PROVIEH und Wakker Dier ziehen gemeinsam gegen betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland zu Felde

Am 24. Juni 2008 wurde die niederländische Nutztierschutzorganisation Wakker Dier mit dem bronzenen Effie, dem prestigeträchtigsten Preis der Werbebranche, für die erfolgreiche Kampagne gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln in den Niederlanden ausgezeichnet.

Durch eine Reihe von medien- und publikumswirksamen Aktionen hatte Wakker Dier seit Anfang 2007 die niederländische Bevölkerung auf die gängige Praxis des Kastrierens ohne Betäubung von neugeborenen Ferkeln aufmerksam gemacht und durch diesen öffentlichen Druck sowie Briefaktionen die Supermarktketten, Fastfood-Unternehmen und Großhändler dazu bewegt, spätestens ab dem 1. Juli 2008 kein Fleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen mehr zu verkaufen. Diese Abmachung galt zunächst nicht für die fast vier Millionen männlichen Ferkel, die jedes Jahr lebend zur Mast exportiert werden (größtenteils nach Deutschland).

Nach der Effieverleihung und weiterem Druck durch die Ankündigung der gemeinsamen Kampagne mit PROVIEH versprachen die Ferkelexporteure inzwischen, noch vor Jahresende die Kastration ohne Betäubung für alle in den Niederlanden geborenen Ferkel zu beenden. McDonald`s verpflichtete sich sogar freiwillig, in den Niederlanden gar kein Fleisch von kastrierten Schweinen mehr zu verwenden, sondern auf Importfleisch aus Großbritannien umzusteigen, wo die Eber unkastriert gemästet werden („Ebermast“).

Gerade jetzt in der Grillsaison ist es wichtig, auf die Herkunft der Würstchen und Koteletts zu achten und Schweinefleisch zu vermeiden, das von unnötig gequälten Tieren stammt. Denn es gibt längst gangbare Alternativen, nicht nur in Großbritannien und den Niederlanden, sondern auch in Deutschland, wo der Verband Neuland inzwischen nur noch mit Betäubung kastriert.

Das Billigfleisch in den großen Supermarktketten und Fastfood-Restaurants in Deutschland stammt dagegen weiterhin fast ausschließlich aus Großmastanlagen, in denen diese überflüssige barbarische Praxis weiterhin ungerührt fortgesetzt wird. Auch für diese Ferkel würden Betäubung und Schmerzbehandlung nur 2,4 Cent pro Kilo Schweinefleisch kosten.

In Holland kann der Verbraucher auch in den großen Supermarktketten und Fastfood-Restaurants inzwischen Fleisch von gar nicht oder unter Betäubung kastrierten Schweinen kaufen. "Das ist Diskriminierung", sagen Wakker Dier und PROVIEH. "Die deutsche Fleischindustrie muss mehr für das Tierwohl tun. Und wenn Deutschland nachzieht, muss auch der Rest Europas folgen."

PROVIEH kämpft und ab sofort gemeinsam mit Wakker Dier dafür, dass auch hier in Deutschland künftig kein Schweinefleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen mehr verkauft wird – weder von importierten noch von deutschen Ferkeln. Unsere Nachbarn haben es vorgemacht - höchste Zeit für ein Verbot auch bei uns, wo jedes Jahr über 20 Millionen Ferkel dieser grausamen Prozedur unterzogen werden!

01.07.2008 - Sabine Ohm, Büro Brüssel

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