Symposium "Tiergerechte Haltung von Legehennen"

01.07.2009: Auf Einladung des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland Pfalz fand am 29. Juni 2009 ein lebhafter Austausch über die tiergerechte Haltung von Legehennen, Entwicklungen der Haltungssysteme und die Rolle des Marktes und der Verbraucher statt.

Frau Ministerin Conrad eröffnete die gut besuchte Veranstaltung im Kurfürstlichen Schloss in Mainz mit den Worten, das Land Rheinland Pfalz nehme es sehr ernst, ein Verbot der sog. Kleingruppenhaltung durchzusetzen. Eine erfolgreiche Abschaffung der Käfighaltung durch die Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht stehe symbolhaft dafür, wie und wo sich unsere Verantwortung für die Mitgeschöpfe in der Nutztierhaltung ausdrücke. Eine Verantwortung sieht die Ministerin auch gegenüber den Käfighaltern, die bereits nach der alten Rechtslage auf Alternative Haltungssysteme umgestellt hätten und mit der Zulassung der Kleingruppenhaltung benachteiligt wurden. Diejenigen Hennenhalter, die auf Fristverlängerungen setzten oder auf die Zulassung von neuen Formen der Käfighaltung, würden mit der aktuellen Gesetzgebung bestärkt. Das könne nicht im Interesse einer ernst zu nehmenden Politik sein.

Der Markt zeigt, so führte Horst Lang von der Globus SB-Warenhaus Holding aus, dass sich die Umstellung auf Alternative Haltungssysteme lohnt. Denn darin seien sich über dreiviertel des Lebensmitteleinzelhandels einig: Die Käfigeier verschwinden nach 2009, spätestens 2010, aus den Regalen der Supermärkte. Leider könnten noch nicht genügend Eiererzeuger aus Deutschland die benötigten Mengen an Eiern aus Boden- und Freilandhaltung liefern. 20% - 40% der Eier aus Alternativhaltungen werden aus dem Ausland, vor allem aus den Niederlanden, nach Deutschland importiert. Die Geflügelwirtschaft hat sich mit ihrer massiven Haltung „Pro Käfig“ damit ein Eigentor geschossen, der Selbstversorgungsgrad in Deutschland sinkt, die Wertschöpfung findet damit nicht im eigenen Land statt. Eier aus Alternativhaltungen sind für den Handel besonders interessant, die Gewinnmargen liegen deutlich höher als bei Käfigeiern, wie Prof. Dr. Bernhard Hörning vorrechnete. Als nächsten Schritt kündigte Horst Lang Umstellungen bei den Verarbeitern von Eiprodukten an. Um die Erzeugung von Boden- und Freilandeiern wirtschaftlicher zu gestalten, müsste auch der Markt für die Nebenprodukte von verkaufsfähigen Schaleneiern aufgebaut werden.

Prof. Hörning von der Fachhochschule Eberswalde erläuterte eindrücklich, wie alternative Haltungssysteme aussehen und welch massiven Verhaltenseinschränkungen die Legehennen in den neuen Kleingruppenkäfigen ausgesetzt sind. Er zeigte einen Werbefilm des Käfigherstellers Big Dutchman, der trotz beschönigender Darstellung die drangvolle Enge und die ständige Unruhe deutlich machte, sowie die vergeblichen Versuche, auf Plastikmatten das tägliche Sandbad zur Körperpflege einzunehmen. Wie duschen ohne Wasser, so hat man sich das Pseudo-Sandbad in den neuen Käfigen vorzustellen, das Bedürfnis nach Sauberkeit bleibt unbefriedigt.

Warum nicht von den Nachbarn lernen? Hans Oester aus der Schweiz, Leiter des Zentrums für tiergerechte Haltung, Geflügel und Kaninchen Zollikofen/CH erläuterte die zahlreichen Entwicklungen verschiedenster Käfigtypen in der Schweiz in den 70er und 80er Jahren. Allesamt wurden sie von der Prüfstelle für Stalleinrichtungen für untauglich erachtet. Dieses Prüfverfahren verhindert sowohl die Verbreitung von nicht tiergerechten Haltungssystem und stellt auch für den Tierhalter eine wertvolle Entscheidungshilfe dar und damit einen gewissen Schutz vor Fehlinvestitionen. Die Legehennenhaltung in der Schweiz zeigt völlig andere Strukturen als in Deutschland, die Herden sind viel kleiner: Über 12000 Halter halten weniger als 200 Legehennen, lediglich 100 Halter haben über 4000 Legehennen. Gleichzeitig gibt es laufende staatliche Förderung für artgemäße Legehennehaltung. Mit 280 Franken je 100 Legehennen jährlich wird „Besonders tiergerechte Haltung“ (BTS-Programm) gefördert, Freilandhaltung wird mit 560 SFr pro 100 Hennen jährlich honoriert (RAUS-Programm). So ist eine artgemäße Haltung noch leichter auch gegenüber dem Legehennenhalter kommunizierbar. Dazu kommt, dass Schweizer Verbraucher bereit sind, deutlich höhere Preise (46 Rappen) für ein Schweizer Ei zu zahlen als für Importeier, die sie für fast den halben Preis bekämen. Damit liegt der Selbstversorgungsgrad für Schaleneier in der Schweiz bei 72%. Davon können deutsche Eierzeuger bisher nur träumen.

Als Vertreter der Geflügelwirtschaft Rheinland Pfalz stellte Guido Andres die Vorzüglichkeit der Kleingruppenhaltung in seinem Vortrag dar. Alleine die Überzeugungskraft ließ dabei zu wünschen übrig. Ein Großteil der Argumente war durch die Vorträge der Vorredner weitgehend entkräftet. Es wurde deutlich, dass Herr Andres eher für seine Kollegen sprach, die vor allem aus baulichen Gründen und aufgrund der schwierigen Genehmigungslage den Ausweg in die sog. Kleingruppenhaltung suchen, er selbst präferierte die Bodenhaltung, als in seinem Betrieb mit 100.000 Legehennen das Ende der Käfighaltung anstand. Eine Entscheidung, die er offensichtlich nicht bereute.

Fazit der Veranstaltung: Ein Ausstieg aus der Käfighaltung ist sowohl ethisch wie auch ökonomisch die einzig sinnvolle Entscheidung. Sowohl Handel als auch Verbraucher fordern und unterstützen diese Entwicklung. Gleichzeitig sollte die Umstellung der Legehennenhalter durch Förderung und Beratung in artgemäße Haltungsformen vorangetrieben werden. Jetzt sollten die guten Chancen zur Umkehr von zentralisierten Großhaltungen zurück zu bäuerlichen Legehennenhaltungen als Einkommensalternative für landwirtschaftliche Betriebe genutzt werden.

Iris Weiland, Fachreferat Witzenhausen

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