Wichtiger Etappensieg: Große Mehrheit im EU-Parlament stimmt für umfassendes Klonverbot!

09.09.2015: In einer Plenarabstimmung am 8. September verabschiedeten die  EU-Parlamentarier mit überwältigender Mehrheit (529 zu 120) eine Entschließung für ein umfassendes Klonverbot. Sie fordern darin Kommission und Mitgliedsstaaten auf, den Verkauf von Schlacht- und Molkerei-Produkten und den Einsatz von Sperma, Eizellen und Embryonen aus geklonten Tieren und deren Nachkommen zu verbieten.

Die EU-Abgeordneten fordern die EU-Kommission damit auf, ihren Gesetzesentwurf über das Klonen zur Lebensmittelerzeugung inhaltlich nachzubessern. Außerdem soll nach ihrem Willen die Regelung statt als „EU-Richtlinie“, die von den Staaten verzögert und/oder schlampig in nationales Recht umgesetzt werden kann, als EU-Verordnung  verabschiedet werden. Verordnungen gelten nach Inkrafttreten sofort in allen EU Staaten gleichermaßen mit dem exakt gleichen Wortlaut.

Damit folgte das Europäische Parlament (EP) den zahlreichen Petitionen und Aufrufen aus Tierschutzkreisen - auch von PROVIEH - und dem eindeutigen Willen der Mehrheit der europäischen Bevölkerung: Immer wieder zeigte sich in den vergangenen Jahren deutlich im Rahmen verschiedener Umfragen zum Klonen (z.B. 2008 und 2011), dass die Europäer das Klonen zur Nahrungsmittelgewinnung ablehnen. Sie tun dies aus ethischen Gründen und wegen des hohen mit dieser Technik verbundenen Tierleids aufgrund häufiger Missbildungen und hoher Todesraten (wir berichteten).  

Wichtig ist nun, dass der Ministerrat (Vertreter aus den EU-Mitgliedsstaaten) diesmal der Entschließung des EP folgt statt dem windelweichen Kommissionsvorschlag, der pure Augenwischerei ist, weil er Klonnachkommen und Reproduktionsmaterial völlig außen vor lässt.

Einige neoliberale Kräfte sehen das geplante transatlantische Handels- und Investitionsabkommen mit den USA (TTIP) durch eine zu strenge Klonregelung gefährdet; denn die USA lassen keinerlei ethische oder moralische Bedenken gelten. Dort ist das Klonen von Rindern und Schweinen seit Jahren bereits üblich - trotz der Qualen für die Tiere. Die USA lehnen sowohl eine Beschränkung des Marktzugangs für Klonfleisch etc. sowie die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung für Produkte aus Klonen und ihren Nachkommen ab, weil sie dadurch ihre Marktchancen behindert sehen. Eine Wahlfreiheit für Verbraucher lehnen sie ab, beim Klonen genauso wie bei Gentechnik.

PROVIEH wird nun die Bundesregierung dazu auffordern, ihrem im Koalitionsvertrag verankerten Beschluss für ein umfassendes Klonverbot, das auch die Nachkommen von Klontieren umfasst, gerecht zu werden. Sie sollte der EP-Entschließung über eine umfassende Anti-Klonverordnung im kommenden Brüsseler Ministerrat zustimmen und für ihn werben, damit er die nötige Mehrheit der Stimmen bekommt.

Gute Gründe gibt es genug dafür: Neben der Vermeidung von massenhaftem, unnützen Tierleid droht durch das Klonen eine Verarmung des Genpools. Außerdem birgt das Klonen keinerlei Vorteile für die Bauern oder die Konsumenten. Die Nutznießer wären wieder einmal die großen Konzerne und Patentinhaber, die das Reproduktionsmaterial aus Klonen teuer verkaufen.

Wir möchten an dieser Stelle allen ganz herzlich danken, die mit uns gegen das Klonen kämpfen und insbesondere jenen, die in den vergangenen Tagen an unserer Mailaktion an die EU-Parlamentarier teilgenommen haben. Gemeinsam sind wir stark – und zunehmend erfolgreich in unserem Kampf für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung.

Sabine Ohm

 

PROVIEH Veröffentlichungen zum Klonen https://provieh.de/node/10288