Wasser

Nur ein Handgriff ist nötig, und schon fließt das kristallklare Wasser aus dem Hahn. Ohne viel darüber nachzudenken benutzen wir es zum Zähneputzen und Duschen, für den Kaffee, zum Kochen, Wäsche waschen oder sauber machen – hier bei uns kann man schnell vergessen, dass Wasser eine begrenzte Ressource ist. Weltweit haben jedoch rund 750 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Prognosen besagen, dass sich der Konflikt um das flüssige Gold in den nächsten Jahren weiter zuspitzen wird.

 

Wasserverbrauch gestiegen

Zwischen den Jahren 1930 und 2000 hat sich der weltweite Wasserverbrauch etwa versechsfacht. Das liegt vor allem an der wachsenden Weltbevölkerung, dem deutlich erhöhten Wasserverbrauch pro Kopf sowie an der Verdoppelung der weltweit bewässerten Fläche für die Landwirtschaft. 

Die Landwirtschaft verbraucht aktuell fast 70 Prozent des weltweit verfügbaren Süßwassers – doppelt so viel wie Industrie und Haushalte zusammen. Rund ein Drittel davon wird allein für die Nutztierhaltung verwendet. Der „Wasser-Fußabdruck“ variiert dabei stark zwischen den verschiedenen Nutztieren, der Haltungsart und den einzelnen Ländern. Industrielle Massentierhaltungssysteme verbrauchen am meisten Wasser. Das belegt eine Studie der University of Twente in den Niederlanden von 2012. (1)

Besonders bedrückend ist, dass für neues Acker- und Weideland riesige Waldgebiete gerodet werden. Waldboden kann enorme Mengen Feuchtigkeit speichern und wieder an die Luft abgeben. Unter einem Quadratmeter Waldboden können sich bis zu 200 Liter Wasser sammeln. So bieten Wälder auch Schutz vor Hochwasser und Überschwemmungen.

 

Fleisch braucht Wasser

Weltweit hat sich die Fleischproduktion in den letzten 24 Jahren verdoppelt. In Deutschland hat sich seit 1850 der Fleischkonsum vervierfacht. Jeder Bundesbürger verzehrt im Durchschnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Der Wasser-Fußabdruck von tierischen Produkten ist deutlich größer, als der Fußabdruck von Nutzpflanzen mit einem vergleichbaren Ernährungswert. So ist beispielsweise der durchschnittliche Wasser-Fußabdruck pro Kalorie Rindfleisch rund 20 mal höher, als der von Getreide oder Kartoffeln. Um ein Kilogramm Gemüse zu produzieren, werden im globalen Durchschnitt rund 300 Liter Wasser benötigt. Für ein Kilogramm Milch sind im Schnitt 1.000 Liter Wasser nötig und für ein Kilogramm Eier schon 3.300 Liter Wasser. Die Herstellung von einem Kilogramm Schweinfleisch verschlingt rund 6.000 Liter Wasser und ein Kilogramm Rindfleisch verbraucht über sagenhafte 15.000 Liter Wasser.

Das meiste Wasser wird beim Anbau von Futterpflanzen wie Soja, Mais oder Gerste gebraucht. Weiterhin fließt viel von der begehrten Ressource in Kühlungs- und Hygienemaßnahmen, wie die Stallreinigung der Massenbetriebe. Während der Wasserbedarf grasender Tiere über den Weidegang zu einem Gutteil mit abgedeckt werden kann, enthalten Getreide und Kraftfutter nur wenig Feuchtigkeit, so dass die Tiere viel mehr trinken müssen. Auch für die Schlachtung und die Weiterverarbeitung der Tiere werden große Wassermengen verbraucht. Zudem trägt die industrielle Massentierhaltung erheblich zur Verschmutzung von Wasser bei. In vielen Regionen Deutschlands wurden bereits deutlich erhöhte Gehalte an Nitrat, Phosphor, Antibiotika und anderen unerwünschten Stoffen im Grundwasser gefunden. 

 

Lösungen

Die industrielle Massentierhaltung und der hohe Konsum von tierischen Lebensmitteln spielen also eine große Rolle beim Verbrauch und der Verschmutzung unserer Frischwasserreserven. Um den Wasserverbrauch wie auch die Wasserverschmutzung zu minimieren, sind Strategien und Anreize nötig, die die Menschen dazu ermutigen, eine nachhaltige Ernährung zu wählen und die Nachfrage nach Nahrungsmitteln mit einem kleineren Wasser-Fußabdruck zu erhöhen. Auch eine höhere Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel oder die strikte Koppelung von Subventionen an höhere Tier- und Umweltstandards sind Möglichkeiten, dies zu erreichen. Geht es weiter wie bisher, wird sich der Wasserverbrauch in den nächsten Jahren weiter deutlich erhöhen. Wir können jedoch bei jedem Einkauf unser Konsumverhalten reflektieren und ein Zeichen für einen nachhaltigen Umgang mit der überlebenswichtigen Ressource setzen. 

 

Christina Petersen

Dieser Artikel ist aus dem PROVIEH Magazin "Umwelt Spezial", Ausgabe September 2018.

 

(1) A Global Assessment of the Water Footprint of Animal Products. Von Mesfin M. Mekonnen an Arjen Y. Hoekstra. Department of Water Engineering and Management, Universitiy of Twente, P.O. Box 217, 7500 AE Enschede, The Netherlands.