Ein Jahr Netzwerk "Bauerhöfe statt Agrarfabriken

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29.10.2010: Die gemeinsame Arbeit mit Bürgerinitiativen, Tier- und Umweltschützern für eine zukunftsfähige, artgerechte und nachhaltige Nutztierhaltung in bäuerlicher Landwirtschaft trägt Früchte. PROVIEH ist Mitbegründer des Netzwerks "Bauernhöfe statt Agrarfabriken". Es handelt sich dabei um einen im Herbst 2009 entstandenen bundesweiten Zusammenschluss aus Bürgerinitiativen gegen industrielle Tierhaltungsanlagen, Verbänden aus Umwelt- und Tierschutz, Vertretern aus dem kirchlichen Bereich und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Sprecher des Netzwerkes ist Eckehard Niemann von der AbL. Gemeinsam setzen wir uns engagiert und vernetzt gegen die Tierhaltung nach industriellen Maßstäben in Agrarfabriken ein. Ganz besondere Aufmerksamkeit in Sachen Tierfabriken gebührt dem Landkreis Emsland in Niedersachsen. Dort gibt es bereits heute über 30 Millionen Hähnchenmastplätze, die ca. 250 Millionen "Stück Schlachtvieh" pro Jahr produzieren (mehr dazu hier). Weitere Anträge für zehntausende Hühner- und Schweinemastplätze liegen vor – aber nun auf Eis. Die "Bürgerinitiative Bockhorst" konnte nämlich beim Genehmigungsverfahren für eine Anlage mit 84.000 Hähnchenmastplätzen im Oktober 2010 grandios punkten. Sie führte – bis dato einmalig in Deutschland – Beschwerde wegen fehlender Brandschutzmaßnahmen. Nach § 20 der niedersächsischen Bauordnung müssen nämlich »bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten« möglich sein. Nun müssen alle Antragsteller von großen Mastanlagen im Emsland künftig ein Brandschutzgutachten von einem unabhängigen Sachverständigen vorlegen. Dies ist die Leistung der BI Brockhorst, der wir herzlich gratulieren zu diesem Etappensieg. Es ist kaum anzunehmen, dass schon geplante geschweige denn die bestehenden Tierfabriken eine ordnungsgemäße Evakuierung der Nutztiere erlauben (bei Menschen i. d. R. max. 30 Minuten). Dies könnte das Ende der industriellen Massentierhaltung einläuten, zumindest aber für eine erhebliche Verkomplizierung und Verteuerung der Bauvorhaben sorgen, die Tierfabriken künftig unrentabel machen könnte.

Dieses Beispiel macht im Netzwerk bereits Schule. Das Netzwerkmitglied AbL hat in Mecklenburg-Vorpommern bereits entsprechendes gefordert, in anderen Bundesländern werden weitere Einsprüche folgen. Auch eine Anfrage an die Bundesregierung bezüglich der in Deutschland in den vergangenen Jahren bei Bränden verendeten Nutztiere wird in Kürze gestellt. Und PROVIEH hat diese Idee zur Einspruchmöglichkeit bereits an alle europäischen Netzwerkpartner in der European Coalition for Farm Animals (ECFA) zur Nachahmung weitergereicht. Seit der Verabschiedung des Vertrages von Lissabon im Dezember 2009 sind Tiere nämlich europaweit als fühlende Wesen anerkannt, was eine gute übergeordnete Rechtsgrundlage für ihren Schutz im Brandfall abgibt. Dies könnte den entscheidenden Durchbruch im Kampf gegen die gerade in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden sprießenden industriellen Massentierhaltungsanlagen bringen. Aber es geht uns im Netzwerk um mehr.

Das Netzwerk "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" fordert unter anderem:

  1. Vielfalt, Gerechtigkeit und Arbeitsplätze in ländlichen Regionen - Privilegien für industrielle Tierhaltung abschaffen
  2. Klima- und Tierschutz wirksam verbessern
  3. Kennzeichnung der Haltungsform auf tierischen Lebensmitteln
  4. Agrarsubventionen nur für höhere Standards im Tier- und Umweltschutz
  5. Überproduktion abbauen, Exportsubventionen streichen
  6. Heimische Futtermittel ohne Gentechnik

Wie schon bei der Grünen Woche 2010 in Berlin, wird auch zum Auftakt der Grünen Woche im kommenden Jahr eine Großdemonstration durchgeführt. Das wurde auf der Tagung des AgrarBündnisses in Hofgeismar am 21. Oktober 2010 beschlossen. Dabei wird das Netzwerk im Verbund mit PROVIEH und vielen Mitgliedern des AgrarBündnisses sowie Gentechnikgegnern und weiteren Vereinen und Verbänden aus Umwelt- und Naturschutz, ökologischer Landwirtschaft und dem Bereich solidarischer Entwicklungshilfe unter dem Motto "Wir haben es satt" für eine grundlegende EU-Agrarreform demonstrieren. Gemeinsam wollen wir der Öffentlichkeit klar machen, wie viel bei der laufenden Reform der Agrarpolitik auf dem Spiel steht. Wir wollen deutlich machen, wie weit die Bundesregierung davon entfernt ist, die Wünsche der Deutschen bezüglich Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz in der Landwirtschaftspolitik zu berücksichtigen. Einen Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration am 22. Januar 2011 in Berlin werden wir in Kürze hier auf der Homepage und in der kommenden Ausgabe unseres PROVIEH-Magazins veröffentlichen.

Das Positionspapier des Netzwerks ("Für eine zukunftsfähige und nachhaltige Nutztierhaltung auf bäuerlichen Betrieben – gegen Agrarfabriken!") steht Ihnen hier zum Herunterladen und Weiterverbreiten zur Verfügung.

Zur Startseite des Netzwerkes gelangen Sie hier.

Sabine Ohm, Europareferentin