Ursache noch unbekannt: Kälber sterben an „Blutschwitzen“

Seit zwei Jahren sterben Kälber in Deutschland an unstillbaren Blutungen.
Man geht heute von ca. 150 verbluteten Kälbern in Deutschland aus, davon wurden alleine 110 in Bayern festgestellt. Pro Woche werden es 2 bis drei tote Kälber mehr.

Auch in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und in Belgien sind Fälle erkrankter Kälbchen bekannt. Nach Angaben von Fr. Dr. Kappe vom Tiergesundheitsdienst Bayern (TGD) sei mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, da die Krankheit noch nicht meldepflichtig sei. Bereits im Frühjahr 2007 waren erste Einzelfälle bekannt geworden, in den vergangenen Monaten hatten sich die Todesfälle gehäuft.

Die Blutungen treten nicht nur äußerlich durch die Haut, an Maulschleimhäuten oder Lidrändern auf, bei pathologischen Untersuchungen konnte immer wieder festgestellt werden, dass die Tiere innerlich verblutet waren. Der Krankheitsverlauf, so der bayerische Tiergesundheitsdienst, sei meist von hohem Fieber begleitet. Etwa 80 Prozent der bis zu vier Wochen alten Kälber würden trotz veterinärärztlicher Behandlung oft schon nach ein bis zwei Tagen verenden.

Über die Ursache der mysteriösen Krankheit rätseln Veterinärmediziner in ganz Deutschland. Eine Infektion mit einem bekannten Erreger, könne derzeit ausgeschlossen werden, wie die Sprecherin des bayerischen Landesamtes für Gesundheit (LGL) Fr. Grimmer PROVIEH mitteilte. Mit einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München will man nun den Ursachen des rätselhaften Kälbersterbens auf den Grund gehen.

Sicher ist, dass es sich bei der Ursache der Blutungsneigung um eine schwere Schädigung des Knochenmarks handelt. Die Anzahl der Blutplättchen, die für die Blutgerinnung sorgen, sei bei den betroffenen Kälbern viel geringer als normal. Worauf jedoch diese Knochenmarkschädigung zurückzuführen ist, so Grimmer, sei nicht bekannt.

Eine Gefahr der Übertragung von Tier zu Tier oder auf den Menschen scheine es nicht zu geben. Es sind Kälber verschiedener Rassen betroffen, daher scheint auch keine genetische Ursache vorzuliegen.

Der Tiergesundheitsdienst Bayern (TGD) ruft die Landwirte auf, Krankheitsfälle zu melden, um die rätselhaften Symptome besser ergründen zu können. Die Untersuchung beim TGD wird im Rahmen eines vom Freistaat Bayern und von der Bayerischen Tierseuchenkasse unterstützen Projektes gefördert.

In Bayern können verdächtige Kälber beim Tiergesundheitsdienst in Grub (Tel.: 089 9091 260) oder bei der Klinik für Wiederkäuer (Tel. 089 / 2180 – 78800) gemeldet werden, weiterführende Informationen hierzu unter www.tgd-bayern.de/aktuell/MerkblattBlutschwitzer.pdf.

26.03.2009 - Iris Weiland, Fachreferat Witzenhausen

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