Blindverkostung zeigte: Verbraucher bevorzugen Eberfleisch!

18. Oktober 2010: Bei einer Massenblindverkostung von Ebersalami und konventioneller Salami in der Schweiz bevorzugte die Mehrheit die Salami aus unkastrierten männlichen Schweinen.

Die schweizerische Nutztierschutzorganisation KAG Freiland führte die Verkostung durch, um die Akzeptanz von Erzeugnissen aus Eberfleisch zu testen. In der Schweiz ist die chirurgische Kastration ohne Betäubung seit dem 1. Januar 2010 verboten. Alternativ darf unter Narkose kastriert werden, oder der Impfstoff "Improvac" eingesetzt werden, der die Entwicklung männlicher Geschlechtshormone verhindern soll.

Die Schweizer Tierschützer halten aber – genau wie PROVIEH – die Ebermast für die mit Abstand tierfreundlichste Methode. Deshalb versuchen sie die Vorurteile und den Widerstand der Einkäufer im Lebensmitteleinzelhandel, vor allem der großen Supermarktketten Migros und Coop, durch solche Aktionen zu überwinden (mehr dazu hier).

Auch PROVIEH setzt sich seit 2008 für die Einführung der Ebermast als beste Alternative ein. Nun veranstalten wir im Rahmen der Kampagne zur Abschaffung der Ferkelkastration am 21. Oktober zum ersten Mal eine öffentliche Verkostung unter dem Motto "Echte Kerle statt Kastraten".

Im Anschluss an einen Workshop zur Ferkelkastration, den die EU-Kommission im März 2010 in Brüssel veranstaltete und an dem auch PROVIEH teilnahm, wurde eine EU-Pilotgruppe ins Leben gerufen. In einer kleinen Arbeitsgruppe wird seit dem 2. September an dem Entwurf einer "Brüsseler Erklärung" gearbeitet – in Anlehnung an die niederländische "Erklärung von Noordwijk" und die deutsche "Düsseldorfer Erklärung", in denen alle Hauptakteure der Schweinefleischerzeugung und -vermarktung sich jeweils auf das Ziel der Abschaffung der Ferkelkastration festlegten (vgl. dazu PROVIEH-Magazin Heft 4/2008). Die Verhandlungen sind derzeit allerdings festgefahren: Der Europäische Bauern- und Genossenschaftsverband (Copa/Cogeca) weigert sich, ein konkretes Datum für den europaweiten Ausstieg aus der Ferkelkastration in die Erklärung aufzunehmen. Die als europäischer Tierschutzdachverband als einzige Tierschutzorganisation vertretene Eurogroup for Animals vertritt dagegen die Auffassung, 2015 sei als Ausstiegsfrist aus der Kastration angemessen; schließlich gäbe es jetzt schon mit der Immunokastration (Improvac) eine gangbare Alternative (mehr dazu hier).

PROVIEH ist über die Einreichung schriftlicher Vorschläge indirekt an der Ausarbeitung der "Brüsseler Erklärung" beteiligt. Auch wir gaben für die Sitzung am 13. Oktober als Datum zum Umstieg auf die Ebermast 2015 an. Allerdings ist unsere Argumentation eine andere: Die Entwicklung der elektronischen Nase ist schon sehr weit fortgeschritten, entgegen der Unkenrufe einiger unverbesserlicher Gegner der Ebermast, die offensichtlich nicht richtig informiert sind. Die Entwicklung des Analytikverfahrens und die Referenzdatenerhebung sind abgeschlossen. Da bei der Fettqualität Abweichungen durch unterschiedliche Fütterung der Tiere auftreten und dies zu unterschiedlichen Geruchsfreisetzungen führt, muss entweder etwas anderes als Fett als Gewebeprobe entnommen werden, oder die Variationen herausgerechnet werden.

Wir haben nach dem letzten Erkenntnisstand keinen Zweifel daran, dass die elektronische Nase noch in 2011 fertig gestellt und in die Prozesse im Schlachthaus eingepasst werden kann. Dann kann die Serienproduktion beginnen. Deshalb sehen wir wahrlich keinen Grund, die EU-Ausstiegsfrist später als 2015 zu setzen.

18.10.2010 - Sabine Ohm, Europareferentin