Die Kanzlerin muss visionäre Zukunftsbilder für die Landwirtschaft fordern und fördern



Zukunftskommission Landwirtschaft: Die Kanzlerin muss visionäre Zukunftsbilder für die Landwirtschaft fordern und fördern 

Im September letzten Jahres hatte die Zukunftskommission Landwirtschaft ihre auf ein Jahr angelegte Arbeit aufgenommen. Heute Morgen wird sich die Bundeskanzlerin mit den Mitgliedern der Kommission treffen und sich von dem Arbeitsstand berichten lassen. PROVIEH fordert die Kanzlerin auf, ambitionierte und visionäre Zukunftsbilder von den Mitgliedern der Kommission einzufordern und die Zukunft der Landwirtschaft zur Chefsache zu machen.
 
Berlin, 16. März 2021: Heute werden die Mitglieder der Zukunftskommission Landwirtschaft mit der Kanzlerin über ihre bisherige Arbeit und die anvisierten Ziele sprechen. Dass die Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form weit davon entfernt ist, gesellschaftlich akzeptiert zu sein, ist genau so klar wie der Umstand, dass die gesellschaftliche Sensibilität insbesondere beim Thema Nutztierhaltung in Zukunft noch weiter steigen wird. Die bisherige Politik der Trippelschritte beruhte vor allem darauf, dass ambitionierte Änderungen von einigen Landwirtschaftsverbänden wirkmächtig als unzumutbar dargestellt werden konnten. Doch der – in diesem Kontext oft lediglich strategisch eingesetzte – Begriff der „Unzumutbarkeit“ ist nur relativ zu dem politischen Gestaltungswillen und -mut, mit dem man die Landwirtschaft bei der notwendigen Transformation zu unterstützen bereit ist. Ambitionierte Zielvorgaben und eine faire Entlohnung für die landwirtschaftlichen Betriebe stehen in keinem Zielkonflikt, wenn wir sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen. PROVIEH fordert ein visionäres Zukunftsbild der Landwirtschaft, das dem Bedürfnis der Landwirtschaft nach langfristiger Planungssicherheit, finanzieller Unterstützung und gesellschaftlicher Wertschätzung gleichermaßen Rechnung trägt wie einer Wertschätzung der Tiere und einem Verständnis von Tieren als fühlenden Wesen mit spezifischen arteigenen und individuellen Bedürfnissen, die mehr sind als bloße Produktionseinheiten.

Hierzu Ludwig Krüger, Leiter des Hauptstadtreferats: „Die gesellschaftlich integrative und Ressourcen mobilisierende Kraft von visionären positiven Zukunftsbildern wurde in der Landwirtschaftspolitik bislang immer unterschätzt. Am Anfang müssen kompromisslose Ziele entwickelt und sodann die dafür nötigen Mittel definiert werden – und zwar unter der Maßgabe, dass niemand auf der Strecke bleiben darf. Stattdessen denken wir immer zuerst von den Mitteln und den herbeigeredeten Systemzwängen und machen damit die Kompromisse schon bei den Zielen. Ganzheitlich denken heißt den ganzen Zyklus in den Blick zu nehmen – von den Zuchtzielen, über die Haltungsbedingungen und den Transport bis hin zur Schlachtung. Wir müssen über die Reduzierung der Tierzahlen sprechen, über nicht-tierische Alternativen, über eine Abkehr von der Exportorientierung, über lokale Produktionskreisläufe und regionale Vermarktungsstrukturen. Das müssen die Eckpfeiler einer Zukunftskommission sein – und das muss die Kanzlerin einfordern!“ 
 
Von den Zielen her denken heißt für PROVIEH: Die Haltungsbedingungen sind an den Bedürfnissen der Tiere auszurichten, anstatt Anpassungen am Tier vorzunehmen wie zum Beispiel Schwanzkupieren bei Schweinen, das Schnabelkürzen bei Geflügel oder das Enthornen bei Rindern. Dazu gehören auch eine artgemäße Fütterung ohne gentechnisch veränderte, pestizidbelastete Futtermittel und ein verantwortungsvoller, also minimaler Antibiotikaeinsatz. Die Definition dessen, was Tierbedürfnis-orientierte Haltungsbedingungen ausmacht, darf nicht länger von aktuellen Produktionsweisen abhängig gemacht werden, sondern muss auf neutralen fachwissenschaftlichen, etwa veterinärmedizinischen und verhaltensbiologischen Erkenntnissen beruhen. Unabdingbar sind der Verzicht auf nicht-kurative Eingriffe am Tier und das Verbot von Käfighaltung oder analogen Haltungsformen wie Kastenstand und Anbindehaltung. Stattdessen brauchen Tiere die Möglichkeit zur Auslebung natürlicher und sozialer Verhaltensweisen, eine strukturierte Umgebung mit viel Beschäftigung, Auslauf und Freilandhaltung.

Tierschutz und artgerechtere Haltung müssen zusammengedacht werden mit Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz, sozialer und globaler Gerechtigkeit sowie wirtschaftlicher Sicherheit für die landwirtschaftlichen Betriebe, dürfen diesen Kriterien jedoch nicht untergeordnet werden. Diese Aspekte stehen in keinem Zielkonflikt, wenn es eine positive Zukunftsvision gibt, denn mit einer solchen sind sie dann Teil derselben Strategie. Um dies zu erreichen, müssen verantwortungsvolle Tierhaltung in der Landwirtschaft und der Transformationsprozess als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung betrachtet werden. Bislang wird dies meist auf die Verbraucherseite abgewälzt. Doch es handelt sich um ein Systemproblem, bei dem sich nur etwas bewegt, wenn sich alle bewegen. Von der Verbraucherseite und der Landwirtschaft über den Lebensmitteleinzelhandel bis hin zu Medien, Bildungsinstitutionen und Investoren haben alle eine Verantwortung. Und es ist die Aufgabe der Politik, hierfür die Weichen zu stellen und die gesamte Gesellschaft mitzunehmen. Dafür braucht es Zukunftsbilder, für die bislang noch der Mut und die Kreativität fehlt. 


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