Umstellung auf alternative Hühnerhaltungsformen verläuft zu langsam in Deutschland

Netto, Norma und Penny (REWE) verkaufen angesichts unzureichendem Angebot von Eiern aus Boden- und Freilandhaltung weiter Käfigeier zu Schleuderpreisen.

Das von Tierschützern schwer erkämpfte endgültige Aus für die Batteriekäfighaltung trat in Deutschland zum Jahresbeginn 2010 vollständig in Kraft, da nun hierzulande auch keine Ausnahmegenehmigungen mehr zulässig sind (für 2009 wurden sie noch mehr als großzügig vergeben).

Trotz der langen Ankündigung fehlen nun Eier aus alternativen Haltungsformen auf dem deutschen Markt, da die Käfigbarone die Umstellung verschlafen haben. Dabei wurde die entsprechende EU-Richtlinie schon 1999 verabschiedet (letzt mögliches Umsetzungsdatum für Mitgliedsstaaten ist 2012).

Unter Rot-Grün war ursprünglich für Deutschland sogar der Ausstieg für 2006 beschlossen worden, was später von der Großen Koalition auf Druck des Bauernverbandes und der CDU auf 2009 verschoben wurde. Der Schritt war also lange absehbar. Trotzdem klagen viele Eierproduzenten weiter über organisatorische Schwierigkeiten, Lieferengpässe sowie Schwierigkeiten beim Umbau der Ställe und wollen eine weitere Verlängerung der Frist. Wilhelm Hoffrogge, Präsident des niedersächsischen Landesverbandes der Geflügelwirtschaft, ließ Anfang 2010 gegenüber der deutschen Presse verlauten, dass es noch eine ganze Reihe von Betrieben in der Umstellungsphase gäbe, so dass selbige noch mindestens ein halbes Jahr dauern werde.

Das Käfigelend geht vorerst weiter

Die meisten Handelsketten gaben inzwischen ihren Ausstieg aus dem Verkauf von Käfigeiern bekannt. PROVIEH engagiert sich seit vielen Jahren gegen die Käfighaltung (mehr dazu hier). Auch im Rahmen des jüngsten Tierschutzbündnisses, “Deutschland wird käfigfrei“, arbeitet PROVIEH weiter tatkräftig und zielstrebig darauf hin, dass Käfigeier in Deutschland bald der Vergangenheit angehören.

Der Lebensmitteleinzelhandel will künftig auch dank des Drucks aus Tierschutzkreisen ganz bewusst nicht nur auf Importe von traditionellen Käfigeiern aus Legebatterien im Ausland verzichten, sondern auch auf Käfigeier aus den in Deutschland noch zulässigen sogenannten “Kleingruppenhaltungen“. Dabei handelt es sich um größere Käfige mit bis zu 28 Legehennen auf 2,5 Quadratmetern, so dass den Tieren kaum mehr Platz pro Kopf als in den herkömmlichen Legebatterien zur Verfügung steht. Zudem werden durch die “Ausgestaltung” (z. B. mit etwas Sägemehl) zwar ihre natürlichen Triebe (wie Sandbaden) stimuliert. Diese können sie dann aber nur völlig unzureichend ausleben. Das frustriert.

Unter diesen Platz- und Lebensverhältnissen werden die Hennen aggressiv und greifen sich gegenseitig unnatürlich häufig und stark an, ohne dass es genügend Rückzugsmöglichkeiten für rangniedrigere Hennen gäbe. So kommt es zu Verletzungen und erhöhten Todesraten durch Federpicken und Kannibalismus. Um dies zu minimieren, werden die Tiere ganztags in absolut schummrigem Dämmerlicht gehalten - weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Luxzahlen!

Daher ist es so wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher darauf achten, niemals Eier mit einer 3 zu kaufen. Aber auch die Supermärkte sind in der Pflicht, die getroffenen Vereinbarungen endlich ernsthaft einzuhalten. Stattdessen berufen sich einige schwarze Schafe wie Netto, NORMA und Penny (REWE Gruppe) immer wieder auf Lieferengpässe. So machen sie denjenigen, die sich rechtzeitig um alternative Lieferanten gekümmert haben, unfair Konkurrenz mit spottbilligen Käfigeierangeboten, zum Teil bunt bemalt und ohne deutliche Kennzeichnung der Käfigherkunft. Dieses Geschäftsgebaren ist ganz und gar unmoralisch und wird von PROVIEH verurteilt.

Schreiben auch Sie Protestbriefe an Netto, NORMA und Penny oder drucken Sie ihn aus und geben ihn einfach vor Ort in der entsprechenden Filiale ab.

28.01.2010 - Sabine Ohm, Europareferentin

An die
Geschäftsleitung
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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich finde es empörend, dass Ihre Supermarktkette immer noch mit Billigstangeboten von Frischeiern aus Käfighaltung wirbt, nachdem hinreichend bekannt ist, unter welch tierquälerischen Umständen diese Käfigeier erzeugt wurden und sich Ihr Unternehmen bereits zum Ausstieg bekannt hat.

Wenn Sie sich schon nicht rechtzeitig um alternative Lieferquellen bemüht haben, sollten Sie wenigstens darauf verzichten, sich gegenüber denjenigen Unternehmen, die sich diesbezüglich vorbildlich verhalten haben, auch noch unlauterer Wettbewerbsmethoden zu bedienen.

Derartiges Geschäftsgebaren ist abstoßend und lässt mich als Kunden nachdenklich werden, ob ich künftig überhaupt noch irgendetwas bei Ihnen einkaufen soll.

Mit freundlichen Grüßen

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