Orpington Enten - bescheiden und fleißig

 

Auf kurzen Beinen watschelt eine ungewöhnlich gelbe Ente durch ihr Gehege im Tierpark Arche Warder. Die Orpington Ente ist eine klassische Landente mit langem und breitem Körper, der aufgrund der kurzen Beine wie „tiefergelegt” wirkt – ein typisches Kennzeichen der alten Landentenrassen.

Außergewöhnlich ist die Farbe ihres Federkleides. Es ist ledergelb. Diese besondere Färbung vererbt sich bei Verpaarung zweier solcher Tiere allerdings nur zu 50 Prozent. Die übrigen Küken sind rein gelb oder gelb wildfarbig. Die geschätzte ledergelbe Färbung ist zudem nicht lichtbeständig. Züchter, die Orpingtons auf Ausstellungen präsentieren möchten, halten die Tiere in schattigen Ausläufen, um ein Verblassen des Federkleides zu verhindern.

Die Wiege der Orpington Ente stand in England, wo der Züchter William Cook gegen Ende des 19. Jahrhunderts vier Entenrassen planmäßig verkreuzte und damit eine neue schuf. Ebenso wie das Orpington Huhn, das Cook einige Jahre zuvor erzüchtet hatte, erhielt die neue Entenrasse den Namen seiner Farm „Orpington-House”. Cook’s Zuchtziel war eine Nutzente, in der eine gute Legeleistung mit einer ansprechenden Mastleistung kombiniert werden sollte. Zur Entstehung zog er die Rassen Aylesbury, Rouen, Cayuga und Pekingenten heran.

Die neue Ente, die William Cook in den Farbschlägen blau und ledergelb züchtete, verfügte über viele positive Eigenschaften: frohwüchsig, lebhaft, ausgesprochen wetterhart, robust und in der Futteraufnahme wohl eine der bescheidensten Entenrassen.

Um 1908 gelangten die ersten Orpington Enten nach Deutschland, wo sie sich dank ihrer guten Mast- und Legeleistung schnell verbreiteten. Orpingtons sind sehr frühreif und erreichen daher bald ihr Schlachtgewicht, das bei Masttieren um 5–6 kg liegen kann. Normalerweise sind die Erpel rund 3 kg, die Enten rund 2,5 kg schwer. Die gute Muskelfülle der mittelschweren Orpingtons bietet viel schmackhaftes Fleisch, das äußerst zart und saftig ist. Die Eier sind grünlich, man zählt jährlich zwischen 120 und 150 Stück. Orpingtons haben zwar keine große Brutlust, setzt die Ente sich jedoch, brütet sie gut.

Im Geschmack fast so wie Hühnereier waren die Eier der Orpingtons lange Zeit ein beliebtes Nahrungsmittel. Mit dem Auftreten von Salmonellen in Enteneiern und der daraus resultierenden „Verordnung über Enteneier” (1936) ging aber ein wichtiger Anreiz für die Haltung von Orpingtons und anderen Legeenten verloren. Bis in die 1990er Jahre reduzierte sich der Bestand der Orpingtons deutschlandweit auf 70 Tiere, verteilt auf ein halbes Dutzend Betriebe.

Das Zuchtbuch zeigt im Jahr 2000 mit 335 Enten und 134 Erpeln zwar einen leichten Anstieg, in der Roten Liste für bedrohte Haustierrassen wird die lebhafte und wetterharte Orpington Ente aber wohl noch eine ganze Weile in der Kategorie I (extrem gefährdet) geführt werden.

Susanne Kopte, Arche Warder,
März 2006