Aufstallungsgebot in der Geflügelhaltung soll fallen

04.11.2010: Endlich soll die absurde, einst wegen der Vogelgrippe angeordnete Stallpflicht für Geflügel aufgehoben werden. Aus einem Bericht der Saarbrücker Zeitung vom 29. Oktober 2010 geht hervor, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) einen entsprechenden Entwurf zur Änderung der Geflügelpestverordnung ausgearbeitet hat (mehr dazu hier).

PROVIEH pocht bereits seit Jahren auf die Aufhebung des Aufstallungsgebotes, das "aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar ist", so der Vorsitzende Prof. Dr. Sievert Lorenzen. Er wies in einer seiner Arbeiten nach, dass diese Stallpflicht unsinnig war und ist. Denn die Vogelgrippe hat sich von Anfang an gar nicht durch Zug- und Wildvögel ausgebreitet, wie offiziell von der Bundesregierung und von der Forschungseinrichtung "Friedrich-Löffler-Institut" (FLI) immer wieder behauptet und von den Medien kolportiert wurde, sondern nachweislich durch den globalisierten Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten aus der Massentierhaltung. Das hatte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) bereits im Jahr 2007 für einen spektakulären Fall festgestellt (wir berichteten). Der Hauptzweck des Aufstallungsgebots kann nur gewesen sein, die Geflügelindustriellen auf Kosten der Freilandhalter vor Imageverlusten zu schützen und deren biounsicheren Anlagen als "biosicher" erscheinen zu lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass mehrere Vogelgrippediagnosen des FLI in den Jahren 2005-2009 wegen Verschmutzung von Proben von höchst zweifelhafter Natur und Qualität waren und dennoch zu tragischen Keulungen führten. Derartige Fehler gab man von offizieller Seite bis heute nicht zu. Vermutlich galt es den Verantwortlichen, das Gesicht zu wahren und die Versorgung des FLI mit Forschungsmitteln und Einfluss zu perpetuieren.

Für artgerecht haltende (Freiland-)Betriebe und robuste alte Rassen war die Stallpflicht sehr schädlich, eine echte Qual. Viel zu lange wurde die Aufhebung des Aufstallungsgebotes vom BMELV hinausgezögert – wohl vor allem aus Imagegründen. Im vorliegenden Entwurf zur Aufhebung des Aufstallungsgebots wird den Behörden, wie die Presseagentur dpa meldete, "die Möglichkeit eingeräumt, bei Gefahr im Verzug die Stallpflicht wieder anzuordnen" – ein weiteres Feigenblatt zur Verschleierung der kapitalen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen in Sachen Vogelgrippe seitens der Behörden und des FLI.

Wir freuen uns aber trotzdem gemeinsam mit den Freiland-Geflügelhaltern, dass endlich wieder Normalität einkehrt, und hoffen, dass die Entscheider zumindest insgeheim begriffen haben, dass sie sich künftig besser auf unabhängigen wissenschaftlichen Rat verlassen sollten. In keinem anderen EU-Land wurden derart drakonische Maßnahmen gegen die Freilandhalter wie in Deutschland verhängt – ein Schelm, wer Böses dabei denkt?!

Sabine Ohm, Europareferentin