Schmutziges Millionengeschäft:

Stuten leiden für Hormonpräparate der Pharmaindustrie

09.12.2015: Weltweit werden tausende tragende Stuten von der Pharmaindustrie gequält. Aus ihrem Urin werden Hormone, sogenannte „konjugierte Östrogene“, zur Behandlung von Beschwerden in und nach den Wechseljahren gewonnen.

Dabei sind wirksame Medikamente ohne Stutenurin und diverse alternative Behandlungsmöglichkeiten mit bioidentischen Hormonen sowie pflanzliche und homöopathische Alternativen längst auf dem Markt verfügbar. Trotzdem leiden seit Jahrzehnten Pferde für die Herstellung von Östrogenpräparaten.

Foto: PETA USA

Die PMU-Farmen

PMU steht für Pregnant Mare Urin (Urin trächtiger Stuten). Zwischen dem dritten und neunten Monat der elfmonatigen Trächtigkeit enthält der Urin der Stuten besonders viele Östrogene. In dieser Zeit werden die PMU-Stuten – oft Kreuzungen aus den Rassen Belgier und Quarter Horse – in sogenannten Ständern angebunden. Das sind kleine schmale Stallabteile von etwa eineinhalb Metern Breite und zwei Metern Länge. Zum Vergleich: in Deutschland wird für die Haltung von Pferden dieser Größe ein Mindestmaß von elf Quadratmetern gefordert. Die Anbindehaltung ist untersagt. Ein Gummi-Sammelbehälter wird direkt an der Vulva jeder Stute befestigt und fängt permanent den Urin auf. Der Urin fließt über einen Schlauch in einen Plastikkanister. Damit der Sammelbehälter nicht verrutscht, werden die Tiere in den engen Ständern fixiert. Um die Hormonkonzentration im Urin zu erhöhen, erhalten die Stuten nur rationiert Trinkwasser, häufig in viel zu geringen Mengen.

Extreme Enge

Die Tiere können nur ein bis zwei Schritte vor und zurück machen. Ein entspanntes Abliegen in Seitenlage ist für die werdenden Mütter nicht möglich. Auf vielen Stutenfarmen müssen die Pferde während der gesamten Sammelzeit, also bis zu sechs Monate, permanent in den Ständern stehen. Die Urinsammmelvorrichtungen verursachen Entzündungen, Scheuerstellen und offene Verletzungen. Durch das für die Lauftiere ungewohnte dauerhafte Stehen werden besonders die Beine überlastet. Deshalb leiden viele Stuten unter starken Schmerzen, bis hin zu arthritischen Knochenveränderungen.

Fohlen als „Nebenprodukte“

Gegen Ende der Trächtigkeit sinkt der Östrogenspiegel im Urin und die Stuten werden zum Abfohlen auf die Weide entlassen. Die Fohlen gelten als „Ausschussprodukte“ und werden häufig viel zu früh von ihren Müttern getrennt. Optimal ist eine Säugezeit von mindestens sechs Monaten. Auf den Farmen ist es üblich, dass die Fohlen bereits nach 90 Tagen von den Müttern „abgesetzt“ werden. Wenn sie Glück haben, werden sie als zukünftige Reitpferde verkauft, aber häufig gehen sie zur Mast und anschließenden Schlachtung. Ein Teil der Stutfohlen wird aufgezogen und ersetzt die bedauernswerten Mutterstuten, die nicht mehr trächtig geworden oder zu krank und schwach sind.

Seit 1942 sind Hormonpräparate aus Stutenurin wie „Premarin“ auf dem Markt, obwohl die gleichsame Wirksamkeit von pflanzlichen Substanzen und diverse alternative Behandlungswege schon lange Jahre bekannt sind. Seitdem machen Pharmakonzerne Milliardenumsätze.

Als 2002 bekannt wurde, dass das Medikament „Premarin“ das Risiko für Krebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Frauen erheblich erhöht, brach die Nachfrage zunächst ein. 2012 wurde zudem festgestellt, dass durch die Einnahme von PMU-Präparaten Brustkrebs gefördert werden kann.

