Schlachthof in Bad Bramstedt wieder geöffnet

01.04.2014: Bereits am 26. Februar 2014 berichtete PROVIEH von einer Großrazzia auf dem von VION geführten Schlachthof in Bad Bramstedt. Hierbei wurden zahlreiche Beweismaterialien von den 250 beteiligten Beamten sichergestellt. Mittlerweile erkennen nahezu alle Politiker schwere Versäumnisse auf dem Schlachthof an.  Rund fünf Wochen wurde der Schlachthof stillgelegt. Nun wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

In Bad Bramstedt werden jährlich 120.000 Tiere geschlachtet. Damit ist das Unternehmen einer der größten Schlachthöfe Norddeutschlands. Rund fünf Wochen ruhte der Betrieb, unter anderem wegen des Vorwurfs der Tierquälerei. Dem Agrarminister Robert Habeck (Grüne) zufolge wurden Rinderköpfe mit mehreren Einschüssen des Bolzenschussgerätes gefunden. Außerdem gibt es auch „Köpfe ohne Einschusslöcher“. Diese Rinder wurden höchstwahrscheinlich nur ungenügend betäubt. Des Weiteren wurden offensichtlich kranke Tiere ebenfalls weiterverarbeitet, obwohl dies rechtlich nicht gestattet ist.

Mängel wurden ignoriert

Der zuständige Kreisveterinär Kurt Warlies wird in den Lübecker Nachrichten wie folgt zitiert: „Ich weigere mich zu sagen, dass etwas schief gelaufen ist.“ Zugleich gibt er jedoch zu, dass bei VION bereits im Januar 2013 eine Mängelliste erstellt wurde, woraufhin der Schlachthof stärker überprüft wurde. Der Informant, der die aktuelle Untersuchung ins Rollen gebracht hatte, soll sich erst an die Landesebene gewandt haben, nachdem Warlies keinerlei Mängel festgestellt haben wollte.
Auch 2010 hatte sich bereits ein Schlachthofmitarbeiter bei dem Grünen Kreispolitiker Jürgen Kaldewey über Missstände in Bad Bramstedt beklagt.

Am 13. März hat sich der Innen- und Rechtsausschuss sowie der Agrar- und Umweltausschuss in einer nicht öffentlichen Sitzung mit dem Schlachthof auseinandergesetzt. Dort müssen erschreckende Bilder und Beweise vorgelegt worden sein, denn selbst Vertreter einer baldigen Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs in Bad Bramstedt sind damals zurückgerudert. Zu diesen Befürwortern gehörten neben dem CDU-Agrarpolitiker Heiner Rickers auch die politisch unter Druck geratene Segeberger Landrätin Jutta Hartwieg (SPD). Sie ist die Dienstherrin der Amtstierärzte, die den Schlachthof in Bad Bramstedt kontrollierten. In der Sitzung räumte sie sogar ein, dass es 2013 mehrere Beanstandungen gab. Warum sie daraufhin nicht reagiert hat, bleibt allerdings unklar.

Sorge um Arbeitsplätze

Am 10. März versammelten sich 200 Mitarbeiter von VION sowie Spediteure zu einer Demonstration in Kiel. Sie führten Plakate mit der Aufschrift: „Grüne verstehen nichts von Landwirtschaft“ und „Wollen die Grünen, dass wir nur noch Gras fressen“ mit sich. Minister Habeck zeigte sich bezüglich der Ängste der Demonstranten verständnisvoll, mahnte aber auch an: „Das kann nicht dazu führen, dass wir Recht und Gesetz missachten.“
Außerdem sagte der Agrarminister: „Wenn man will, dass Tiere gut gehalten und Umweltstandards erfüllt werden und Bauern ihr Auskommen haben, wenn man will, dass auf Schlachthöfen gute Bedingungen herrschen und Tiere nicht über Gebühr leiden, dann muss man sich klar darüber sein, dass es dies alles nicht im Sonderangebot gibt. Bei Tierschutz darf es keinen Rabatt geben – in doppelter Hinsicht nicht.“

Unter Auflagen darf der Schlachthofbetrieb wieder aufgenommen werden

Erst als die Wiederaufnahme des Schlachthofbetriebs sehr fraglich schien und VION zeitweise Gefahr lief, den Schlachthof für immer aufgeben zu müssen, lenkte der internationale Nahrungsmittelkonzern ein. VION kündigte an, dass in Zukunft eine Tierärztin den Betäubungsvorgang mit dem Bolzenschussgerät überwachen werde. Zudem solle bis zum Juni eine neue Betäubungsanlage für die Rinder sowie eine Videoüberwachung installiert werden. Insgesamt hat das Unternehmen einen Katalog von 40 Maßnahmen vorgelegt, die schnellstmöglich umgesetzt werden sollen. Darunter fällt auch die Modernisierung der Lüftungssysteme, der Kühltechnik und der Hygieneschleusen. Außerdem sollen die Mitarbeiter zusätzlich geschult werden. Unter diesen Auflagen durfte der Schlachthofbetrieb am 31.03.2014 wieder aufgenommen werden.
Bis alle Auflagen erfüllt sind, wird die Schlachtgeschwindigkeit deutlich verlangsamt. Es dürfen nur 45 statt 70 Rinder pro Stunde geschlachtet werden.
Doch nicht nur im Schlachthof selbst, auch auf Seiten der Behörden wird sich einiges verändern. "Ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Kreisveterinäramt ist angebracht", sagte Minister Habeck. "An irgendeiner Stelle muss die Informationskette gerissen sein." Deshalb bekommt das Kreisveterinäramt einen Kontrolleur (Veterinär Hubertus Bölling), der der Landrätin direkt unterstellt ist und auch das Ministerium selbst will Kontrollen durchführen.

Wenn im Schlachthof alle Auflagen ordnungsgemäß und verantwortungsvoll erfüllt werden, unterstützt PROVIEH die Wiedereröffnung. Mängel, unsachgemäße Schlachtungen und Tierquälerei dürfen keinesfalls in Kauf genommen werden. Der Schlachthof in Bad Bramstedt gehört zu den größten Anlagen in Norddeutschland; würde er geschlossen werden, müssten die Schlachttiere noch weiteres Leid in Kauf nehmen, da sie dann über wesentlich längere Strecken transportiert werden müssten.


Christian Mädler


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