Warum gerade „Nutz“tierschutz?

Als Ehrenamtliche am Infostand werde ich manchmal gefragt: „Warum kümmern Sie sich denn unbedingt um Tiere?“. Meist ist das eine unfreundliche Bemerkung im Vorbeigehen, deren Tonfall nahelegt, dass die Arbeit von PROVIEH sinnlos und albern sei.
„Wofür engagieren Sie sich denn?“ möchte ich fragen, doch der Passant ist dann schon weg und ich ahne: vermutlich für nichts.

Solche Begegnungen sind Einzelfälle zwischen vielen tollen Gesprächen, in denen man mir für mein Engagement für die Tiere manchmal sogar dankt. Trotzdem bleibt die Frage im Hinterkopf: Sollte ich mich für „etwas Wichtigeres“ einsetzen? Wie bin ich eigentlich bei PROVIEH gelandet?

Erst einmal hatte ich schon immer ein großes Herz für Tiere im Allgemeinen. Auf Autofahrten mussten meine Eltern an jeder zweiten Pferdeweide anhalten und eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen ist mein Geburtstag auf einem Kinderbauernhof. Die Namen der Schweine - Pickeldie und Frederik – kenne ich noch heute.
Trotzdem machte ich mir lange Zeit wenig Gedanken über die Herkunft unserer tierischen Lebensmittel oder fiel auf die Beteuerungen der Agrar-Lobby rein: „Die sind ja dafür gezüchtet, so gehalten zu werden“ oder: „Wenn sie leiden würden, erbrächten Sie keine Leistung.“. Bei meinem ersten Besuch im Tierpark Arche Warder vor einigen Jahren erlebte ich Rinder und Schweine dann zum ersten Mal bewusst in einer artgerechten Umgebung. Meine Begeisterung für diese „Nutz“tiere war sofort wieder groß und die Gewissheit reifte, dass sie natürlich genauso ein artgemäßes Leben verdienen, wie Hund und Katze, Delphin und Tiger. Ich wurde Mitglied in einer Bio-Einkaufsgemeinschaft. Eher zufällig stieß ich auf ein PROVIEH-Magazin. Daraus ergab sich ein Praktikum bei PROVIEH, bei dem ich viel über „Nutz“tiere lernen durfte und alles begierig in mich aufsog. Ich blieb auch nach dem Praktikum bei PROVIEH, wurde Regionalgruppenleiterin.

Die Arbeit für PROVIEH ist meine erste ehrenamtliche Tätigkeit und hat mir gezeigt, wie gut es mir selbst tut, etwas Gutes für andere zu tun: Freude und Sinn, Gemeinschaft und Leidenschaft.

Was sich bei mir über Jahre entwickelt hat, wird der grimmige Passant am Infostand nicht in Minuten verstehen können. Aber vielleicht ist ein erster Schritt getan. Wenn nicht, ist er es, der etwas verpasst. Ich jedenfalls bin bei PROVIEH genau richtig!

Valerie Maus

Foto oben: © PROVIEH, Foto unten: © Valerie Maus