Der Niedergang der kanadischen und amerikanischen PMU-Farmen bis 2012 mit ursprünglich 50.000 dort gehaltenen Stuten auf heute höchstens noch 4.000 Tiere scheint also eine Reaktion auf die Forschungsergebnisse zu sein. Weit gefehlt! Heimlich, still und leise wurde die Produktion ausgelagert, dorthin wo die gesetzlichen Vorgaben lockerer sind und es weniger Inspektoren gibt. Die Pharmakonzerne haben beim Verwischen der Spuren zu den neuen „Produktionsstätten“ gute Arbeit geleistet. Unsere Recherchen deuten darauf hin, dass die Stuten nun in China und eventuell in Kasachstan und Polen leiden müssen. Allein in China soll es 90.000 PMU-Stuten geben.

Nach wie vor werden PMU-Produkte weltweit verkauft.

Ganz geschickt hat der Patentinhaber dieses Wirkstoffes Pfizer, zweitgrößter Pharmakonzern der Welt, auf die Bedenken der Öffentlichkeit reagiert und ist dank eines neuen Medikaments wieder gut im PMU-Geschäft. „Duavive“ (in den USA „Duavee“) heißt das „Zaubermittel“, das zusätzlich zu Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen auch noch Osteoporose verhindern soll. In Wahrheit handelt es sich aber lediglich um ein genauso zusammengesetztes PMU-Medikament wie Premarin. Hinzugefügt ist hier allerdings der Wirkstoff Bazedoxifen Dieser soll die möglichen negativen Nebenwirkungen von „Premarin“ blockieren.

Zudem bietet Pfizer in Deutschland nun das PMU-haltige Präparat „Climopax“ an. Durch Auslauf  der Pfizer-Patente haben auch andere Pharmafirmen wie Abbott und Mylan Healthcare GmbH die Möglichkeit ganz ähnliche pmu-haltige Medikamente (in Deutschland „Presomen“) zu vertreiben. Online-Anbieter verkaufen das „gute alte“ Premarin sogar rezeptfrei.

Für die Pharmaindustrie lohnt sich das Geschäft mit dem Stutenurin also nach wie vor.

PROVIEH appelliert an alle Frauen PMU-freie Produkte zu nutzen und die Einnahme solcher Hormonpräparate generell kritisch zu hinterfragen.

Ärzte und Apotheker werden aufgefordert Patienten-Aufklärung zu leisten und keine Medikamente auf PMU-Basis zu verordnen!

Wir fordern das Ende dieser absurden Tierquälerei und die Schließung aller PMU-Stutenfarmen.

Das können Sie tun!

Verzichten Sie auf PMU-haltige Medikamente, die auf dem Beipackzettel als „konjugierte Östrogene“ bezeichnet werden und bitten Sie Ihren Arzt solche Medikamente nicht weiter zu verschreiben. Klären Sie Ihre Freunde und Bekannten über dieses Thema auf. PROVIEH bietet Ihnen zu diesem Zwecke ein handliches Infoblatt zum Selbstausdrucken an: www.provieh/stutenurin/infoblatt

Schreiben Sie an Pfizer und die anderen  Pharmaunternehmen und erkundigen Sie sich nach den Haltungsbedingungen der PMU-Stuten. Bringen Sie Ihre Bestürzung über die Umstände der Stutenuringewinnung zum Ausdruck. Kopieren Sie einfach die Textvorlage auf www.provieh/stutenurin/protestbrief in Ihre E-Mails an folgende Adressen:

Pfizer Deutschland GmbH

Linkstraße 10

10785 Berlin

info@pfizer.de

Abbott GmbH & Co. KG

Max-Planck-Ring 2

65205 Wies­baden

abbott.arzneimittel@abbott.com

 

Mylan Healthcare GmbH

Freundallee 9A

30173 Hannover

Postfach: 332

mylan.healthcare@mylan.com

Der Amerikanische Verein Equine Advocates rät allen Verbrauchern zu einem Boykott sämtlicher Medikamente von Pfizer. Weitere Infos  zum Thema finden Sie unter http://www.equineadvocates.org/issues.php

Unsere Recherchen zeigten uns, dass es zahlreiche andere Möglichkeiten gibt, Wechseljahresbeschwerden und anderen hormonell bedingten Beschwerden zu begegnen. Wir fanden sogar eine Studie, die deren Existenz anzweifelt. Hilfreiche Informationen zu dieser Thematik erhalten Sie zum Beispiel bei der Hormonselbsthilfe, Tel: 09126/2749270; info@hormonhilfen.de, www.hormonselbsthilfe.de und dort  mit Klick auf „Berater“ Ansprechpartner in Ihrer Nähe.

Kathrin Kofent