Europäisches Parlament spricht sich deutlich gegen das Klonen von Tieren aus

Das Europäische Parlament (EP) fasste am 3. September dieses Jahres den Beschluss, die Europäische Kommission aufzufordern, eine Gesetzesinitiative in Gang zu bringen, die das Klonen von Tieren in der Nahrungsmittelproduktion verbietet. Der Beschluss wurde mit der großen Mehrheit von 622 Fürstimmen angenommen, gegenüber je 25 Gegenstimmen und Enthaltungen.

Im Einzelnen fordert das EP die Kommission auf, Vorschläge für ein EU-weites Verbot von Nahrungsmitteln zu unterbreiten, die

  1. das Klonen von Tieren
  2. die Zucht von Klontieren und ihren Nachkommen
  3. die Vermarktung von Fleisch-oder Milchprodukten, die von Klontieren oder ihren Nachkommen stammen, und
  4. die Einfuhr von geklonter Tiere und ihrer Nachkommen sowie von Samen und Embryonen von Klontieren und ihren Nachkommen sowie von Fleisch-oder Milchprodukten, die von Klontieren oder ihren Nachkommen stammen, für die Lebensmittelversorgung verbieten.

Der Entschluss des EP betont, insbesondere die Wahrung des Tierschutzes und dem Wohlergehen der Tiere "in vollem Umfang Rechnung tragen" zu wollen. Dem vorausgegangen waren zwei dieses Jahr veröffentlichte Studien, die zu eher klon-befürwortenden Ergebnissen gekommen sind. Es handelt sich zum einen um eine US-amerikanische Studie sowie um die von der Kommission in Auftrag gegebene Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die Ergebnisse lassen befürchten, dass die Europäische Kommission sich der eher liberalen Meinung der Studien anschließen könnte und einen Gesetzesentwurf vorlegt, der Erzeugnisse geklonter Tiere in der Nahrungskette erlaubt. Um dies zu verhindern, bezog das Europäische Parlament nunmehr ablehnend Stellung zu diesem Thema.

Einzelne Abgeordnete, wie Elisabeth Jeggle, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vizepräsidentin der Intergroup "Animal Welfare" (Tierschutz) äußerten sich dabei deutlich. Solange für sie offene Fragen, die das Thema aufwerfe, nicht beantwortet seien, stehe sie der ganzen Sache eher kritisch gegenüber. Die Frage, ob das Klonen von Nutztieren für die Nahrungsversorgung des Menschen notwendig sei, könne sie mit einem deutlichen "Nein" beantworten. Auch mit der Nahrungsmittelkennzeichnung verbundene Probleme sprächen für ein Verbot des Klonens in diesem Bereich, denn abhängig von der Frage, bis zu welchem Verwandtschaftsgrad überhaupt von z.B. "Klonfleisch" gesprochen werden könne, wäre es schwer bis nahezu unmöglich, den Stammbaum des Tieres nach zu verfolgen.

Herr Dr. Sprenger von der Europäischen Kommission konnte sich dagegen nicht zu einem deutlichen Standpunkt bewegen lassen. Er betonte, dass die Ansicht des Parlamentes, die in Auftrag gegebenen Studien zu diesem Thema und auch die Meinungen der Öffentlichkeit ausgewertet werden müssten.

Die Haltung der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher ist allerdings eindeutig. So ergab eine Eurobarometer-Umfrage im Auftrag der Kommission, dass die europäischen Bürger dem Klonen von Tieren eher kritisch gegenüber stehen. Rund zwei Drittel der Befragten halten das Klonen für moralisch verwerflich (61 %). Ebenso viele befürchten, es könne die genetische Vielfalt von Nutztieren bedrohen (63 %). Mehr als die Hälfte (58 %) halten das Klonen von Tieren zur Lebensmittelherstellung auf gar keinen für Fall vertretbar, nur jeder Zehnte (9 %) findet nichts dabei. Acht von zehn Teilnehmern an der Umfrage merken an, dass die langfristigen Auswirkungen des Klonens noch nicht hinreichend erforscht seien und fordern deshalb weitere Studien zur Abschätzung der Risiken für den tierischen und menschlichen Organismus. Ebenso viele Befragte forderten für den Fall der Zulassung solcher Produkte in der EU eine besondere Kennzeichnungspflicht.

Die Kommission wird auf ihrer Homepage bald eine Möglichkeit zur Stellungnahme bieten, um auch die Meinung weiterer relevanter Akteure zu erfahren.

Selbstverständlich wird PROVIEH diese Gelegenheit nutzen und sich vehement gegen die Zulassung von geklonten Tieren für die Lebensmittelherstellung aussprechen.

24.09.2008 - Melanie Peters, Büro Brüssel

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