Winter 2015/16: Neue Pelzgeneration in den Startlöchern

13.07.2015: Sommer, Sonne, Sonnenschein. Der Urlaub ans Meer oder in die Berge steht bevor. Kaum jemand macht sich jetzt schon Gedanken über den anstehenden Winter. Eins ist gewiss – der Winter kommt und bringt wieder neue Modetrends mit sich. Letztes Jahr waren es Pelzkragen an Jacken und Mützen mit Fellbommel. Dieses Jahr wird dem Verbraucher sicherlich auch wieder ein Potpourri an kleinen Echtfellaccessoires und -elementen an den Kleidungsstücken  geboten.

Vielversprechender Produktionsstart und grausames Ende

In den Pelztierfarmen kommt zurzeit die neue „Generation Echtfell“ zur Welt und wartet nach qualvoller Aufzucht in viel zu kleinen Käfigen auf das unausweichliche Ende. Die Gitterkäfige bieten alles andere als ein artgerechtes Leben. Tägliche Verletzungen und Kannibalismus stehen auf der Tagesordnung. Kaum erträgliche Bilder von heimlichen Filmaufnahmen zeigen die unglaubliche Brutalität, die dieses Geschäft begleitet.
Welche Rechtfertigung gibt es für diese skrupellose Ausnutzung und Quälerei solch intelligenter und sozialer Tiere? Fakt ist, dass die Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Aber hier siegt eindeutig der finanzielle Gewinn über Skrupel und Menschlichkeit.

Zusammengefasst: Zahlen, Daten und Fakten zu Pelztieren in Deutschland

2012 erreichte der weltweite Jahresumsatz der gesamten Pelzwirtschaft mit 15,1 Milliarden US-Dollar ein neues Rekordhoch – 4,5 Milliarden entfielen allein auf die Länder der Europäischen Union, so die “International Fur Trade Federation“ (internationaler Pelzhandelsverband).

Das Deutsche Pelzinstitut (der Interessenverband der deutschen Pelzwirtschaft) gibt an, dass die Fellarten heute zu 46,9 Prozent aus Zucht und „Farmhaltung“, zu 37,6 Prozent aus „Weide- und Stallhaltung“ (Lamm, Ziege, Kalb) und zu 15 Prozent aus „Jagd und Hege“ stammen. Etwa 90 Millionen Pelze werden pro Jahr verarbeitet, davon etwa 28 Millionen Nerzfelle und vier Millionen Fuchsfelle.

Muss es wirklich Pelz sein?

Der letzte Winter hat gezeigt, dass der modebewusste Kunde den Pelztrend ohne schlechtes Gewissen mitgegangen ist. Vielen war noch nicht einmal bewusst, dass sie ein echtes Tier an ihrer Kleidung trugen. Mittlerweile bietet der Markt Pelzimitate, die den echten Pelzen in nichts nachstehen. Unbedingt notwendig ist eine klare Kennzeichnung der Kleidungsstücke. So kann der Kunde selbst entscheiden, ob er zu Echt- oder Kunstpelz greift, ob er sich für oder gegen Tierleid entscheidet.

Die Politik regt sich

Vergangenen Freitag wurde im Bundesrat auf Antrag Schleswig-Holsteins über ein Haltungsverbot von Pelztieren zur Pelzgewinnung beraten. In Österreich, England und Kroatien ist die Haltung ganz oder teilweise verboten, die Niederlande wollen den Ausstieg bis 2024 vollzogen haben. Füchse und Chinchillas dürfen dort seit 2008 nicht mehr gehalten werden. Wie der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Robert Habeck treffend formulierte: „[…] Es wird daher Zeit, auch bei uns in Deutschland dem Elend insgesamt ein Ende zu setzen und die Haltung von Pelztieren zum alleinigen Zwecke der Tötung zur wirtschaftlichen Verwertung der Pelze vollständig zu verbieten.“
In den Ausschüssen des Bundesrates wird es jetzt Beratungen zum Antrag geben, hoffen wir auf eine vernünftige Entscheidung im Sinne der Tiere.

 

Stefanie Pöpken

Foto: Pixabay