PROVIEH ein:

  • die deutliche Verringerung der zulässigen Herdengrößen in allen Haltungsformen
  • Einstallung erwachsener Hennen mit den Küken
  • Strukturierte Stallhallen mit stets ausreichend trockener Einstreu (auch als Beschäftigungsmaterial) + Tageslicht und Weidezugang
  • Verbot der schweren Rassen (Qualzüchtungen) und die Förderung des gewerblichen Einsatzes von robusten, langsam wachsenden Rassen 
  • Einfuhrverbot von Gänsestopfleber

Was Sie beim Einkauf beachten sollten

  • Verzichten Sie generell auf den Kauf von Gänsestopfleber „Foie gras“.
  • Kaufen Sie Gänsefleisch aus extensiver Weidehaltung oder bei Kleinhaltern, bei denen Sie sich über die Haltung selbst informiert haben.
  • Im Zweifel verzichten Sie lieber auf Gänsefleisch.
  • Verbraucherzentralen und Öko-Anbauverbände können Ihnen bei der Suche nach einer Bezugsquelle behilflich sein.
  • Verzichten Sie auf den Kauf von Daunenprodukten. Hochwertige und teure Daunen stammen meistens vom lebenden Tier. Bei den Daunen von geschlachteten Tieren wird nicht zwischen Produkten aus intensiver oder Freilandhaltung unterschieden.