Skandale statt Jubiläum: Gütesiegel am Pranger

14.08.2014: Recherchen des NDR und der Organisation Animals Equality deckten auf, dass die EDEKA im 25. Jubiläumsjahr den Gutfleisch-Versprechen nicht gerecht wird. Gegen den 1988 gegründeten Neuland e.V. wird nach einer ZEIT-Recherche inzwischen wegen Betrugs ermittelt.

Am 6. und 7. August 2014 veröffentlichte die Norddeutsche Rundfunkanstalt (NDR) zwei Berichte mit zum Teil erschütternden Videoaufnahmen (s. unten). Die lassen große Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit und Kontrollsicherheit der Eigenmarke Gutfleisch der EDEKA Nord aufkommen. Offenbar werden die Gutfleisch-Waren den Anforderungen bezüglich Tierschutzansprüchen, Qualität, Sicherheit und Transparenz nicht gerecht.

Seit der am 16. April 2014 veröffentlichten ZEIT-Recherche steht auch Neuland unter einem schlimmen Verdacht: „Statt Edel-Hähnchen hat der Hauptlieferant hunderttausendfach übles Massenvieh verkauft“, schrieb das Wochenblatt. Selbst lange nach dem Aufkommen von Verdachtsmomenten habe Neuland dem Betrug kein Ende gesetzt.

Weitere Ermittlungen der ZEIT deckten Anfang Juni 2014 auf, dass  Neuland-Kunden auch in Süddeutschland jahrelang betrogen wurden: Ihnen wurden konventionell gemästetes Geflügel teuer als Neuland-Hühner verkauft, die aus Frankreich importiert und umetikettiert wurden. Auch Lammfleisch wurde teuer als Neuland-Produkt verkauft, obwohl die Lämmer aus einem Betrieb stammten, der zuvor bei der Zertifizierung durchgefallen war.

Trotz der ersten Ankündigung über den Lizenzentzug für die verantwortliche Vermarktungsgesellschaft „Neuland-Süd“ beschlossen der Neuland-Vorstand und die Trägergesellschaften des Vereins – der Deutsche Tierschutzbund, der BUND und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – weiterhin mit dem zuständigen Geschäftsführer, Matthias Minister, zusammenzuarbeiten. Der sieht laut Zeitungsberichten nur einen Kennzeichnungsfehler und keinen Betrug in der massenhaften falschen Etikettierung von unzertifiziertem Fleisch als Neulandware, die dem Vertrauen in das Marken-Programm schwer geschadet hat. PROVIEH sah sich gezwungen, die Bewertung von Neuland in seiner Einkaufshilfe aus diesen Gründen bis auf weiteres zu streichen.

Die Verantwortlichen täten deshalb gut daran, zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit umfassende Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, rigorose personelle Konsequenzen zu ziehen und die strukturellen Probleme umgehend zu lösen, die die Verstöße ermöglichten. Dabei sind insbesondere die Kontrollsysteme erheblich zu verbessern, um künftigen Betrügereien vorzubeugen oder ihnen schnell auf die Spur zu kommen (siehe dazu auch PROVIEH Magazin 2/2014). Denn um isolierte schwarze Schafe scheint es sich bisher in keinem der Fälle gehandelt zu haben, ganz wie beim Eier-Skandal im letzten Jahr.

Sabine Ohm

Foto: © Lebensmittelfotos/ www.pixabay.de


Quellen und weiterführende Informationen:

Über Gutfleisch / EDEKA Nord

Über Neuland e.V.

Über den Eierskandal 2013

PROVIEH-Magazin 2/2014 (ab S. 9)