Aufstallungsgebot - was nun?

25.10.2005: Seit Samstag, dem 22.10.2005 müssen Geflügelhalter ihre Tiere aufstallen. Sinn dieser Eilverordnung ist es, den heimischen Geflügelbestand vor Übertragung der Geflügelgrippe durch Kontakt mit Zugvögeln zu schützen.

Die Reaktionen der Geflügelhalter auf das Aufstallungsgebot sind unterschiedlich: Größere Betriebe lassen die Tiere nicht mehr aus den nur für die Nacht gedachten Ställen und hoffen, dass sich die Tiere trotz der beengten Verhältnisse „irgendwie“ wohl fühlen können. Für diese ökologischen Großbetriebe können „Mobilställe“ besonders im Hinblick auf die „immer währende Gefahr“ solcher Erkrankungen wie der Geflügelgrippe und den Übertragungswegen eine Möglichkeit sein, die langfristig eine Lösung bietet.

Die meisten Geflügelhalter aber schlachten ihre Tiere vorzeitig und stallen nicht oder nur weniger Tiere wieder neu ein. Die finanziellen Auswirkungen für die Betriebe sind dabei noch nicht absehbar. Für die schlüpfenden Küken in den Brütereien bedeutet aber der verminderte Bedarf in den Mastbetrieben den Gang durch den Schredder. Eine Möglichkeit, sein Geflügel vor dem vorzeitigen Schlachten zu bewahren ist, unbenutzte Häuser und Stallungen in der Nähe vorübergehend anzumieten, und das Geflügel dort einzustallen. Dies ist natürlich mit großen Kosten verbunden und sicherlich nur für Halter mit kleiner Tierzahl möglich.

Manche Geflügelhalter mit wenigen Tieren versuchen, ihre Hühner wie bisher zu halten oder sorgen nur für eine seitliche Begrenzung. Die Gefahr, von den Behörden kontrolliert zu werden oder eine Anzeige von aufgebrachten Anwohnern zu erhalten, ist dabei relativ groß. Die Bevölkerung ist durch die unverhältnismäßige Berichterstattung, bei der leicht das Gefühl aufkommen kann, die Menschheit ist einer unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt, verunsichert und unverhältnismäßig zu den wirklich bestehenden Risiken sensibilisiert. Eine Anzeige durch einen Spaziergänger kann dann leicht mit einer Strafe von 25 000 Euro enden.

Das Friedrich-Löffler-Institut auf Riems weist darauf hin, dass Impfungen für Hausgeflügel als Vorbeugemaßnahme nicht ausreichen. Ein möglicher Impfstoff ist erst noch im Entwicklungsverfahren und bietet zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider keine Lösung an.

Wer seine Tiere nicht in geschlossenen Gebäuden unterbringen kann, hat die Möglichkeit, selbsttätig ein Provisorium zu errichten, das vor dem Eintrag oder Eindringen von Kot, Federn oder Zugtieren zu den Seiten und von oben schützt. Das Überspannen bestehender Ausläufe mit einfachen Netzen reicht nach der Verordnung aber nicht aus. Die Abdeckung nach oben muss geschlossen sein, zu den Seiten reicht ein engmaschiger Draht (z.B. Kükendraht oder Fliegengitter). Provisorien zu errichten ist natürlich aufwendig und nicht jeder kann es sich leisten, zumal sie mindestens bis zum 15.12.2005 jedem Wetter standhalten müssen. Denkbare und erschwingliche Provisorien sind „Partyzelte“, die man in Baumärkten erwerben kann. Diese haben seitliche Wände und der Eintrag von oben wird ausreichend verhindert, so dass die Auflagen der Eilverordnung erfüllt sind. Allerdings muss man sich bewusst darüber sein, das diese Zelte den Tieren keinen Schutz vor Prädatoren bietet und ein nächtliches Einstallen nach wie vor notwendig ist, um sein Geflügel vor Räubern zu schützen. Zusätzlich müssen laut Verordnung die Haltung der Tiere innerhalb solcher „Provisorien“ bei der Behörde angezeigt und die Tiere einmal monatlich von einem Tierarzt klinisch untersucht werden.

Wo das Errichten von provisorischen Ställen nicht möglich ist, kann man die Behörden um das Erteilen einer Ausnahmegenehmigung ersuchen. Wird eine Genehmigung erteilt, muss Wassergeflügel (Enten, Gänse etc.) vom übrigen Geflügel (Huhn, Puten, Broiler, Wachteln, Laufvögel, Fasane etc.) getrennt gehalten werden und nach den Vorgaben der Veterinärbehörde, mindestens aber einmal monatlich, von einem Tierarzt klinisch untersucht werden. Dazu kommen nach der dritten Verordnung zur Änderung der Geflügelpestschutzverordnung vom 25.10.2005 serologische Untersuchungen auf den H5N1 Virus. Diese Untersuchung muss einmal bis zum 15.12.2005 in dem Bestand durchgeführt werden. Für eine Ausnahmegenehmigung können sich die Geflügelhalter an die örtlichen Veterinärämter wenden.

Informationen zur Geflügelgrippe erhält man zum Beispiel beim Landwirtschaftsministerium Schleswig Holstein, das bis auf weiteres einen telefonischen Informationsdienst im Lagezentrum eingerichtet hat, der unter der Rufnummer 0431-160 66 66 zu erreichen ist. Andere Landesregierungen wie in Niedersachsen, verweisen bei Fragen auf die zuständigen Veterinärbehörden der jeweiligen Landkreise.

Das BMVEL (Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft) hat unter anderem "die Pflichten des Tierhalters" im Internet bereitgestellt, die man sich unter dem folgenden Link ansehen kann:

http://www.verbraucherministerium.de/index-0006272C060F130B853C6521C0A8D816.html

Daneben sind auf der allgemeinen Homepage des BMVEL weitere Information zu erhalten.

Maren Bulheller

 

 

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