Das Ramelsloher Huhn - Kulturerbe Norddeutschlands

Das Ramelsloher Huhn war einst ein bedeutendes Nutztier in Deutschland. In Schriftwerken der Jahrhundertwende 1800/1900 wird es wegen seiner Bedeutung besonders hervorgehoben. Es hat sich für unsere Vorfahren folglich um eine Nutztierzüchtung gehandelt, die zur damaligen Zeit außergewöhnliche Eigenschaften hatte und deswegen geschätzt wurde. Im Vergleich zu anderen Rassehühnern wachsen sie sehr schnell und die Befiederung der Küken verläuft rasch. Ramelsloher haben eine zutrauliche Natur und einen hohen Aktivitätsgrad bei der Futtersuche, ihren wachsamen Instinkt gegenüber Raubvögeln haben sie behalten. Bei angemessener Fütterung weisen die Tiere zwar nicht die von der Geflügelindustrie aufgestellten Extreme in der Eier- und Fleischleistung auf, werden aber aufgrund ihrer angeborenen Vitalität und ihrer Resistenz gegen Krankheiten geschätzt. Kurz: Sie haben viele Eigenschaften die den heute verbreiteten Hybriden fehlen! Heute ist der noch lebende Bestand wertvoller historischer Zuchtarbeit bedroht. Die Rasse steht im höchsten Gefährdungsgrad der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.).

ramelsloher_hahn Basis der Züchtung sind Landhühner Norddeutschlands, vornehmlich aus Dörfern an der Unterelbe. 1874 wurde die Rasse erstmals vom Hamburger Reeder Wichmann vorgestellt. Namensgeber war der Ort Ramelsloh nahe Hamburg. Innerhalb der folgenden zwanzig Jahre nahm die Rasse am stetigen Aufschwung der Rassegeflügelzucht teil, bis das heutige Aussehen erreicht wurde. Die von den Nazis verfügte Beschränkung auf wenige Wirtschaftsrassen bei der bäuerlichen Hühnerhaltung, ließ die Ramelsloher zur Rarität werden. Im Nachkriegsdeutschland hielten nur noch wenige Züchter Ramelsloher. Der Fortbestand der Rasse in den Jahren 1975 bis 1985 hing am seidenen Faden. Dank der Jahrzehnte dauernden, unermüdlichen Arbeit von Alfred Schweitzer konnte die Rasse mit einer gesicherten Zuchtqualität für zukünftige Generationen erhalten werden.

In jüngster Zeit setzte ein erfreuliches Rückbesinnen auf ländliche Kleingeflügelhaltung ein, so dass vermehrt Ramelsloher mit dafür tauglichen Eigenschaften gesucht wurden.

Das derzeitige Drama um die Aufstallung als angebliche Vorsorge gegen die Vogelgrippe hat bereits jetzt wieder viel Porzellan zerschlagen und bedeutet einen großen Schritt rückwärts (bzw. vorwärts zu an den Käfig angepassten Lebensformen)! Tiere, die hervorragend an das Freiland angepasst sind, leiden stark unter den Stallbedingungen – sie müssen ihren Bewegungsdrang ausleben und entwickeln bei der Aufstallung schnell Verhaltensstörungen wie Federfressen oder Kannibalismus. 2006 gab es deutschlandweit bei 30 Haltern noch 136 Zuchttiere des weißen Farbschlags und 141 des gelben. Ein Aufwärtstrend erscheint wegen des Aufstallungsgebotes unwahrscheinlich. Im Gegenteil, es bewirkt sinkende Zahlen bei Großhuhnzüchtern. Bei Ausstellungszüchtern ist die weiße Farbgebung unbeliebt, da es zu schwierig ist, optisch saubere Tiere zu präsentieren. So sind die wenigen Halter meist Individualisten, die die Vorteile dieser Rasse erkennen und schätzen. Vorteile, die zukünftig wieder sehr gefragt sein könnten.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.ramelsloher-huhn.de oder bei Alfred Schweitzer,
Vorsitzender des Sondervereines,
Schloort 6,
32469 Petershagen


Thomas Jensen
Mathias Güthe, Juni 2007